Mark schlug wütend die Tür hinter sich zu, als er durch die Hintertür das zum Ballsaal umgestellte Wohnzimmer seiner Familie verließ.
Er holte tief Luft und entfernte sich einige Schritte von dem Haus. Es war kalt. Er hätte daran denken müssen, seine Jacke mitzunehmen, aber bevor er die McLucas' nach Hause brachte, musste er erst mal seinen Kopf freibekommen und das so schnell wie möglich.
Was war gerade passiert?
Mark hatte die Beziehung zu seiner besten Freundin zerstört - durch puren Egoismus.
Aber er konnte das nicht, er durfte es nicht. Es war zu früh. Zu früh, nach seiner letzten Beziehung, die ihn als Scherbenhaufen zurückgelassen hatte.
Als sich leichte Schritte näherten, blickte Mark verärgert auf. Hierher kam sonst niemand, höchstens seine Geschwister, wenn sie ihn suchten, weil er sich mal wieder vor zu vielen Menschen zurückgezogen hatte.
Doch diesmal war es Harper Bradley, die mit ihrem aufreizend kurzen Abendkleid auf ihn zu kam. Mark wusste, dass Henry und Kate Harper nicht eingeladen hatten - immerhin hatte er die Einladungen verteilt - doch daraus machte sich ein Bradley nichts. Das hätte er wissen müssen.
„Hey, Mark", flötete sie mit ihrer hohen Stimme.
Mark war sie jetzt schon zu viel. Er stemmte die Arme in die Seiten. „Harper, nimm es nicht persönlich, aber eigentlich würde ich gerne etwas alleine sein." Er hielt seine Stimme bewusst kalt, um ihr keine falschen Hoffnungen zu machen.
Seine Schwester Rebecca hatte ihm erzählt, dass das Bradley-Mädchen ein Auge auf ihn geworfen habe und das war wirklich das letzte, was er gerade gebrauchen konnte.
„Ich auch." Harper stellte sich lächelnd direkt vor ihn und ließ ihren Blick aufreizend über seine Gestalt schweifen.
Mark trat einen Schritt zurück. „Harper, bitte geh wieder rein", forderte er sie so freundlich wie möglich auf. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass sie anfangen würde, zu weinen.
Harper wandte sich halb von ihm ab, die Hände vor dem Gesicht und ihre Schultern begannen zu beben.
Mark stöhnte innerlich auf. Mit weinenden Mädchen konnte er wenig anfangen. Er war froh, dass Neela sich vorhin hatte zurückhalten können. Das rechnete er ihr hoch an.
Als Harper theatralisch aufschluchzte, trat Mark wieder einen Schritt auf sie zu. Alles in ihm sträubte sich gegen das, was er jetzt tun musste. Er legte ihr die Hände auf die Schultern und drehte sie zu sich um. In ihren großen blauen Augen schwammen Tränen.
„Es tut mir leid. Aber mir ist gerade nicht nach reden", versuchte er, sie zu besänftigen.
„Mir auch nicht." Sie hob den Blick.
„Gut. Dann bleib du doch hier und ich gehe woanders hin." Er zwang sich zu einem Lächeln und wandte sich ab, doch er kam keine drei Schritte weit, als ihn ein erneutes Aufschluchzen zurückhielt.
Genervt drehte er sich um und war überrascht, Harper so dicht hinter sich zu sehen.
„Was ist los, Harper?" Er wusste, dass sie seinen Blick suchte, doch er wich ihr bewusst aus und blickte hinter ihr auf die geschlossene Tür.
„Du hasst mich", schluchzte die junge Frau auf.
Mark biss sich auf die Lippe, um ihr nicht zuzustimmen. Kein O'Ryan mochte irgendeinen Bradley. „Das stimmt nicht. Der Abend ist einfach nicht ganz so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte."
„Für mich auch nicht", flüsterte Harper in ihr zusammengeknülltes Taschentuch, mit dem sie sich die Tränen abgewischt hatte.
Mark schwieg, um sie nicht darauf hinzuweisen, dass sie nicht eingeladen gewesen war. Eigentlich wollte er nichts über Harper Bradleys Abend wissen.
DU LIEST GERADE
It All Comes Back Again
Ficção AdolescenteDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
