1. Kapitel

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2009
Brendshire, Texas

Sheriff Luka McLucas trat aus der kleinen Hütte hinaus auf den schmalen, staubigen Pfad, der von niedrigen Dornenbüschen gesäumt wurde.
Nachdenklich schob er seinen Hut zurück, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und stemmte dann die Hände in die Seiten.

Seit dem frühen Morgen hatte er die Hütte des Mörders von oben bis unten nach Beweisen durchsucht. Viel hatte er dabei nicht gefunden, nur neue Rätsel.

Luka zog den Zettel aus der Hosentasche, den er im Kopfkissenbezug gefunden hatte. Es war eine Karte der Umgebung, die Hütte inmitten der kleinen Baumgruppe war deutlich zu erkennen.

War es eine Falle oder hatte der Mörder sie tatsächlich hier vergessen? So gut er ihn auch kannte – oder zu kennen geglaubt hatte – Luka wusste nicht, was der Täter damit bezweckt haben sollte.

Es tat ihm weh, von seinem einstigen Freund so verraten worden zu sein. Dieses Gefühl, ausgeliefert worden zu sein, hatte er so bis jetzt nicht gekannt und er hätte viel darum gegeben, nicht zu wissen, was passiert war. Vielleicht hätte er so noch ein paar Jahre so weiterleben können, mit seiner Familie, die er über alles liebte.

Es war die Hoffnung, dass morgen alles vorbei sein würde, die ihn hierher getrieben hatte. Für ihn selbst oder für Marcello.

Und ihm blieb nichts anderes übrig, als weiter zu hoffen - dass alles gut gehen würde, und er bereits heute Abend seine beiden Kinder wieder in die Arme schließen könnte. Oder wenigstens irgendwann noch einmal...

Er zwang sich, diesem Gedanken nicht weiter nachzugehen. Eine solche pessimistische Einstellung sah ihm nicht ähnlich und würde ihm auch in keinster Weise weiterhelfen, das war klar.

Luka schwang sich in den Sattel seines Pferdes und klopfte dem Tier sanft auf die Flanke, bevor er nach den Zügeln griff und es mit einem leichten Schenkeldruck antrieb.

Obwohl das Reiten selbst in einer so abgeschiedenen Region Texas' lange nicht mehr üblich war, konnte er sich nicht recht davon trennen. Die Stute und er hatten schon so viel Zeit zu zweit hier draußen verbracht, dass sie beinahe wie eine Freundin für ihn war, die er nicht gegen einen sehr viel schnelleren und in vielerlei anderer Hinsicht praktischeren Geländewagen eintauschen wollte.

* * * * *

Luka richtete sich nach der Karte, die er gefunden hatte. Die meiste Zeit ritt er nur über Steppengras, vereinzelt spendeten einige Bäume Schatten und luden zu einer kurzen Pause ein, doch er trieb sein Pferd immer weiter an.

Die Hitze wurde unerträglich, aber wenn Luka ein Ziel vor Augen hatte, fiel es ihm normalerweise nicht schwer, so etwas auszublenden.

Er wollte es einfach hinter sich bringen. Den Beweis für die Tat seines ehemaligen Freundes finden und ihn dann zur Rede stellen, wie er es schon lange hätte tun sollen.

Endlich kam er dort an, wo das Kreuz auf der Karte gemacht worden war. Er stieg ab, band seine Stute an einen der immer seltener gewordenen kleinen Dornbüsche und blickte sich um. Auf der weiten Ebene war kein lebendes Wesen zu sehen. Die Nachmittagshitze ließ die Luft flirren. Luka zog eine Flasche aus der Satteltasche seines Pferdes und nahm einen großen Schluck.

Er ging einige Schritte weiter und blieb vor dem Loch im Boden stehen, dass direkt vor einem weiteren Dornbusch ausgehoben worden war. Wer ein Loch in diesen harten Boden grub, musste ein Ziel haben.

Und wer das Loch nicht wieder verschloss, blieb in der Nähe.

Luka ging in die Hocke. Große Stiefelabdrücke führten hinter den Busch.

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt