Kapitel 7 - Aufgeflogen & hitzige Gespräche

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Eine halbe Stunde später saßen wir alle am Frühstückstisch und aßen. „Wie war eure Party gestern?" fragte Rachel da an Cole und mich gerichtet. Er grinste breit, „Es war eine der besten Partys meines Lebens". Wir beide wussten, dass er nicht von der Party sondern von unserer kleinen ‚Privatparty' sprach, weshalb er unter dem Tisch einen Tritt von mir bekam. Ich traf Gott sei Dank nur sein Schienbein, weshalb er nur kurz aufwimmerte, dann aber wieder zurück zu seinem Machogrinsen kam.

„Ja, war ganz gut" antwortete ich auch auf Rachels Frage. „Ganz gut? Das war unglaublich" Cole grinste mich an. Er wollte mich also wirklich herausfordern. Ich fand es im Übrigen echt interessant, dass er so schnell wieder zu seinem üblichen Charakter zurückfand, nachdem er vom Tod seiner Großmutter erfahren hatte.

„Und deine Party? War es gut? Wann bist du eigentlich nach Hause gekommen? Ich hab dich gar nicht gehört...?" fragte mein Dad da an Ali gerichtet und ich musste schwer schlucken, noch dazu rann ein kalter Schauer meinen Rücken runter. Sie müsste wohl oder übel auf die Frage antworten und Cole würde wohl oder übel erfahren, was gestern Nacht wirklich los war.

Wie auf Kommando sah er seine kleine Schwester auch schon ein wenig verwirrt an. Diese warf mir einen hilfesuchenden Blick zu. Mein Magen verkrampfte sich beim Gedanken an Coles und meinen bevorstehenden Streit. Er würde sofort verstehen, was unser Plan gewesen war und er würde auf mich böse sein und einen Streit beginnen. Ich biss mir auf die Lippe, da ich jetzt auch keinen Ausweg mehr wusste.

Ali stotterte kurz herum, doch dann tat sie das unvermeidliche: „Es war toll, ja. Ich bin so gegen Mitternacht nach Hause gekommen."

Das ganze Frühstück über, fiel kein Wort mehr über Alis Party, auf ihre Antwort folgte nur mehr ein „Das freut mich" von Dad und dann sprachen Rachel und er nur mehr über die bevorstehende Reise, die sie mit uns machen wollten. Sie wollten mit uns nach Miami fliegen, wann war noch nicht sicher, doch die beiden hatten viel zu tun also würde es wohl noch eine Weile dauern.

Cole zerfraß mich die gesamte Zeit über mit wütenden Blicken, sein Kiefer ließ er angespannt, was nebenbei gesagt ziemlich heiß aussah. Trotzdem ließ er meinem Blick nicht eine Sekunde von mir schweifen, was mich echt nervös machte.

Irgendwann wurde das Thema dann doch angesprochen, weshalb der Tag noch schlimmer wurde, als er es ohnehin schon war. „Onkel Will wird die Beerdigung organisieren, sie wird wahrscheinlich nächste Woche Dienstag stattfinden, also haltet euch den Termin frei. Heute Abend wird ein Gottesdienst für Mutter abgehalten, wenn ihr wollt, könnt ihr mitgehen." Erklärte Rachel und an ihrer Stimme erkannte ich, dass sie den Tränen nahe war.

Dad war mittlerweile schon in die Arbeit gefahren, auch wenn es Samstag war hatte er immer viel zu tun. Und so war ich es, die jetzt meine Stiefmutter umarmte. „Es ist schon gut, danke. Ich komme klar" nuschelte sie in meinen Pulli.

Während ich Rachel half, den Tisch abzuräumen und Ali in ihrem Zimmer verschwunden war, stand Cole auf der Terrasse und rauchte. Ich mochte es nicht, dass er rauchte, einfach weil es gesundheitsschädlich war, aber er sah trotzdem gut aus mit so einer Zigarette in der Hand.

„Ich weiß, du und Cole kommt nicht so gut miteinander klar, aber... könntest du vielleicht ein wenig auf ihn aufpassen? Seine Grandma war ihm sehr wichtig und so hat es ihn natürlich auch mitgenommen, dass sie tot ist. Aber er lässt niemanden an sich ran und... ich möchte nicht, dass er irgendeine Scheiße baut. Dich lässt er wahrscheinlich noch am ehesten an sich ran, also... kannst du ihm vielleicht helfen, damit umzugehen?" fragte Rachel, als ich gerade in mein Zimmer gehen wollte.

Mich überraschte ihre Frage ziemlich, da wir alles andere als Freunde gewesen waren, in den vergangenen Monaten. Aber für mich war es, vor allem nach der vergangenen Nacht, klar, dass sich einiges ändern würde. Und auch, dass ich ein Auge auf ihn haben würde, war mir klar. Er hatte seine eigene Art, mit Schmerz umzugehen, ähnlich wie ich. Bei mir war es Alkohol und Partys, bei ihm waren es One Night Stands.

Ich versprach seiner Mum, dass ich ein wenig auf ihn aufpassen würde und ging dann hoch in mein Zimmer.

Gerade, als ich die Türklinke runter drücken wollte, wurde ich grob an meinem Oberarm gepackt und gegen die nächstbeste Wand gedrückt. Cole stand vor mir, mit zusammengebissenen Zähnen und einem wütenden Gesichtsausdruck.

„Was sollte das?" fuhr er mich mit leiser aber fester Stimme an, damit Rachel in der Küche nichts mitbekam. Ich seufzte auf, da ich nicht wirklich wusste, was ich sagen sollte. „Sie wollte unbedingt da hin, die Party war ihr echt wichtig. Und so wollte ich ihr eben helfen, damit sie hingehen kann. Ich wusste, dass sie auf sich aufpassen würde und das war eine einmalige Gelegenheit, deshalb hab ich ihr geholfen" erklärte ich und sah Cole dabei nicht in die Augen.

Er verstärkte den Griff um meinen Arm, sodass es langsam echt begann, wehzutun. Deshalb riss ich mich los und lies meinen Arm frei hängen.

„Musst du immer in allem gewinnen, Hailee? Das ganze hatte rein gar nichts mit Ali zu tun, es war ein Streit zwischen uns beiden. Ich wollte nicht, dass sie da hingeht, dazu hatte ich auch meine Gründe. Und du? Anstatt dass du hinter mir stehst und das akzeptierst, fällst du mir in den Rücken, hältst mich den ganzen Abend lang auf und lässt dann auch noch zu, dass ich mit dir schlafe, das alles nur, damit ich nicht merke, dass Ali weg ist?!" er sah wütend auf mich herunter.

Bei seinen Worten bekam ich einen Stich in die Magengegend. Er dachte wirklich, ich hätte wegen Ali mit ihm geschlafen?! „Bist du jetzt ganz verrückt geworden?! Ja, ich hab dich abgelenkt, damit Ali verschwinden kann, ohne dass du es merkst. Und ja, ich hab dich geküsst, damit sie sich wieder reinschleichen kann. Aber der Rest hatte gar nichts mit ihr zu tun" erklärte ich gereizt.

„Womit hatte es dann zu tun?! Wolltest du, dass ich mich jetzt schlecht fühle und mir vorwerfe, dass ich mit dir geschlafen habe, obwohl du es nicht wolltest?! Wolltest du, dass ich sehe, dass du mich irgendwie in der Hand hast?! Warum hast du das getan?!" sein Blick war richtig tötend, er war echt wütend. Ich hatte keine Lust und keine Chance mehr, also beschloss ich, einfach ehrlich zu sein.

„Weil ich es wollte." Antwortete ich leise und schob mich dann ohne ein weiteres Wort hinter ihm hervor und ging in mein Zimmer.

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