Eine Woche war vergangen. Es war Donnerstag, das hieß, Cole würde morgen Geburtstag haben. Und ich war mehr als aufgeregt, denn heute Nacht würde die Party steigen, sodass er genau um Mitternacht dort sein würde.
Cole und ich hatten in der vergangenen Woche nicht viel geredet, nur das Nötigste am Weg zur Schule oder beim Essen. Er war ständig weg gewesen, Rachel meinte, er suche sich einen Ferialjob, doch ich war mir ziemlich sicher, dass er wieder in diese Fightclubs ging. Auch wenn ich ihn nie verletzt gesehen hatte, wo sollte er sonst gewesen sein? Das mit dem Ferialjob stank nur so nach einer Lüge.
Ich hatte viel mit Tammy unternommen und Rachel bei den letzten Vorbereitungen für die Hochzeit geholfen. Sie hatte das schönste Kleid überhaupt und der Pfarrer war auch super nett. Ich freute mich schon so für die beiden, Dad ahnte noch nichts, also würde hoffentlich alles gut gehen.
Ich war gerade aufgestanden und hatte mich für die Schule fertiggemacht, als Cole mir vom unteren Ende der Treppe zurief, dass ich mich beeilen solle. Ich war sowieso schon fertig, der sollte mal nicht so einen Stress machen.
Die Fahrt zur Schule war leise, wie immer. Ali tippte nur auf ihrem Handy herum und Cole war sowieso nicht der Mann der großen Worte. Als Ali bei ihrer Schule ausstieg und ich müde meinen Kopf ans Fenster lehnte, sprach Cole dann doch.
„Was hat Kyle eigentlich gesagt? Also, als du bei ihm im Krankenhaus warst?" fragte er unsicher. Stimmt, ich hatte es ihm noch nicht erzählt. „Er hat mir versprochen, dem Typ noch eine Abreibung zu geben, ihn aber frei zu lassen." Meinte ich knapp. Cole nickte. „Noch was?" ich überlegte, ob ich ihm den letzten Teil von Kyles und meinem Gespräch erzählen sollte. „Ne." Gab ich zurück, es hätte ihn nur verletzt.
„Hailee." Sagte er in einem warnenden Ton. „Gut, er hat mich gefragt, ob du mich glücklich machst." Ich verdrehte die Augen. Cole warf einen Blick zu mir und verstärkte den Griff ums Lenkrad. „Was hast du gesagt?" fragte er dann. „Dass es ihn nichts angeht."
Cole sagte kein Wort mehr, ich sah, wie er nachdachte. Da ich aber auch keinen Schimmer hatte, was ich sagen sollte, beließ ich es dabei und sah den vorbeiziehenden Autos zu.
Die Schule war langweilig wie eh und je, da wir bald Ferien hatten und alle Prüfungen vorbei waren und wir eigentlich hauptsächlich nur noch Filme schauten. Tammy und ich trafen uns in den Pausen und sie erzählte mir, wie glücklich sie mit Adam war, die beiden waren nun zusammen.
In der Mittagspause saßen Tammy und ich in der Cafeteria, während die anderen mit anderen Jungs am Tisch saßen und Cole mal wieder verschwunden war. Ich rührte gerade die Milch in meinen Kaffee, als sich plötzlich jemand neben mich setzte. Es war Cole, er atmete gestresst und sah nervös aus. Ich sah ihn verwirrt an und nahm einen Schuck von meinem Kaffee.
"Sag mir, dass alles gut wird. Bitte." flehte er und ich schaute ihn verwirrt an. Was meinte er? War etwas passiert? "Sag es einfach." seine Augen sprachen Bände und so nahm ich sein Gesicht in meine Hände und sah ihn genau an, bevor ich "Alles wird gut." flüsterte.
„Danke." Lächelte er, atmete tief durch und bevor ich die Chance bekam, zu fragen, was los war, schnappte er sich meinen Kaffee und war weg.
Ich sah ihm fassungslos nach. „Mistkerl, nimmt einfach meinen Kaffee." Jammerte ich und sah wieder zu Tammy. „Geht das mit heute Abend klar?" fragte sie und ich nickte. „Klar, ich werde ihn einfach zwingen, mit nach unten zu kommen und ihm dann die Augenbinde umbinden, dann fährt Nick uns zur Party, sodass wir genau um Mitternacht dort sind."
„Ich hoffe, er geht nicht einfach wieder, weil er immer noch sauer ist." Überlegte Tammy. „Nein, so ist er nicht." Antwortete ich und kassierte eine hochgezogene Augenbraue von Tammy, weil ich wiedermal raushängen ließ, wie gut ich ihn kannte, obwohl ich ihn doch vergessen sollte.
Nach dem Mittagessen wollte Cole wieder in sein Zimmer laufen, ich hielt ihn jedoch auf. „Was hast du heute vor?" fragte ich möglichst unauffällig und er runzelte die Stirn. „Ich fahre jetzt dann zu Dad, kommst du etwa doch mit?" seine Augen glänzten beinahe, wie ein Kindergartenkind, das gleich Süßigkeiten bekommen würde.
So gern ich seinen Dad auch kennengelernt hätte, ich wusste, dass Cole ihm höchstwahrscheinlich nichts von der Trennung erzählt hatte und ich wollte nicht, dass es unangenehm werden würde. Außerdem war die letzte Woche eigentlich ganz gut verlaufen und ich hatte so wenig Zeit wie möglich mit ihm verbracht, das wollte ich so beibehalten. Denn auch, wenn ich es nie zugegeben hätte, tat mir jede Minute mit ihm weh.
Ich schüttelte den Kopf und fragte: „Sonst nichts?". Cole schüttelte den Kopf und sah mich misstrauisch an. „Worauf willst du hinaus?" fragte er und kam mir einen Schritt näher, sodass ich seinen wunderbaren Geruch vernahm. „Ach, nur so." meinte ich schnell und verschwand in meinem Zimmer. Verdammt, er wusste, dass ich etwas vorhatte.
Zu meiner Erleichterung fragte Cole nicht nochmal nach und machte sich auf den Weg zu seinem Vater, während ich den ganzen Nachmittag über Sehenswürdigkeiten in London googlete, schließlich würde ich an den Wochenenden Zeit haben, die Stadt zu erkunden. Ich war schon so aufgeregt. Natürlich würde es schwer werden, Cole so lange Zeit nicht zu sehen, aber ich musste ihn nun mal vergessen und das war der einzige Weg.
Als es endlich elf Uhr abends war, rief ich Nick an und er versicherte mir, dass er in einer halben Stunde vor unserer Tür auf uns warten würde. Ich zog mich um, ein schwarzes Oberschenkellanges Cocktailkleid mit V-Ausschnitt und Spaghettiträgern und meine schwarzen Pumps. Ich machte mir einen Lidstrich, ein wenig Mascara und zog meine Augenbrauen nach, dann glättete ich meine Haare und das alles in zwanzig Minuten.
Ich war fix fertig und machte mich auf den Weg zu Coles Zimmer. Ohne Anklopfen drückte ich die Türklinke runter und sah ihn auf dem Bett sitzen, mit seinem Laptop am Schoß. Fragend sah er mich an und sobald sein Blick an mir herunterschweifte, wurde sein Blick verwirrt.
„Komm mit." Meinte ich ernst und sah ihn fordernd an. „Was?" er verstand die Welt nicht mehr. Ich streckte meine Hand nach ihm aus und er stand endlich auf, klappte den Laptop zu und folgte mir die Treppe runter. Ich hörte vor der Tür ein Hupen und so schnappte ich mir die Augenbinde aus meiner Tasche und befahl Cole, sich hinzusetzen, da er zu groß war.
„Was wird das?!" fragte er beinahe ein wenig ängstlich, er hasste es, nicht zu wissen was los war. „Lass mich einfach machen." Bestimmte ich und band ihm die Augenbinde um den Kopf, dann hielt ich vier Fingern hoch und fragte: „Wie viele Finger sind das?" er runzelte die Stirn und zuckte die Schultern. „Bin ich ein Spürhund oder was?" ich musste grinsen, zog ihn dann aber am Arm hoch, da er nun wirklich nichts sah.
„Versuch nicht mal, die Augenbinde abzunehmen." Drohte ich, bevor ich die Tür öffnete. „Was hast du vor? Was wird das?" fragte er ein wenig gereizt, als ich ihm die Schuhe anzog und dann mit ihm aus der Tür ging. Es dauert ein Weilchen länger, da ich ihn führen musste und er stur wie eh und je war und sich den Weg selbst suchen wollte.
Ich zog ihn mit zum Auto, woraus Nick mich schon breit angrinste. Ich öffnete die Tür und schubste Cole beinahe hinein, sodass er sich den Kopf am Dach anstieß. „Sorry." Lachte ich und schnallte ihn an. „Was soll das?! Sind wir gerade..." er wollte weiterreden, doch ich unterbrach ihn. „Sei einfach leise und genieß es."
Ich setzte mich zu ihm auf die Rückbank und Nick fuhr mit einem Grinsen los. „Wer fährt da gerade? Wehe, du fährst ohne Führerschein. Hailee, ich bringe dich um, du wirst uns noch beide umbringen!" schimpfte er und rief es nach vorne, weshalb ich mir das Lachen wirklich verkneifen musste.
Es war süß, wie sehr er es hasste, die Kontrolle zu verlieren. „Batman fährt." Schmunzelte ich und er lächelte ein wenig, während Nick sich die Hand vor den Mund hielt, um nicht loszulachen. „Sehr witzig." Meinte Cole dann und lehnte sich zurück.
Ca. fünf Minuten blieb er ruhig, dann ergriff er wieder das Wort. „Hat es was mit meinem Geburtstag zu tun? Ich schwöre dir, wenn du irgendwas organisiert hast..." weiter kam er nicht, denn ich schlug ihm auf den Oberschenkel. „Warte doch einfach mal ab, mein Gott." Lachte ich und er machte einen Schmollmund und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Wenn die anderen dort sind, gehe ich sofort wieder, ich hab dir gesagt, dass ich sie nicht mehr sehen will, ich bin stinksauer und werde sicher nicht der sein, der..." weiter kam er nicht, denn ich verlor die Geduld und rutschte zu ihm, um kurz darauf einfach ohne zu überlegen meine Lippen auf seine zu drücken.
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Call me Babe
Dla nastolatkówHailee (16) und Cole (17). Sie sind Stiefgeschwister, müssen zusammen leben. Sie verstehen sich eine Sekunde und zicken sich in der nächsten an, bis sie sich gegenseitig beinahe hassen. Doch was, wenn etwas Unvorhersehbares passiert und sie herausfi...
