Kapitel 8

318 22 0
                                        

Es dauerte eine Weile, bis ich mir klar darüber wurde, was das bedeutete. Nicht nur, dass er von irgendjemandem meinen Benutzernamen bekommen haben musste, sondern auch, dass es mit höchster Wahrscheinlichkeit entweder El oder Louis gewesen waren. Nur diese beiden kannten meine Kontaktdaten, zumindest die meisten, und hatten gleichzeitig noch etwas mit Harry zu tun. Abgesehen davon, dass ich mindestens einem von beiden wohl den Kopf abreißen musste, hatte ich jetzt noch das Problem mit diesem Chat. Klar war, wenn ich ihn annahm, würde er wissen, dass ich die Nachricht gelesen hatte. Andererseits interessierte mich brennend, was er mir wohl mitzuteilen hatte und das fand ich nicht heraus, ohne die Anfrage zu akzeptieren.

Zack- ehe ich mich versah, hatte mein Daumen entschieden was ich tun würde. Die Buchstaben vor mir brannten sich in meine Augen und mein Herz begann ein wenig schneller zu schlagen. Nicht etwa, weil ich mich freute, aber weil ich von mir selbst überrascht war - wie war das mit Abstand gewesen?

> Können wir reden? H. <

Ehe ich recht überlegen konnte, ob ich lachen oder die Krise kriegen soll, tippte ich schon eine Antwort ein. Meine Neugier schien mal wieder zu siegen, was ich im Nachhinein vermutlich bereute.

> Ich wüsste nicht worüber <
> Ich dafür eine Menge. <
> Zwischen uns ist alles gesagt, was gesagt werden musste <

> Das sehe ich anders. <
> Wie schön dass dir das nach über dreieinhalb Monaten auch mal auffällt <

Nach dieser Nachricht legte ich mein Handy sofort weg. Seine Antworten erfolgten im Sekundentakt, anscheinend hatte er sich für den Moment nur auf den Chat konzentriert. Was dachte er sich, jetzt, nach all der Zeit wieder so an zu kommen? Über einen Nachrichtendienst?
Auch die drei folgenden Vibrationsmitteilungen meines Handys ignorierte ich, da ich einfach keine Energie mehr hatte, mich so etwas zu stellen. Schließlich musste ich am nächsten Tag früh raus und mich auf die Arbeit vorbereiten, was weitaus wichtiger war als so eine kleine Konversation. Auch die dadurch aufkommenden Erinnerungen an die wortlose Trennung, seine plötzliche Abwesenheit, die Wahrheit über Cara, alles von dem ich gedacht hatte, es verarbeitet zu haben, versuchte ich zu unterdrücken. Wenn das Zurückhalten von Gefühlen nur einmal so funktionieren konnte, wie man wollte.

Bereits um sieben Uhr am folgenden Morgen weckte mich der Klang meines Timers und fünf Minuten später gab mir ein eingehender Anruf von Steve noch den letzten Kick und bewegte mich dazu, auf zu stehen. Er erzählte mir zunächst, dass für die Zeit in England wohl Lou Teasdale statt Abby sich um mein Styling kümmerte, wann und wo der Red Carpet begann und an wen ich mich vor Ort wenden konnte, sollten Fragen auftreten. Von seiner Freundin konnte er nichts Neues berichten, sie lag noch immer im Koma und es gab immernoch kein Anzeichen auf baldige Besserung. Ich hoffte so sehr, dass sie bald aufwachte und schnell gesund wurde; zum Einen, damit ich sie als Stylistin zurück bekam und zum Anderen, weil Steve ein paar gute Neuigkeiten wirklich gebrauchen konnte.
Lou Teasdale ... irgendwie kam mir der Name bekannt vor, zuordnen konnte ich ihn aber gar nicht. Während ich weiter überlegte, wer diese Frau sein mochte, die an diesem Tag Abbys Job übernahm, widmete ich mich meiner Morgendusche und meinem Outfit für den Tag. Selbst als ich meine Jeans und ein übergroßes weißes T-Shirt anhatte, meine Haare locker geflochten waren und mein Bett gemacht war, mochte mir noch nichts dazu einfallen. Also beschloss ich die Lösung dieser Frage auf später zu verschieben, da ich sie ja sowieso in drei Stunden traf. In meinem warmen Regenparka verließ ich schließlich das Hotel und beschloss, mich zum Frühstück in ein kleines Café zu setzen. Wie immer umging ich alle Starbucks-Shops und fand schließlich ein kleines Gasthaus, direkt am Anfang einer Seitenstraße, das mir vom Stil her gefiel. Dort bestellte ich mir zu einem Milchkaffee einen Bagel und ließ mich mit meinem Handy und meinem Tagebuch auf einer kleinen Eckbank nieder. Der Regen, der in London immer vom Himmel prasselte, wenn ich hier war, schlug gegen die großen Fenster des Shops und erfüllte diesen so mit beruhigenden Geräuschen. Ich mochte den Regen, den Duft den er mit sich brachte und vor allem wie alles blühte, wenn er vorüber war.

all you had to do was stayStories to obsess over. Discover now