Neela gab sich den nächsten Tag über Mühe, nicht durchgängig zu grinsen. Doch auch so wurden ihr immer wieder erstaunte Blicke zugeworfen. Neela war am Morgen früher aufgewacht als sonst, fühlte sich aber trotzdem erholter als dies die letzten Tage der Fall gewesen war.
Sie hatte das Frühstück gemacht, weil Josh noch nicht wach gewesen war und hatte sich, bis die anderen aufwachten auf die Veranda gesetzt, den Sonnenaufgang beobachtet und Bibel gelesen. Sie fühlte sich erleichtert, wie schon lange nicht mehr. Viel zu lange.
Der Tag war erstaunlich schnell vergangen. Josh und Mark waren beinahe den ganzen Tag weg gewesen, während Neela Alec bei der Recherche geholfen hatte. Sie hatte ihm alles gesagt, was sie wusste, was wenig genug war.
Sie hatte nicht einmal gewusst, dass ihre Familie ursprünglich aus Alaska kam - das hatte ihr Bruder erzählt. Doch mehr hatten beide nicht gewusst und da er keine große Hilfe gewesen war, war Harvey bald zu Charlotte McKinley geritten.
Harper hatte, trotz Flehen und langem Augenaufschlag, nicht mit den beiden Agenten mitgedurft - was sowohl Mark als auch Josh nicht gewollt hatten. Stattdessen hatte sich das Bradley-Mädchen in ihr Zimmer zurückgezogen und war noch immer dort.
Mark war bereits wieder bei sich zuhause, Alec fütterte die Tiere - die Pferde und den Stier, der zusammen mit zwei Kühen tatsächlich den Tuckers gehörte und seit dem gestrigen Morgen in der halbwegs stabilen Scheune untergebracht waren, um die Tarnung, die Tuckers würden länger bleiben, perfekt zu machen.
Josh stand gerade unter der Dusche, als sein Handy klingelte. Er hatte es im Wohnzimmer liegen gelassen. Zögernd nahm Neela es in die Hand, ging zur Badezimmertür und klopfte.
„Josh! Dein Handy klingelt!"
Das Wasser wurde abgedreht, dann rief Josh zurück: „Welche Nummer?"
„Unbekannt." Neelas Finger flogen über den Bildschirm und nach einigen Sekunden sah sie tatsächlich die unterdrückte Handynummer des Anrufers. Sie las sie vor.
„Gut gemacht, Neela. Das ist Mark. Gehst du für mich ran?"
Sie spürte, wie ihr ganz warm wurde, bei einem Lob, das ihre Fähigkeiten als Agentin betraf und nickte, obwohl Josh das durch die geschlossene Tür natürlich nicht sehen konnte und nahm den Anruf entgegen.
„Mark, hier ist Neela. Josh kann gerade nicht", meldete sie sich und entfernte sich einige Schritte vom Bad. Es verwirrte sie, dass Mark nichts sagte, stattdessen hörte sie nur, wie ein Stuhl über den Boden schabte.
„Mark?"
Die Badezimmertür öffnete sich und Josh trat mit einem Handtuch um die Hüften zu ihr. Zum Glück ist Harper nicht hier, dachte Neela unwillkürlich, als ihr Blick unfreiwillig auf Joshs durchtrainierten Oberkörper fiel.
Josh deutete stirnrunzelnd auf das Telefon in ihrer Hand. „Was ist los?", fragte er beinahe tonlos.
Neela zuckte die Achseln. „Mark?", fragte sie erneut. Langsam begann sie, sich Sorgen zu machen.
Dann meldete sich eine kratzige, verzerrte Stimme. „Schön, dass ich Sie persönlich erwische, Miss McLucas. Ich dachte schon, ich müsste stattdessen mit Mr Tucker reden. Sie sind also wirklich am Leben, ja?"
Neela hatte das Gefühl, ihr bliebe das Herz stehen, als sie die Stimme des Briten erkannte: Bennett Brinkley. Sie wurde blass. Josh blickte sie besorgt an und winkte mit der Hand, sie solle ihm das Handy geben. Neela gehorchte widerstandslos. Sie konnte nur an eines denken: Wenn Bennett Brinkley Marks Handy hatte, wo war dann Mark?
* * * * *
Enttäuscht warf Landon sein Handy auf sein Bett. Warum meldete Lisa sich nicht? Sie hatte ihm doch versprochen, sofort anzurufen, wenn sie fertig war. Zögernd blickte Landon aus dem Fenster seines Zimmers im ersten Stockwerk des geräumigen Farmhauses der O'Ryans.
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It All Comes Back Again
Teen FictionDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
