65. Kapitel

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Lilith Towley pustete vorsichtig auf ihre frisch lackierten Fingernägel und betrachtete stolz das Ergebnis von einer Stunde Arbeit.

„Ich muss schon sagen, rot steht dir, Lilith", beglückwünschte sie sich selbst mit einem zufriedenen Lächeln.

Als die James Bond-Filmmusik erklang, griff sie mit einem Seufzen zum Hörer.

„Bridewell-Apotheke, Green am Apparat, was kann ich für Sie tun?", leierte sie herunter, als würde sie diesen Spruch tatsächlich mehrfach täglich aufsagen müssen.

„Guten Tag. Ich würde gerne Ihren Chef wegen einer fehlerhaften Lieferung sprechen, Ma'am."

Diese Stimme kannte sie doch! Auch wenn der belustigte Tonfall darin durchaus selten war.

„Jalen Cooper!" Erfreut lächelte Lilith, obwohl der Agent das natürlich nicht sehen konnte. „Was kann ich für dich tun?"

„Lilith." Als sie die Ungeduld in Jalens leicht vorwurfsvoller Stimme hörte, begriff Lilith, dass er ihr bereits gesagt hatte, weswegen er anrief.

Ich würde gerne Ihren Chef sprechen...

„Ups", machte sie, peinlich berührt, dass sie es nicht sofort durchschaut hatte. „Ian ist noch nicht da, müsste aber jeden Moment kommen. Ist es dringend?"

„Ja."

„Soll ich ihm etwas ausrichten?" Eifrig griff Lilith nach einem Stift und einem Zettel. Jalen schien zu zögern, denn eine Weile war es ruhig.

„Wann kommt er denn?"

Lilith warf einen Blick auf die Uhr. „Theoretisch jetzt. Aber du kennst ihn ja, theoretisch ist nicht praktisch. Vielleicht muss er noch kurz einen Mordanschlag auf den Präsidenten verhindern. Also, soll ich ihm etwas ausrichten?"

„Sag ihm einfach, er soll mich so bald wie möglich zurückrufen."

Lilith verdreht die Augen. Dieser Mann wusste genau, wie sehr sie darauf brannte, zu erfahren, woran er arbeitete!

Für eine Agency zu arbeiten, war schon immer ihr großer Traum gewesen und als sie den Job als Sekretärin für Ian Jacobs angenommen hatte, hatte sie gehofft, viel von dem zu erfahren, was die Agenten so trieben, doch bereits ihr erstes Gespräch mit Jalen hatte sie eines besseren belehrt.

Agent Cooper sprach ausschließlich mit Ian selbst und hatte Lilith nie auch nur das kleinste Detail verraten.

„Versuchen kann man es ja mal", murmelte sie enttäuscht.

Jalen lachte auf. „Ist gut, Lilith, versuch es ruhig weiter, vielleicht klappt es ja irgendwann."

In diesem Moment ging die Tür zu ihrem Büro auf und Ian Jacobs kam herein, nickte ihr kurz zu und griff dann nach dem Stapel Notizen für ihn, der sich im Laufe des Tages angehäuft hatte.

„Warte, Jalen, Ian ist da. Ich reiche dich weiter", sagte sie eifrig und übergab ihrem Chef das Telefon. „Jalen Cooper", flüsterte sie, obwohl Ian das bestimmt schon wusste.
Jalen Cooper war der einzige Jalen, der für Ian arbeitete.

Lilith griff nach einer Zeitung und täuschte vor, zu lesen, doch eigentlich lauschte sie Ians Worten.

„Jalen, was gibt es?", grüßte der gerade freundlich.

Lilith wünschte, sie könnte hören, was Jalen antwortete, besonders als sie sah, wie sich Ians Gesichtsausdruck immer weiter veränderte und er ihr schließlich stirnrunzelnd zuwinkte, ihm Zettel und Stift zu geben.

So unauffällig wie möglich linste Lilith auf das, was Ian aufschrieb. Es waren Koordinaten.
Mit so etwas hatte sie noch nie viel anfangen können.

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt