Auch die nächsten drei Tage besserte sich nichts- weder meine Leistung beim Training, oder meine Einstellung zu Steve und dem Leben, die Unlust morgens aufzustehen, noch die Schmerzen im ganzen Körper. Meine Choreographen waren mittlerweile fast soweit, mich gegen die Wand klatschen zu wollen, denn ich bekam einfach nichts auf die Reihe, egal wie sehr ich mich auch anstrengte. Ich kannte die Schrittfolgen und ich wusste wann ich was tun musste- trotzdem machte ich immer wieder alles falsch. Es frustrierte mich selbst schon unheimlich, aber wie es im Leben anscheinend immer war, musste auch noch jeder andere auf mir herumhacken. Das ständige Heruntergemachtwerden und die andauernden Zweifel an mir und meinem Leben halfen mir auch nicht unbedingt dabei, mich zu bessern, aber anscheinend war das all den Leuten um mich herum egal- allen bis auf Harry und Adam. Harry und ich sprachen zwar nicht viel darüber, aber immerhin genug, damit ich meine tägliche Dosis an Beschwerde und er die dazu passende Beschwichtigung raushauen konnte. Auch der häufige Kontakt zu Adam tat mir gut, und das nicht nur auf verbaler Ebene. Selbst wenn die Nachrichten zwischen uns recht oberflächlich gehalten waren, und meistens nur von Musik und unseren Berufen handelten, fand ich es schön, wie er sich bemühte. Jedoch waren diese beiden, wie schon erwähnt, der einzige Lichtblick in einem Meer voller Missbilligung und Reduzierung.
Erst am letzten Trainingstag vor der zweitägigen Pause kam ein wenig Besserung in Sicht, denn ich konnte mittlerweile wieder einige Schrittfolgen aneinander setzen. Ich machte zwar noch viele Fehler, und war deswegen noch lange nicht zufrieden damit, doch es war ein kleiner Hoffnungsschimmer für mich, und davon hatte es in der letzten Zeit kaum welche gegeben. Leider schaffte Steve es diesmal, im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, mich am Eingang abzufangen und in sein Auto zu stecken. Tonlos erklärte er mir, dass wir dieses Geschäftsessen dringend führen müssten und ich mich gefälligst nicht so vor ihm verstecken sollte, da er immerhin nur für mein Glück arbeitete. Zumindest gab er mir, ehe er mich zu diesem Restaurant schleppte, noch die Möglichkeit mich zu duschen und umzuziehen. Auch wenn er mich durch meine ganze Wohnung verfolgte und somit versuchte, Druck auf mich auszuüben, ließ ich mir Zeit bei dem was ich tat. Ich wusste, dass er mich so oder so anschreien würde, wieso sollte ich mich also noch sonderlich fügen. Zwei Stunden später saßen wir schließlich im Auto und brachten den zwanzig minütigen Weg hinter uns, um dann vor einem recht unauffälligem Reihenhaus anzuhalten. Die Fassade war wirklich unspektakulär: eine graue Wand mit einigen Fenstern und Lichterketten. Verwundert darüber, dass mein Manager tatsächlich eine solche Location gewählt hatte, folgte ich ihm in das bescheidene Diner; was ich dort aber sah, haute mich beinahe um. Ich konnte weder auf die Einrichtung, noch andere Gäste oder den Kellner achten, denn alles was ich sah war ein kleiner, tättowierter Rotschopf, der sich zu mir drehte.
"Ed!", kreischte ich laut wie eines seiner Fangirls und rannte auf ihn zu, um ihm um den Hals zu fallen und so fest zu drücken, dass meine Arme dabei schmerzten. In diesem Moment war ich wirklich froh- zwar nicht glücklich, aber froh- und grinste das erste Mal seit gefühlten Jahren wieder. "Was machst du hier?"
"Er ist hier, um mit uns über die Tour zu sprechen.", murmelte Steve als wäre es offensichtlich und quetschte sich an uns vorbei, um zum Tisch und Eds Manager zu gelangen. "Er ist dein Geschäftspartner."
"Und ich brauche eine Bleibe und habe beschlossen, dein Sofa dafür zu buchen.", grinste der kleine Brite und schob mich dann zu unserem Platz. "Ich hoffe, du hast nichts dagegen."
"Ich bestehe sogar darauf.", gab ich lächelnd zurück und sah ihm dabei zu, wie er sich setzte.
"Also meine Lieben.", riss Steve die Gesprächsleitung an sich. "Wie stellt ihr euch das Ganze vor?"
Dank der Anwesenheit meines besten Freundes konnte ich mich auch besser auf die ganze Planung und Vorbereitung konzentrieren und brachte, zu meiner eigenen Überraschung, auch einige Vorschläge. Meistens überließ ich die Verteilung der Termine und Aufteilung der Busse Steve, doch irgendwie hatte ich diesmal Lust dazu, mich selbst auch einzubringen. Wir diskutierten bis zu den Abendstunden, solange, bis keiner mehr so richtig aufpassen konnte, und vereinbarten die Unterhaltung am nächsten Tag fortzusetzen. Ed und ich wurden von Steve zu meinem Apartment gebracht, wo ich, ehe ich seinen Wagen verließ unbedingt noch einen Satz loswerden musste: "Nur zur Info, Steve. Mit Ed habe ich nichts und da wird auch so bald nichts sein, falls du wieder etwas in der Zeitung liest und dich für schlauer als ich hältst."
Während ich ihn so sprachlos zurücklassen konnte, ging ich mit Ed zu meiner Wohnung und richtete ihm dort das Sofa so, dass er darauf schlafen konnte und machte uns beiden eine heiße Schokolade. Draußen war es mittlerweile wirklich kalt geworden und wir beide waren total ausgekühlt, obwohl der Weg nicht allzu lang und im Auto die Heizung angewesen war.
Ich beschloss, ihm erst einmal nichts von all dem zu erzählen, was gerade in meinem Leben los war. Er hingegen hatte Einiges loszuwerden, so erzählte mir von einer Frau, die er seit einiger Zeit kannte und mit der es ernst zu werden schien. Sie hieß Elena, war wohl blond und unheimlich sympathisch, er fühlte sich bei ihr gut und sie schien ihn zu akzeptieren, wie er war. Er merkte auch an, dass sie bereits auf seiner Geburtstagsparty vor ein paar Monaten gewesen war, die, die für mich schrecklich geendet hatte. Tatsächlich konnte ich mich schwach an eine Blondine erinnern, die zu seiner Beschreibung passte, doch ganz sicher war ich mir auch nicht. Ed meinte, er würde uns gerne einander vorstellen, sobald es zwischen den beiden zu etwas Festem kommen würde und ich antwortete ihm, dass ich mich wirklich freuen würde, Elena kennenzulernen. Ich beschloss meinen besten Freund noch ein wenig schwärmen zu lassen, bevor ich mich ins Bett verabschiedete, was ich aber doch nach einer Stunde schon tat. Es war immerhin schon Mitternacht und ich musste am nächsten Tag wieder früh aufstehen- es standen viele Geschäftstermine an die sich besser ertragen ließen, wenn man weder Bauch- noch Kopfschmerzen hatte.
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
