22. Kapitel

224 25 0
                                        

Neela lehnte ihren Kopf an Harveys Schulter.

Ihr Bruder legte seinen Arm um ihre Schultern und gab ihr einen Kuss auf den Scheitel, als sie ihr Gesicht in sein Hemd drückte und den ihr so vertrauten Geruch nach Holz, Sommer und Zuhause einatmete, dem sich jedoch ein beißender Rauchgestank beimischte.

Josh reichte ihr eine Tasse Tee und setzte sich ihr gegenüber in einen Sessel. Henry und Mark kümmerten sich in Joshs Zimmer um Alecs Schusswunde, sodass Neela es bis jetzt einfach genossen hatte, ihren Bruder wiederzusehen, ohne an die vergangenen Stunden denken zu müssen.

Josh, die Ellenbogen auf die Knie gestützt, ergriff schließlich das Wort.

„Was genau ist passiert, Neela? Im einen Moment hat Mark mit dir telefoniert und im nächsten müssen wir zusehen, wie euer Haus abbrennt."

Neela spürte, dass Harveys Griff um ihren Arm fester wurde. Sie schluckte. „War es nicht mehr zu retten?", fragte sie leise.

Ihr Hals fühlte sich trotz des vielen Trinkens noch immer kratzig an, da auch sie einiges an Rauch eingeatmet hatte.

Josh schüttelte den Kopf. „Tut mir leid."

Neela blinzelte wieder einmal die Tränen weg und atmete tief durch. Das Haus hatte ihr Vater eigenhändig gebaut und in jedem Balken, in jedem Möbelstück steckte eine Erinnerung an ihn.

Aber es waren alles nur materielle Dinge. Das wahre Andenken an Luka McLucas hatte sie in ihrem Herzen aufbewahrt.

„Ich glaube, es war derselbe Mann, wie der, von dem Sam Jordan euch erzählt hat."

Josh zog die Augenbrauen hoch und machte sich eine Notiz auf seinem Block. „Warum glaubst du das?", hakte er nach.

„Er hatte einen starken britischen Akzent. Es ist ihm nie ganz gelungen, ihn zu verbergen.

„Er hätte auch so tun können, als hätte er einen. Und in Wirklichkeit ist er ebenfalls Amerikaner oder Australier oder sonst was", warf Josh ein.

„Nein."

Josh wirkte ein wenig überrascht, dass sie sich so sicher war, aber Neela hatte bereits nachgeahmte Akzente gehört und war sich sicher, dass dieser Mann aus dem Vereinigten Königreich kam.

Josh machte sich eine entsprechende Notiz. „Okay. Mach weiter."

„Er hat das Schloss zerschossen und stand auf einmal in der Wohnzimmertür und hat begonnen, zu schießen. Alec und ich haben uns hinter dem Sofa versteckt und Alec hat solange zurückgeschossen, bis er getroffen wurde."

Neela bemerkte, dass Harvey aufschaute. Sie folgte seinem Blick und sah Mark im Türrahmen lehnen.

Seine dunklen Haare waren wie auch Harveys und Joshs vom Rauch gräulich geworden. Er beobachtete sie aufmerksam und erwiderte endlich wieder ihren Blick.

Neela meinte, den Anflug eines Lächelns auf seinem Gesicht zu entdecken. Als er für einen Moment den Eisbeutel von seinem Gesicht nahm, sah sie den Bluterguss unter seinem Auge, der sich bereits bedrohlich blau verfärbt hatte.

„Was ist passiert?", fragte Neela erschrocken.

Als sie bemerkte, wie Harvey verlegen auf seine Füße blickte und sich dabei seine verstauchte Hand rieb, keimte eine Ahnung in ihr auf.

„Ihr habt doch nicht...?" Sie unterbrach sich, als Mark nur mit den Schultern zuckte. Er zog sich einen Küchenstuhl heran und setzte sich verkehrtherum darauf.

Josh räusperte sich. „Was ist passiert, nachdem Alec getroffen wurde?"

Neela wandte sich ihm wieder zu. „Ich habe versucht, mit ihm zu reden. Er meinte, dass sein Auftraggeber in Brendshire lebt und ihn dafür bezahlt, mich zu töten."

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt