Wir gingen ohne ein weiteres Wort durch das Haus und zu unserem Auto. Als wir unsere Plätze eingenommen hatten, Rachel und Dad vorne, Ali, Cole und ich hinten, seufzte Dad.
„Wir hätten nicht gehen müssen, jetzt haben wir Marcus seinen ganzen Geburtstag ruiniert..." warf ich mir selber vor. „Glaubst du, ich hätte ihr noch eine Sekunde länger in die Augen sehen können?!" fragte Cole wütend.
Ich sah ihn zwingend an, er musste sich beruhigen. Ich war auch sauer und ein wenig verletzt, aber das würde meine Laune nicht komplett zerstören. Ich legte meinen Kopf auf Coles Schulter und fuhr mit der Hand seinen Arm auf und ab.
„Sie hat kein Benehmen" murmelte Rachel ebenfalls sauer und starrte aus dem Fenster.
Will und Lorelai riefen an, um nachzufragen, was genau passiert war. Rachel erzählte die ganze Geschichte und die beiden meinten, es wäre okay, dass wir gegangen waren, sie hätten es nicht anders gemacht.
Wir taten an diesem Abend nicht mehr viel, ich lernte noch ein wenig, da ich am kommenden Mittwoch meine letzte Prüfung für dieses Jahr in Biologie ablegen würde. Cole war mit den Jungs unterwegs und Ali versuchte, für uns zu kochen, was in einem riesen Desaster endete.
Die ganze Küche war vollgespritzt mit Schokoladensauce und Rachel verbrachte zwei Stunden damit, die Flecken wegzubekommen.
Mittlerweile war es zehn Uhr und ich war ziemlich müde, da ich am Vortag wenig geschlafen hatte. Ich ging duschen und zog mir graue Shorts und einen weißen Sweater an.
Dazu meine superweichen Kuschelsocken und die Haare band ich in einen Zopf. Ich putzte meine Zähne und schminkte mich ab und schon war ich bettfertig.
Ich setzte mich noch mit Rachel und Ali in die Küche, da Rachel meinte, sie wolle etwas mit uns besprechen, wegen der Hochzeit. Dad wurde nach oben geschickt, da er ja der Bräutigam war. Ich machte es mir auf dem Stuhl bequem, ließ den einen Fuß runterbaumeln und auf dem anderen stützte ich meinen Kopf ab.
„Also, hört zu, ich hab daran gedacht, Aaron mit der Hochzeit zu überraschen. Dass ich also die Einladungen ausschicke und alles organisiere, vielleicht könntet ihr mir dabei helfen. An seinem Geburtstag in zwei Wochen dann, stelle ich ihm einen Wecker und wenn er aufwacht, hängt ein Anzug an der Tür, mit einem Zettel darauf, dass er ihn anziehen soll. Dann holt uns ein altes Oldtimer-Auto ab, wie ich es wollte, und bringt uns zur Location. Und von da an läuft alles ab, wie geplant. Wir haben eigentlich alles zusammen geplant, nur den Termin noch nicht und dafür möchte ich seinen Geburtstag verwenden."
Ein Grinsen schlich sich auf Alis und meine Lippen. Sie musste meinen Dad wirklich lieben und die Zweifel von wegen dass sie sich noch nicht gut genug kannten, schienen auch wie weggeblasen.
„Das ist eine echt süße Idee. Das heißt wir müssten eigentlich nur Einladungen ausschicken und zum Beispiel meine Telefonnummer für Rückmeldungen draufschreiben, damit Dad nichts mitbekommt, oder?" lächelte ich.
„Ja, und das würde ich am liebsten gleich machen. Ich hab schon mit der Hochzeitsplanerin darüber geredet, das Datum passt, einen Pfarrer müssen wir zwar noch finden, aber sonst ist alles bereit." Informierte Rachel uns.
Ich holte meinen Laptop, um nach einer Website zu suchen, von der wir Hochzeitseinladungen runterladen konnten, zumindest das Layout.
Als ich gerade tief im Internet nach Einladungen suchte und Ali sämtliche Nummern von Pfarrern rausschrieb, die Rachel dann anrief, ging die Haustür auf und Cole kam rein. Er wollte sofort in den ersten Stock laufen und hatte uns anscheinend gar nicht bemerkt, als Rachel ihm zurief.
„Cole, komm mal her, wir brauchen deine Hilfe!" Er drehte sich mit einer fast ertappt wirkenden Mimik um und zwang sich ein Lächeln auf. Er kam zu uns, besser gesagt zu mir, legte seine Arme um meinen Hals und küsste meine Wange.
Er roch nach Rauch, hatte also wieder geraucht. Irgendwas war nicht in Ordnung, er rauchte nur mehr in Stresssituationen und seine Mimik von vorhin war auch untypisch. Irgendwas lag ihm auf dem Magen.
Rachel erklärte ihm kurz, was wir hier taten und schlug vor, er solle ihr und Alison helfen, einen Pfarrer zu finden, das war so kurzfristig nämlich wirklich schwer.
„Mum, es tut mir leid, aber ich muss wirklich noch was für die Schule erledigen. Ihr schafft das schon. Viel Glück!" sagte er ab und Rachel nickte verständnisvoll.
„Babe, ich brauch dich. Komm bitte mit rauf." Flüsterte er in mein Ohr und ich merkte an seinem Tonfall, dass es dringend war.
„Ich komm gleich wieder" meinte ich zu Rachel, die nur beschäftigt nickte. Cole nahm mein Handgelenk und zog mich in den ersten Stock.
Er schob mich zur Tür rein und sobald er auch im Raum war, schloss er die Tür und drückte mich dagegen, meine Handgelenke links und rechts von meinem Körper festgehalten.
Er sagte kein Wort, küsste mich einfach. Der Kuss wurde immer fordernder, bis er mich hochhob und ich endlich meine Hände wieder selber kontrollieren konnte. Ich stoppte ihn und sah ihn überfordert an. „Was ist los?" fragte ich und sah ihm direkt in die Augen.
„Ich brauche Ablenkung." Meinte er gestresst und fing an, meinen Hals auf und ab zu küssen. Er hinterließ eine leichte Gänsehaut. „Ablenkung wovon?" bohrte ich nach. Er seufzte entnervt und sah mich an.
„Frag doch nicht immer so viel, verdammt. Ich brauche einfach Ablenkung, Babe." Er küsste erneut die Stelle hinter meinem Ohr, die mich verrückt machte. Ich musste bei Sinnen bleiben, denn er machte mich verrückt und ich konnte nicht mehr klar denken.
„Cole, was ist passiert"? frage ich gestresst, denn ich wusste, dass ich mich nicht mehr lange zurückhalten können würde, er machte mich verrückt.
Aber ich wollte ihm nicht eine willkommene Gelegenheit sein, Sex zu kriegen. Ich wollte seine Freundin sein, der er alles erzählte.
Als er nicht antwortete und mir mein Shirt über den Kopf zog, stieß ich ihn weg. „Erzähl mir, was los ist." Forderte ich. Seine Hand wanderte in seine perfekten Haare und er sah mich gequält an. Dann atmete er tief durch, da ich nicht aufhören würde, bevor er es mir erzählte.
„Chris hat das Überwachungsvideo von der Nacht, in der er Adam zusammengeschlagen hat. Und wir kommen da nie ran... ich muss einen Weg finden, das Video zu bekommen, sonst kriegen wir ihn nie dran." Erzählte er verzweifelt.
Ich bekam einen Stich in die Magengrube, verdammt. Er wusste von dem Video und wollte es holen. Und er würde genau wie ich nicht aufhören, bevor Chris eingesperrt sein würde. Ich musste ihn dazu bringen, nichts mehr gegen Chris zu unternehmen, sonst würde er noch meinen Plan zerstören.
„Cole, bitte unternimm nichts mehr gegen ihn, er wird seine Strafe bekommen, sogar sehr bald schon, das verspreche ich dir!" ich ging einen Schritt zu ihm und sprach mit einer sanften Stimme.
„Ich muss ihn ausliefern, das ist dir klar, Babe. Es gibt nichts, was mich abhalten wird. Es reicht mir, er kann nicht länger rumlaufen und Leuten ihr Leben zerstören." Meinte er ernst und sah mich an. Ich musste in die Offensive gehen.
„Wenn du weiter machst, mache ich Schluss. Und zwar für immer." Meine Stimme war fest und sicher. Coles Züge spannten sich allesamt an.
„Das kann nicht dein Ernst sein, du weißt wie wichtig mir das ist. Ich muss Chris ein für alle Mal stoppen und du verlangst von mir, dass ich ihn in Ruhe lasse und das Schicksal bestimmen lasse?" er sah mich irritiert an.
Ich erklärte ihm einige Male, dass ich einfach nicht wollte, dass er sich in Gefahr brachte, was er garantiert tat, wenn er gegen Chris arbeitete, und dass ich mir nur Sorgen machte.
Wir einigten uns nach langem Diskutieren darauf, dass er zwei Wochen lang abwarten würde, und wenn dann nichts passiert war, würde er ihn endlich ausliefern. Ich denke, er willigte nur ein, da er müde war und meine Willenskraft kannte. Er wusste, dass ich nicht aufhören würde, bis er einwilligte.
Er fragte mich einige Male, warum genau zwei Wochen, aber ich beharrte darauf, dass es nur eine willkürliche Zeitspanne sei. In Wirklichkeit war es aber nur die Zeit, die ich noch brauchte, um Nicks und meinen Plan durchzuführen.
Eigentlich hatten wir ja geplant, dass ich kommenden Mittwoch endlich die DVD holen würde, doch falls etwas schief ging, wollte ich vorbereitet sein und sicher gehen, dass wir – beziehungsweise ich – noch Zeit hatte, es wieder zu richten, bevor Cole sich wieder mit Chris beschäftigte.
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Call me Babe
Teen FictionHailee (16) und Cole (17). Sie sind Stiefgeschwister, müssen zusammen leben. Sie verstehen sich eine Sekunde und zicken sich in der nächsten an, bis sie sich gegenseitig beinahe hassen. Doch was, wenn etwas Unvorhersehbares passiert und sie herausfi...
