Kapitel 29 - Zwei Wochen

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Zwei Wochen waren vergangen. Und mein Schmerz ging ins unermessliche. Mit jedem Klingeln meines Weckers, jedem Aufwachen ohne seinen Arm um meine Taille zu sehen, jedem Frühstück bei dem ich ihn sehen musste wie es ihm so gut ging, jeder Autofahrt und jeder einzelnen Pause, in der ich alleine dastand, jedes einzelne Mal wenn ich ihn sah, oder eben nicht sah, war es wie ein erneuter Tritt in die Magengrube.

Zu wissen, dass er mich liebte und ich ihn liebte, aber wir nicht zusammen sein konnten. Zu sehen, wie er ein Mädchen nach dem anderen abschleppte, ihr Stöhnen aus dem Zimmer gegenüber zu hören. Zu hören, dass es ihm gut ging, dass er es geschafft hatte, über mich hinwegzukommen.

Das alles tat so verdammt weh, dass ich das Gefühl hatte, ich hätte es verdient, verletzt zu werden. Als hätte ich es nicht verdient, glücklich zu sein. Als wäre ich es nicht wert, geliebt zu werden.

Mit der Gang hatte ich nichts mehr zu tun, nur mehr mit Tammy, da sie meine beste Freundin war. Aber zu ihr hielt ich ebenfalls Abstand, ich lag eigentlich den ganzen Tag in meinem Bett und heulte. Ich aß Eis, Schokolade und anderen Süßkram. Rachel und Ali hatten oft versucht, mit mir zu reden, doch ich hatte es nie zugelassen.

Ich war nie gut darin, über Schmerz zu reden, nur mit Cole konnte ich das. Ich hatte immer noch mit niemandem über Mum oder Kyle geredet, ich meine richtig geredet, außer mit Cole. Und ich vermisste ihn so sehr, Gott, wie ich ihn vermisste. Unsere Zickereien, unsere Küsse, sein ‚Babe'. Alles. Ich vermisste alles.

Dad hatte kurz über lang auch von uns erfahren und er hatte anders reagiert, als ich gedacht hatte. Er war zu mir gekommen, hatte mich nur gefragt, ob Cole mich glücklich machte und als ich dies bejahte, meinte er, er hätte etwas gut zu machen und würde uns wieder zusammen bringen.

Doch wie er das schaffen wollte, war mir ein Rätsel und ich wusste, dass er es sowieso schonwieder vergessen hatte, schließlich war er so sehr mit der Arbeit beschäftigt, dass er keine Zeit hatte, über etwas belangloses wie die Beziehung seiner Tochter nachzudenken.

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Es war also wiedermal Montag und ich wurde gerade eben von meinem Wecker geweckt. Ich ging mit halboffenen Augen ins Bad, als ich in jemanden hineinlief. Ein blondes Mädchen, tiefer Ausschnitt, zehn Kilo verschmierte Mascara und die Haare verwuschelt. Das musste wohl eine von Coles Betthäschen sein.

„Sorry" flüsterte sie und schlich sich an mir vorbei. Ich spürte wieder diesen Stich, genau bei meinem Bauchnabel. Es war, wie ein Tritt, ein Stich, was auch immer.

Ich setzte meinen Weg fort ins Bad, wo ich mich fertig machte. Duschen, ein wenig Mascara und ein bisschen Lippenbalsam. Mehr wollte ich heute nicht, da meine Augen immer noch verquollen waren, vom Weinen der vergangenen Nacht.

Ich putzte meine Zähne und dann zog ich mich an. Ein graues Shirt mit V-Ausschnitt und Hotpants. Die Haare ließ ich in leichten Wellen, wie sie eben waren, hinunter hängen.

Wir saßen am Frühstückstisch und wie so oft in diesen zwei Wochen, die Cole und ich jetzt nicht mehr zusammen waren, war er nicht da. Ich wusste nicht, was er immer tat oder wann er sein Frühstück aß, aber er saß nur selten mit uns am Tisch. Ich stocherte wiedermal lustlos in meinem Müsli rum, während Rachel uns von ihrer ersten Ultraschalluntersuchung erzählte, die sie am Vortag hatte.

Sie zeigte uns die Bilder und ich bekam eine Gänsehaut. Dieses kleine Geschöpf lag da so friedlich und hatte keine Ahnung, was es auf dieser grausamen Welt erwarten würde. „Ich bin in der siebzehnten Woche, der Arzt sagte, die Größe passt perfekt, das Geschlecht können sie erst ab dem sechsten Monat bestimmen. Aber auch vom Körperbau her, ist alles so wie es sein sollte." Erzählte sie stolz und ich versuchte wenigstens, zu lächeln.

Ich aß mein Müsli so schnell es ging runter und holte dann meine Tasche für die Schule. Gerade, als ich das Haus verlassen wollte, um mit dem Bus zu fahren, stellte Dad sich mir in den Weg. "Mein liebes Kind, du fährst heute schön mit mir." lächelte er und ein wenig Erleichterung machte sich in meinem Bauch breit.

"Aber die Bank ist doch am anderen Ende der Stadt, du musst quasi durch ganz Chicago fahren, um von der Schule zur Bank zu kommen." meinte ich und wollte mich an ihm vorbeidrängen, es wäre zu viel verlangt gewesen, ihn einen Umweg von beinahe vierzig Minuten machen zu lassen, nur weil Cole und ich... naja, ihr wisst schon.

"Ich fahre lieber durch ganz Illinois als dich mit deiner panischen Angst in einen Bus steigen zu lassen, Prinzessin." mein Dad drückte mir einen Kuss auf die Stirn und nahm mir den Rucksack ab.

Ich war erleichtert, schließlich war ich die letzten vierzehn Tage immer mit Cole mitgefahren und erst heute hatte ich mich überwunden, den Bus zu nehmen, doch das wurde mir Gott sei Dank ja jetzt erspart.

Die Fahrt verlief weitgehend ruhig, bis Dad dann doch seinen Mut zusammen nahm und das Thema ansprach, dass seit der Trennung so gut wie tabu war. "Hast du die kleine Blondine heute Morgen rausschleichen sehen?" seine Stimme hatte einen amüsierten Unterton, war aber trotzdem vorsichtig, da er meine Reaktion abwartete.

"Ich bin sogar in sie reingerannt." gab ich zurück und grinste, da ich irgendwie das Gefühl hatte, Dad könnte mich aufheitern. "So ein Lackaffe, von dir zu dieser möchtegern Barbie-Schlampe." Ich lachte auf. "Dad, nicht solche bösen Worte, bitte."

"Tatsachen, Hailee, Tatsachen. Diese wasserstoffblonden Haare haben mich schon so früh am Morgen geblendet, ich muss gleich noch zu Doktor Wombie fahren, um sicherzugehen, dass ich keine bleibenden Schäden habe." er lächelte.

Ich prustete los, mein Dad war wohl wirklich in der Laune, mich aufzuheitern. "Lach nicht, es kann psychische Schäden mit sich bringen, wenn einem schon am Morgen so eine Kreatur über den Weg läuft." Seine Mundwinkel zuckten nach oben und ich konnte mich nicht mehr halten vor Lachen.

"Es ist schön, dich lachen zu sehen. Lass dir das nicht von diesem Hornochsen nehmen, okay?" Dad lächelte mich an und ließ seine Hand auf meinem Oberschenkel ruhen. Er hatte vielleicht Recht, ich wollte mich wirklich nicht so von anderen Menschen beeinflussen lassen, das war nicht ich.

"Bitch, da bist du ja!" begrüßte mich Tammy, als ich bei meinem Spind ankam. Sie brabbelte mich mit Tony voll, der angeblich rumerzählte sie hätte Intimbehaarung, weil er auf Adam und sie eifersüchtig war.

Ich beschloss, endlich von meinem Trauertripp runterzukommen und wieder für Tammy dazusein und so machten wir uns auf den Weg zu den Jungs.

Sie standen am Eingang zur Kaffeteria und als ich die vier sah, wollte ich fast wieder umkehren, denn Cole hatte dieselbe Blondine um den Hals der ich heute morgen reingerannt war und sie küsste seinen Hals auf und ab, während er eine Hand auf ihrem Arsch abgelegt hatte und mit der anderen auf seinem Handy herumtippte.

Ich tat es für Tammy und so ignorierte ich den schrecklichen Schmerz, der sich in meiner linken Brust platzierte, und ging geradewegs auf meine ehemaligen Freunde zu. "Hai..." begann Alex, meinen Namen zu sagen und alle Blicke inklussive Coles schnellten zu mir. "Lass' stecken." meinte ich kalt und wendete mich ohne eine weitere Bewegung zu Tony.

"Glaubst du, du stehst besser da, wenn du Scheiße über Tammy rumerzählst?" fragte ich mit hochgezogener Augenbraue und mein Gesichtsausdruck war wie meine Stimme eiskalt. Tony schluckte, dann blinzelte er ein paar mal.

"Du weißt gar nicht, was eigentlich passiert ist, Tammy hat..." ich schnitt ihm das Wort ab. "Ich will gar nicht wissen, was eigentlich passiert ist, egal was zwischen euch vorgefallen ist, Scheiße über jemanden rumzuerzählen ist unter aller Sau, Tony. Lass es einfach sein, klar?" mein Ton war scharf und erbarmungslos.

"Ich hab doch nicht mal..." erneut kam er nicht zum Ausreden. "Spar dir deine Ausreden für Leute, die es interessiert, danke und tschüss." ich sah im Augenwinkel ein breites Grinsen über Coles Lippen kommen und wusste, was er dachte.

Dass ich ganz schön tough war und immer die besten Sprüche hatte, das dachte er. Vielleicht dachte er auch 'das ist mein Babe', aber da war ich mir nicht mehr so sicher. Ich zumindest drehte mich durch Tonys ausbleibende Antwort am Absatz um und ging zurück zu meiner Freundin, die ein paar Meter weiter auf mich wartete.

Call me BabeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt