Mark blinzelte und öffnete dann langsam die Augen. Vorsichtig richtete er sich auf.
„Neela?"
Er ignorierte den Schmerz, der seine linke Schulter durchfuhr und blickte sich um. Die Gepäckablage war genau zwischen ihm und Neela heruntergefallen.
Das Fenster auf seiner Seite war zersplittert, ein dicker Ast ragte hindurch und schränkte seine Bewegungsfreiheit stark ein. Mark tastete nach seinem Gurt und löste ihn. Als er sich umblickte, stellte er fest, dass es den restlichen Teil des Flugzeugs noch schlimmer erwischt hatte, als die Sitzgruppe, in der er und Neela sich befanden.
Das Flugzeug schien mit einem Flügel in der Erde festzustecken, wie Mark aufgrund der Schräglage vermutete Er zog seine Beine auf seinen Sitz und kniete sich hin.
„Neela?"
Alles war erdrückend still nach dem Lärm während ihrer Notlandung. Die Landung - wie spät war es? Mark zog sein Handy heraus.
14:30 Uhr - zumindest nach amerikanischer Zeit. Er war anscheinend nur wenige Minuten bewusstlos gewesen.
Vorsichtig hob Mark seinen Rucksack vom Boden auf und legte ihn hinter sich auf seinen Sitz, dann versuchte er, Neela auszumachen. Unter dem Metall konnte er nur ihre Haare sehen - oder besser erahnen. Draußen dämmerte es bereits und im Flugzeug war es schon beinahe dunkel.
Mark tastete nach der Taschenlampe an seinem Gürtel, schaltete sie an und nahm sie zwischen die Zähne, um die Hände frei zu haben. Er griff nach der Gepäckablage, die auf Neela zu liegen schien und versuchte, sie anzuheben. Schon nach kurzer Zeit traten ihm Schweißperlen auf die Stirn. Warum war das Ding so schwer?
Mark blickte sich um und entdeckte, dass sich das Kabel der Kopfhörer um die Gepäckablage gewickelt und unter einem der Sitze verhakt hatte. Mark stöhnte auf.
„Keine Panik, Nina, ich kriege dich da raus." Er wusste nicht, ob sie ihn hörte und ob er sich oder sie zu beruhigen versuchte. Vermutlich beides.
Unbewusst hatte er ihren alten Spitznamen wieder verwendet. Nina. Er wusste nicht, warum er ausgerechnet jetzt wieder auf diesen Namen kam. Bei ihrer ersten Begegnung - Mark war damals sechs Jahre alt gewesen - hatte er ihren Namen nicht richtig verstanden und sie seitdem Nina genannt. Neela war zu schüchtern gewesen, um ihn aufzuklären. Also hatte Harvey ihn schließlich verbessert.
Mark hielt kurz inne. Dann griff er nach seinem Rucksack, zog sein Taschenmesser heraus und durchtrennte das Kabel. Er schob einen weiteren Rucksack zur Seite, den jemand in der Gepäckablage vergessen haben musste und hob das breite Metallgestell endlich an.
Kaum war Neela frei, ließ Mark alles andere liegen und leuchtete sie mit der Taschenlampe ab. Bis auf eine kleine Platzwunde an der Stirn schien sie nicht verletzt zu sein, allerdings war sie noch immer bewusstlos. Mark griff nach ihrer Schulter und rüttelte sie sanft.
„Nina?"
Als sie nicht reagierte, kletterte er vor ihren Sitz und schlug ihr leicht auf die Wange. Ein Augenlid zuckte.
„Neela, komm schon, wach auf."
Vorsichtig öffnete Neela die Augen, blinzelte ein paar Mal, dann breitete sich ein zaghaftes Lächeln auf ihrem Gesicht auf.
„Hey, Monkey."
Mark verzog halbherzig das Gesicht, konnte aber ein erleichtertes Lächeln nicht unterdrücken. „Ist alles okay?"
Neela zögerte kurz, dann gab sie zu: „Mein Kopf tut etwas weh."
„Warte kurz." Mark suchte einen Moment in seinem Rucksack, dann hatte er die Tabletten gefunden. Zusammen mit einer Wasserflasche reichte er sie ihr.
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It All Comes Back Again
JugendliteraturDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
