Das ganze Essen über hatten wir uns angeschwiegen, Ali hatte bedrückt dagesessen und immer wieder war ihr Blick an uns abgeschweift. Jetzt waren wir beim Bezahlen und unsere Eltern warteten schon im Hotel.
„Na, war es schön? War das Meer überhaupt warm genug?" fragte Dad und grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Nein" antworteten Cole und ich synchron. „Es war arschkalt" fügte ich an, damit es nicht rüberkam, wie wenn wir uns verstehen würden, ich war fürchterlich böse auf ihn.
„Wie war euer Museum?" fragte Ali, um die Stimmung aufzulockern, da zwischen Cole und mir schonwieder ein Blickduell zu starten drohte. Ich war es schließlich, die ihren Blick von ihm wich und zu Rachel und Dad schaute.
Wir saßen im Restaurant des Hotels und Dad schwärmte gerade über die verschiedensten Bilder, die es in diesem Museum zu sehen gegeben hatte. „Um ehrlich zu sein, bin ich heute hundemüde, das Fliegen war extrem anstrengend. Ich werde gleich mal ins Bett gehen" ließ Rachel da hören. Es war erst halb neun abends, so früh ging sie normal nie schlafen. Und still war sie auch das ganze Essen über, da stimmte was nicht. Jetzt wo ich sie ein bisschen genauer ansah, war sie auch ein wenig weiß um die Nase.
„Geht's dir gut?" fragte ich besorgt. Sie war in der letzten Zeit so nett zu mir gewesen, da konnte ich doch auch mal ein wenig freundlich sein. „Ja, ja. Alles in Ordnung." Sie zwang sich ein Lächeln auf die Lippen, doch ich erkannte sofort die Fälsche dahinter. Es stimmte hier etwas gewaltig nicht, das war klar.
„Was habt ihr heute Abend vor?" lenkte Dad das Gespräch auf ein anderes Thema. Der war ein schöner Verlobter, sollte sich lieber mal um seine Zukünftige kümmern. Naja, Mission Cole eifersüchtig und böse machen ging trotzdem weiter und so stellte ich klar: „Also ich werde auf jeden Fall in irgendeinen Club gehen". Cole verschluckte sich an seinem Wasser und ich spürte seinen wütenden Blick direkt auf mir.
„Ich werde mal die Stripclubs der Stadt unsicher machen." Stellte der Große neben mir fest. Jetzt war es an mir zu schlucken. Das konnte nicht sein ernst sein, er wollte in einen Stripclub gehen?! Das bedeutete Krieg, und den konnte er haben.
Rachel starrte uns beide ungläubig an, Dad aß unbeeindruckt weiter. Anscheinend störte es Rachel besonders, dass da offensichtlich was zwischen uns vorgefallen war, denn sie stand kurz darauf auf und nickte mit dem Kopf aufs Damenklo. „Hailee, auf ein Wort." Ich stöhnte genervt auf, folgte ihr aber dann. Coles triumphierender Blick war mir ebenso nicht entgangen.
„Was ist los mit euch beiden?" fragte Coles Mum aufgebracht und neugierig. „Nichts, es gibt kein uns. Es gibt ein Hailee und ein Cole. Aber kein Hailee und Cole. Und das hat es auch nie gegeben." Er hatte mich nur für Sex ausgenutzt, wie es aussah war ich viel zu brav für ihn.
„Was? Seid ihr jetzt verrückt geworden?" fragte sie mit aufgerissenen Augen. „Ich bin zu brav für ihn und er ist zu versaut für mich. Ganz einfach, streich dir das aus dem Kopf." Gab ich kalt zurück. Es verletzte mich nicht, ich ließ nicht zu dass es das tat.
„Wie kommt ihr denn jetzt auf einmal darauf? Das war doch vor drei Tagen noch alles..." ich unterbrach sie. „Vor drei Tagen ist vor drei Tagen und heute ist heute. Dinge ändern sich, Menschen ändern sich." Ich sah zur Seite, denn mir war klar dass ich ihr nicht ins Gesicht lügen könnte und so tun könnte, wie wenn es mich kalt ließ, was er da zuvor gesagt hatte.
„Aber... nein, das kann nicht sein. Ihr müsst darüber reden. Egal was passiert ist, ihr müsst darüber reden. Man kann über alles reden, ich versuche auch, euch so viel Zeit wie möglich alleine zu verschaffen." Meinte sie hoffnungsvoll.
„Wie soll das denn auch funktionieren, Rachel? Wir sind Stiefgeschwister, ich weiß nicht wieso wir überhaupt was angefangen haben, das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Außerdem kennst du Cole. Cole kann nicht lieben. Er kann vielleicht vögeln, verarschen und Sprüche klopfen. Aber er kann nicht lieben."
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Call me Babe
Novela JuvenilHailee (16) und Cole (17). Sie sind Stiefgeschwister, müssen zusammen leben. Sie verstehen sich eine Sekunde und zicken sich in der nächsten an, bis sie sich gegenseitig beinahe hassen. Doch was, wenn etwas Unvorhersehbares passiert und sie herausfi...
