Der junge Mann zu meinen Füßen sah überhaupt nicht gut aus. Er saß mit angezogenen Knien vor der Haustür und schlief, wobei er vollkommen durchnässt war, zitterte und ziemlich blass wirkte. Als ich ihn schließlich vorsichtig weckte, sahen mich seine Augen, welche von tiefen dunklen Ringen untermalt waren, erschrocken an. Als er verstand, dass nur ich es war, die ihn weckte, wurde er sofort ruhiger und rappelte sich auf um mir gegenüber stehen zu können.
"Harry.", murmelte ich noch immer etwas überrascht und ging unwillkürlich einen Schritt zurück, um Abstand zwischen uns bringen zu können. "Was- Hast du etwa hier geschlafen?"
"Ich habe auf dich gewartet.", gab er zurück und fuhr sich durchs nasse Haar, was seine geistartige Erscheinung nur noch verstärkte.
"Bist du verrückt?", hakte ich nach und deutete auf seinen völlig durchgefrorenen Körper. "Wieso bist du überhaupt hier?"
"Wegen gestern Abend.", gab er zurück und tat einen Schritt auf mich zu, welchen ich mit einem weiteren nach hinten beantwortete. Ich durfte nicht zulassen, dass er mir zu nahe kam, weil ich mir noch immer nicht zutraute, in seiner Gegenwart standhaft zu bleiben. Es war besser für uns beide, wenn ich die Kalte spielte und ihm nicht zu nahe kam. "Ich möchte nicht, dass wir so auseinander gehen."
"Ich aber vielleicht.", bemerkte ich und steckte meine Hände in meine Manteltaschen, da die winterliche Kälte langsam begann, an mir zu nagen. Neben vielen Schneeflocken, die vom Himmel fielen, ging auch noch ein unheimlicher Wind an diesem frühen Sonntagmorgen. "Meine Meinung ist die gleiche wie gestern Abend, genauso wie wir alles gesagt haben, was gesagt werden musste. Lass die Vergangenheit endlich hinter dir und geh nach Hause."
Noch während ich sprach holte ich meine Schlüssel heraus und ging an ihm vorbei, um die Haustür aufzuschließen. Ich schaffte es nicht noch einmal so ein Gespräch mit ihm zu führen, da ich genau wusste, wohin es uns beide bringen könnte und das wollte ich um jeden Preis vermeiden. Auch wenn er es nicht zu verstehen schien, stand für mich der Schutz meines Herzens an erster Stelle und er war definitiv der falsche für diesen Job.
"Willst du vor mir jetzt genauso feige wegrennen wie vor deinen eigenen Gefühlen?", erkundigte er sich etwas lauter von seinem Standpunkt aus und verschränkte seine Arme. Auch er fror unheimlich, denn selbst wenn er versuchte es zu kaschieren, sah ich, wie stark er zitterte. Müde drehte ich mich noch einmal kurz zu ihm um und sah in sein wunderschönes Gesicht, wobei ich versuchte seinem Blick trotzdem auszuweichen.
"Ich laufe vor gar nichts weg.", antwortete ich. "Ich tue das, was für uns beide das Beste ist."
Mit diesen Worten ließ ich die Tür los und nahm die ersten paar Treppen nach oben, um möglichst schnell wieder für mich zu sein. Harry wusste genau was er sagen musste, um in mir etwas bestimmtes auszulösen und ich wollte in jedem Fall verhindern, dass es so weit kommen konnte- Kopf über Bauch. Ich hätte mir aber wie immer denken können, dass er nicht plötzlich zu einem verständnisvollen Mann wurde und mir die Ruhe gönnte, die ich so sehr brauchte.
"Das Beste für uns beide sind wir beide.", behauptete er und folgte mir, was ich an seinen Schritten hörte, ins Treppenhaus. Vielleicht sollte ich einfach so tun, als hätte ich ihn nicht gehört und weitergehen. Vielleicht verstand er dann, dass wir beide weiterziehen mussten. Vielleicht war er aber einfach der gleiche Harry der er immer gewesen war und akzeptierte daher kein nein. "Hörst du?"
"Ja, verdammt. Ja, ich höre dich.", antwortete ich etwas lauter und drehte mich etwas wütend zu ihm. "Es ändert aber nichts an den Tatsachen. Sieh dir doch unsere Geschichte nur einmal aus einem objektivem Blickwinkel an und versteh, dass wir beide ganz und gar nicht gut für einander sind! Du weckst in mir meine schlimmsten Seiten und hast mein Herz seit wir uns kennen nicht nur einmal gebrochen."
"Ich weiß, dass ich nicht der Mann war den du verdient hast, verdammt!", gab er etwas lauter zu und atmete scharf aus. "Ich weiß es, okay? Ich habe dein Herz gebrochen und ich schäme mich unheimlich dafür, aber wer sagt, dass nicht ich der sein kann, der es wieder zusammenfügt? Gib mir nur diese eine verdammte Chance, damit ich dir beweisen kann, dass selbst ich mich ändern kann. Die letzten sechs Monate waren verdammt lang, aber ich weiß jetzt was ich will. Ich will dich, sowohl in deinen guten als auch deinen schlechten Zeiten."
"Du sollst dich geändert haben?", fragte ich ironisch nach und warf meine Hände in die Luft. "Etwa ändern im Sinne von du stößt Adam, weil er mich nach Hause bringen will und schlägst den Freund eines Fans, weil sie ein Autogramm wollen? Oder eher im Sinne von du hast noch immer Kontakt zu der Schlampe mit der du mich betrogen hast?"
"Ich habe zu Cara keinen Kontakt mehr, das schwöre ich dir. Louis hat mich zu diesen Partys geschleppt ohne mir zu sagen, dass sie dort ist.", verteidigte er sich und sah mich ernst an. "Du musst mir glauben. Ich meine es ernst, Tay. Ich will dich, und nur dich."
"Ich kann nicht.", gab ich wieder etwas ruhiger zurück. "Es ist zu viel passiert."
"Du kannst.", widersprach er und ging noch eine Treppenstufe, um den Abstand zwischen uns vollständig zu eliminieren.
"Nein. Und jetzt geh bitte.", entgegnete ich und wandte mich wieder von ihm ab. Was auch immer es war, irgendetwas an ihm machte mich verrückt. Bevor ich aber auch nur einen Schritt gehen konnte, griff er nach meiner Hand und hielt mich so bei sich. Meine Haut begann dort, wo er sie berührte, sofort zu kribbeln und egal wie sehr ich versuchte mich zu lösen, ich konnte nicht. Er hatte etwas an sich, das in mir jede Vernunft ausschaltete.
"Ich liebe dich, Tay.", murmelte er und stellte sich auf die gleiche Treppenstufe wie ich. "Und ich weiß, dass du mich auch liebst. Gib uns beiden die zweite Chance, die wir verdienen."
"Harry, ich- ich kann nicht.", wiederholte ich mich und wich seinem Blick so gut wie möglich aus. Er wusste genau, was er tun musste, damit ich mir selbst entglitt.
"Sieh mich an.", flüsterte er und hob mein Kinn mit seinem eiskalten Zeigefinger an. Seine grünen Augen trafen meine und versuchten sofort, meine Gedankengänge zu ergründen. Selbst wenn ich versucht hätte, ihnen auszukommen, hätte Harrys Griff mich weiter gezwungen ihm erhobenen Hauptes ins Gesicht zu sehen. "Ich kann nicht mehr tun als dir zu versprechen, dich von ganzem Herzen zu lieben und der Mann zu sein, den du verdammt nochmal verdienst. Aber ich schwöre dir, dass ich das tun werde. Ich werde dich nicht aufgeben, egal wie sehr du versuchst mich dazu zu bringen."
Seine Worte überraschten mich tatsächlich, da sie viel mehr Emotion in sich trugen als ich von ihm gewohnt war. Er hatte es geschafft; alle Wut in mir war für den Moment verflogen und wohliger Wärme gewichen. Selbst wenn ich gewollt hätte, war es zu diesem Zeitpunkt schon zu spät für einen weiteren Versuch, mich ihm zu entziehen. Als sein Gesicht letzten Endes meinem immer näher kam, bis sich schließlich unsere völlig durchgefrorenen Lippen aufeinander legten, war es schon passiert. Harry hatte mich, genauso wie er es die letzten Monate gehabt hatte. Ich war immer sein gewesen und das hatte sich nie geändert, egal wie sehr ich versucht hatte, mich vom Gegenteil zu überzeugen.
Sein Kuss schloss in mir die Wunden, die er verursacht hatte und gab mir das, was ich bei Adam immer gesucht hatte. Der Funken sprang über, und das nicht nur einmal. Plötzlich wusste ich wieder, wie es sich anfühlte für einen Moment nicht zu leiden und nur Glück zu spüren - Bauch über Kopf.
Nach einigen viel zu kurzen, und doch ewig scheinenden, Momenten löste er sich wieder und lächelte leicht, als er mein Gesicht betrachtete.
"Du lächelst.", bemerkte er und strich eine meiner Haarsträhnen hinter mein Ohr. Auch wenn seine Hand eiskalt war, hinterließ seine Berührung nur Wärme in mir und ließ mein Herz noch höher schlagen. Verdammt, was tat er nur mit mir?
"Du auch.", gab ich zurück und deutete auf seine Lippen. Ich war mir bewusst darüber, dass ich in diesen Momenten nichts tat, was ich mir nicht irgendwann wieder vorwerfen würde, doch es war gut so. Es war nicht richtig, aber es war mehr als gut.
"Nimm mich zurück. Lass mich dir beweisen, dass es funktionieren kann.", murmelte er und lehnte vorsichtig seine Stirn gegen meine.
"Wie wäre es, wenn wir ausnahmsweise mal nicht Hals über Kopf handeln und erst einmal eine Tasse trinken, um wieder warm zu werden?", schlug ich leise vor und schluckte leicht, wobei ich nicht aufhören konnte, zu grinsen.
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all you had to do was stay
Fanfiction"Es war nie leicht, und auch, wenn es so schwer war, war es das immer wert." Nachdem Harry Taylor betrogen hat, geht für sie eine Welt unter. Sie vergräbt sich in Selbstmitleid und Einsamkeit, bis ihre Freunde sie schließlich dazu bringen, zurück in...
