„Hier ist es." Neela deutete auf den ausgebrannten Stall vor ihnen, der im Dunkeln wie ein riesiges Monster vor ihnen aufragte. Nur das weiße Licht des Mondes erhellte den Rasen dahinter, der einmal die Koppel gewesen war.
„Ich weiß." Mark nickte und blickte sich um.
Noch war nichts von Kendra oder dem Entführer zu sehen. Er prüfte noch einmal den Sitz seines In-Ear-Kopfhörers mit dem er via Funk mit Josh, Alec, Jalen und auch Neela verbunden war.
„Er kommt von links. Noch etwa 50 Meter, dann könnt ihr ihn sehen", meldete Josh in diesem Augenblick leise.
Mark nickte Neela knapp zu, als Zeichen, dass er Josh ebenfalls gehört hatte.
Sein Blick fiel auf ihre Hände, die wieder einmal nervös mit ihrer Kette zu spielen begannen. Mit einem Lächeln legte er seine Hand auf ihre und hielt sie fest.
Neela blickte ihn an, kniff die Augen zusammen und zog dann ihre Hand weg.
In diesem Augenblick traten die beiden ins Licht des Mondes.
Mark sah zuerst nur seine Schwester und spannte sich sofort an.
Kendra waren die Hände vor dem Körper zusammengebunden, ihre Füße waren so mit Seilen umschlungen, sodass sie nur kleine Schritte machen konnte. Ihre großen Augen waren verweint, ihre Haare hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und hingen lose auf ihre Schultern.
Hinter seiner Schwester stand derselbe schwarz gekleidete Mann, der ihn aus dem Gefängnis befreit hatte und richtete seine vollautomatische Schusswaffe auf Kendra.
Ganz toll.
Im Zweifel könnte er sie also alle erschießen, bevor sie auch nur daran denken konnten, ihre versteckten Waffen zu ziehen.
Mark wäre am liebsten sofort zu seiner Schwester gelaufen, doch Neelas Hand auf seinem Arm hielt ihn zurück.
Als er sie anblickte, schenkte sie ihm ein zaghaftes Lächeln und im Licht des Mondes sah er, dass ihre Wangen sich leicht röteten.
Der Entführer und Kendra blieben etwa sieben Meter von ihnen entfernt stehen. Mark spürte, wie sein Herz zu rasen begann.
„Kommen Sie näher, Miss McLucas", forderte der Mann Neela auf. Seine Stimme hatte einen beinahe freundlichen Tonfall, doch Mark ließ sich nicht täuschen.
Kendras Entführer wollte mehr als nur das Papier von Owen. Er wollte etwas, das mit Neela zu tun hatte.
Mark warf ihr stirnrunzelnd einen Blick zu und hielt sie am Arm zurück, als sie einen Schritt nach vorne machte.
„Was?"
„Du gehst da nicht alleine hin, Neela. Das ist zu gefährlich!"
Neela verdrehte die Augen und riss sich los. „Es geht um deine Schwester, Mark! Ich finde, wir sollten ihrem Entführer zumindest soweit entgegenkommen, dass ich zu ihm gehe!"
Wenn ihr etwas passierte...
„Mark, bitte. Es ist Kendra!"
Er zögerte. Wenn er Neela nicht gehen ließ, würde er seine Schwester vielleicht nie wieder sehen. „Okay", sagte er schließlich mit rauer Stimme.
Er beobachtete jeden Schritt, den Neela auf den Entführer zumachte.
„Weise Entscheidung", hörte er über Funk durch Neelas Headset die Stimme des Entführers so laut, als stünde er selbst neben Neela. „Sie haben das Papier?"
Neela nickte nur.
„Sehr gut." Der Entführer klang, als würde er lächeln.
Plötzlich, in einer schnellen Bewegung, richtete der Mann seine Waffe auf ihn und drückte ab.
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It All Comes Back Again
Teen FictionDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
