Vielleicht hätte Mark sich bei Neela für seine grobe Zurechtweisung entschuldigen sollen. Schließlich konnte er sie nicht für etwas rügen, was er selbst nicht beherzigte.
Vergeben und vergessen.
Mark war besonders der zweite Teil des Sprichwortes immer schwer gefallen.
Es klopfte an der Haustür. Zweimal kurz, zweimal lang, dreimal kurz. Es war der Personenschutz für Neela, der sich mit dem vereinbarten Zeichen meldete.
„Ich geh schon!", rief Josh auf dem Flur, doch Mark war bereits ebenfalls auf dem Weg zur Tür.
Er hatte sich die ganze Nacht über gefragt, wer es wohl sein würde und hoffte, einen ihrer Freunde zu sehen, mit denen er schon einige Fälle gelöst hatte. Eingespielte Teams waren immer besser.
Auch Harvey kam die Treppe nach unten in den Flur. Neela hingegen blieb, wo sie seit gestern Abend nur noch war - in ihrem Zimmer.
Sie war nur kurz heruntergekommen, um sich ihr Frühstück zu holen und Harvey Bescheid zu sagen, dass gegen Mittag ihre Freundin Rylee Braddock eintreffen würde.
Als Josh die Tür öffnete, sah sich Mark dem einzigen Menschen gegenüber, mit dem er nicht an diesem Fall hatte arbeiten wollen: Alec Taylor.
Beide starrten sich an. Harvey schien das Blickduell der beiden etwa gleichaltrigen Agenten jedoch nicht zu bemerken, denn er ging, freundlich lächelnd - viel zu freundlich, fand Mark - auf Alec zu und begrüßte ihn.
Josh hingegen, der Alec Taylor ebenso wenig mochte, wie Mark, nickte dem dritten Agenten nur kurz zu.
Harvey erbot sich, Alec das Haus zu zeigen und ihm Neela vorzustellen. Mark blieb mit verschränkten Armen an die Wand gelehnt stehen, ohne Alec trotz dessen kurzem „Josh, Mark." zu begrüßen.
Als Harvey Alec die Treppe nach oben führte, blieben zwei entsetzte Agenten im Flur zurück. Sie blickten sich an.
„Das kann nicht sein. Die können doch nicht wirklich Alec Taylor herschicken!", stellte Mark entsetzt fest.
„Das muss ein Irrtum sein!", stimmte Josh zu. „Wir haben Ian doch gesagt, dass wir nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollen."
„Und trotzdem schicken sie ihn als Personenschutz in unserem Fall!"
„Lass mich raten: Reine Pädagogik. Ein guter Agent muss mit jedem zusammenarbeiten können.", äffte Josh die Stimmer ihres Chefs nach.
„Ich versteh das nicht. Sie müssen das doch einsehen. Immerhin hat er dich angeschossen!"
„Er hätte mir irgendwie anders zeigen können, dass Sarah zu uns gehörte. Dann hätte ich niemals versucht, auf sie zu schießen", bestätigte Mark.
„Und ich wäre nicht aus dem Versteck herausgekommen, um einzugreifen, weil Alec und die anderen augenscheinlich vorhatten, dich einfach so da liegen zu lassen!", ergänzte Josh. „Und wenn ich daran denke, dass wir dann zwei Tage lang in diesem feuchten, miefigen Keller gefangen waren, ohne etwas zu essen zu bekommen, knurrt mir heute noch der Magen!"
Mark knurrte zustimmend. Dass er danach auch noch Wundfieber wegen der entzündeten Wunde bekommen hatte, war nach den drei Nächten in dem Keller zu erwarten gewesen. Das war der Grund, warum er fünf Tage zu spät nach Hause zurück gekehrt war.
„Ich werde Ian anrufen. Er muss das zurücknehmen!", beschloss Josh und begann eine Nummer in sein Handy einzutippen, während er nach draußen auf die Veranda ging.
Mark atmete einmal tief durch, um seine Wut auf Alec wieder einmal herunterzuschlucken. Dann rief er die Treppe nach oben: „Ich bin mal kurz zu Hause!"
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It All Comes Back Again
Teen FictionDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
