Mark zuckte zusammen, als der Schuss fiel.
Er hatte fest damit gerechnet, getroffen zu werden, aber er spürte keinen Schmerz.
Harper hingegen, die neben ihm stand, stolperte auf einmal rückwärts, einen Ausdruck der Überraschung auf ihrem Gesicht.
Die junge Frau blickte langsam an sich hinunter und Mark folgte ihrem Blick.
Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen, als er sah, wie sich der Stoff von Harpers hellblauem Top schnell dunkel färbte.
Die junge Frau presste mit einem Aufschrei ihre Hände auf ihren Bauch, um die Blutung zu stoppen, die der Schuss verursacht hatte.
Sie taumelte und plötzlich richtete ihr Blick sich direkt auf ihn, voll Hass aber auch Verzweiflung.
Und mit etwas neuem, was er nie erwartet hatte, in ihren Augen zu sehen: Angst.
„Liam!", krächzte sie entsetzt.
Der jüngere Trevino-Bruder war kaum merklich blass geworden und starrte ungläubig auf seine Waffe.
Er hatte der jungen Frau in den Bauch geschossen, als sie den Brüdern zum wiederholten Mal widersprochen und sie aufgefordert hatte, ihr Mark zu überlassen.
Es war erstaunlich gewesen, dass die beiden Brüder ihr so viel hatten durchgehen lassen, obwohl sie Harper eigentlich nicht mehr brauchten.
„Was hast du getan, Liam? Hilf mir doch!" Harper begann hysterisch zu weinen und sackte auf dem Boden zusammen.
Wieder blickte sie Mark an. „Hilfe!", flüsterte sie verzweifelt.
Halbherzig versuchte Mark, sich von den Fesseln zu befreien. Er konnte sie nicht einfach sterben lassen, andererseits würde jede Anstrengung doch nichts bringen.
Doch dann blickte er Neela an, sah ihre tränenüberströmten Wangen.
Sie wusste, dass Harper sterben würde, wenn sie nicht schnell Hilfe bekam und obwohl Harper sie so oft verletzt und immer wieder beschimpft hatte, weinte sie um sie.
Mark verdoppelte seine Anstrengungen, seine Hände aus dem Seil zu ziehen und scheuerte sich dabei die Handgelenke wund.
„Hey! Hör auf!" Matthew richtete seine Schusswaffe auf ihn.
Mark hielt inne. „Mr Trevino, bitte. Sie können doch unmöglich noch jemanden töten wollen! Rufen Sie einen Krankenwagen oder lassen Sie einen Arzt kommen, aber ermorden Sie keine unschuldige junge Frau! Bitte, lassen Sie mich ihr helfen."
Matthew blickte ihn kalt an. „Sei lieber still. Du bist der nächste!"
Neela schrie auf. Als Mark sah, wie verzweifelt sie versuchte, sich aus den Stricken zu befreien, brach es ihm das Herz.
„Das können Sie nicht machen! Wir können nichts dafür, was damals passiert ist!" Neela schluchzte auf.
Mark konnte nicht zusehen, wie Neelas wunderschöne grüne Augen vor Tränen überzufließen schienen.
Er wandte den Blick ab und schaute stattdessen Matthew an, der vor ihm stand. „Bitte", begann er, doch Harper unterbrach ihn höhnisch.
„Winselst du um Gnade?", fauchte sie, selbst im Sterben noch von einem unbändigen Hass erfüllt, der Mark unbegreiflich war.
„Nein, tue ich nicht." Mark biss wütend die Zähne zusammen.
Er wandte sich wieder an Matthew, der mit verschränkten vor ihm stand und ihn spöttisch anblickte.
„Bitte, lassen Sie Neela nicht zusehen." Er könnte es nicht ertragen, wenn Neela sehen müsste, wie er starb.
Er wollte, dass sie gar nichts von dem ganzen hier mitbekommen müsste.
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It All Comes Back Again
Ficção AdolescenteDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
