60. Kapitel

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Neela starrte auf den Hinterkopf des Mörders, der vor ihr lief.

Sie wünschte, sie hätte so reagieren können wie Harvey oder wenigstens so wie Jalen, der seine ganze Verachtung in seinen Blick gelegt hatte.

Sie hatte das Gefühl, dadurch hätten die beiden jungen Männer sehr viel mehr gezeigt, wie sehr sie Luka geliebt hatten, als sie selbst.

Sie hatte geweint, als hätte sie Mitleid mit dem Mörder ihres Vaters.

Aber irgendwie stimmte es. Sie hatte Mitleid mit diesem Mann, der es ohne mit der Wimper zu zucken fertig gebracht hatte, seine Verwandten zu ermorden.

Er musste innerlich so kaputt sein.
So herzlos.

Ihre Reaktion mochte den anderen und auch ihr selbst ungerechtfertigt erscheinen, aber war es nicht besser, als zuzulassen, dass sich wie bei Jalen der Hass gegen Marcello in ihr aufbaute?

Außerdem wusste sie, dass ihr Vater stolz auf ihre Antwort gewesen wäre.

Man gewinnt einen Kampf nicht immer, indem man mit Hass dagegenhält. Manchmal bringt es viel mehr, wenn man den Gegner dadurch schwächt, dass man sich selbst schwach zeigt.

Neela hatte dieses Motto ihres Vaters lange nicht verstanden, doch langsam begann sie, den Sinn dahinter zu erkennen.

„Ich glaube, du hattest recht, Dad", murmelte sie leise, als sie auf die gebeugten Schultern des Mannes vor sich blickte.

Ihre Worte schienen ihn wirklich mehr verletzt zu haben, als der körperliche Angriff von Harvey.

Josh griff nach den Blättern, die Marcello achtlos auf den Tisch geworfen hatte.
„Möchten Sie zu Brinkleys Geständnis irgendetwas sagen, Mr Cazzonelli?"

Der Gefragte richtete seinen Blick stur auf die Wand hinter den Agenten und schüttelte den Kopf.

Neela begann angespannt mit ihrer Kette zu spielen. Es war nicht so, dass sie nicht genügend Beweise gegen Marcello hätten.

Vielmehr wollte sie nicht nur wissen, was er getan hatte, sondern auch wieso.

„Mr Cazzonelli, Sie werden für Ihre Verbrechen so oder so die Todesstrafe bekommen, wir haben bereits genügend Beweise. Also bitte, machen Sie es nicht so kompliziert und erzählen Sie uns einfach gleich, was Sie wann und wieso getan haben", schaltete sich Alec ein.

Während Neela wenigstens bei dem Verhör der beiden ISASP-Agenten dabei sein durfte, hatte Josh als Leiter dieses Falls Jalen und Harvey bereits nach zwei Minuten wieder aus dem Raum geschickt.

Zwar war Neela emotional nicht minder an diesen Fall gebunden, aber sie hatte sich besser unter Kontrolle als ihr Bruder und ihr Cousin.

Selbst als Marcello ihnen erzählt hatte, wie gut es sich anfühle, einen Erzfeind weniger zu haben, war sie ruhig geblieben.

„Ich habe meine Tochter nicht umgebracht", sagte Marcello in diesem Moment.

„Was?" Josh runzelte die Stirn. Neela lehnte sich auf ihrem Stuhl gespannt nach vorne.

„Lisa. Ich habe sie nicht getötet."

„Sondern Brinkley dazu beauftragt, ich weiß", erwiderte Josh unbeeindruckt.

„Nein, Mann, ich habe es doch schon gesagt! Mit ihrem Tod habe ich eben so wenig zu tun, wie mit dem Anschlag auf Neela und Ihren Kollegen hier."

Er deutete mit dem Kopf auf Alec. „Ich habe den Brand einfach genutzt, um Ihnen meine Botschaft zukommen zu lassen."

„Ach so." Skeptisch blickte Josh den Mörder an. „Sie erwarten, dass wir Ihnen das glauben?"

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