66. Kapitel

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„Du hast nicht zufällig einen Schlüssel dabei, oder?" Neela lag gelangweilt auf ihrem Bett.

Da ihr alles abgenommen worden war, hatte sie keine Möglichkeit, die Tür irgendwie aufzubekommen, aber fragen konnte sie ja mal.

Zu ihrer Überraschung blickte Kendra verwirrt auf.

„Doch, wieso?"

„Er wurde dir nicht abgenommen?" Neela richtete sich so schnell auf, dass ihr für einen kurzen Augenblick schwindelig wurde.

Kein Wunder, außer dem Frühstück hatten sie noch nichts zu essen bekommen und Neela war sich ziemlich sicher, dass es bereits Nachmittag war, auch wenn sie keine Uhr hatte.

„Wieso sollte mir mein Schlüssel für Zuhause abgenommen werden?" Kendra runzelte verwundert die Stirn.

Neela hingegen hätte am liebsten gejubelt. Sie ging zu Kendra hinüber.

„Gib ihn mir mal bitte."

Kendra zog einen Schlüssel aus ihrer Hosentasche und reichte ihn ihr.

„Perfekt", murmelte Neela und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.

„Ähm, Neela?" Kendra blickte sie an, als wäre sie verrückt. „Du weißt, dass nicht jeder Schlüssel in dieses Schloss passt, oder?"

Neela musste lachen. „Ja. Aber wenn wir Glück haben, könnten wir hieraus einen Schlagschlüssel machen. Wir müssen nur vorne die Zähne etwas abschleifen. Aber zum Glück hat euer Schlüssel nur wenige Zähne."

„Ein Schlüssel, der Zähne hat." Kendra grinste und auch Neela musste lachen.

„Das klappt, du wirst sehen!"

Eine Stunde später hatte Neela es tatsächlich geschafft, die Zähne soweit abzuschleifen, dass sie den Schlüssel als Schlagschlüssel benutzen konnte.

Sie hatte dabei zwar die Einrichtung des Zimmers beschädigen müssen, aber das konnte sie ja immer noch zurückzahlen, sobald sie hier raus waren.

Sie fuhr mit dem Finger die beinahe vollkommen glatte Kante des Schlüssels nach.

„Das müsste gehen", lächelte Neela zufrieden.

„Was machst du jetzt?" Kendras neugieriger Blick folgte ihr, als sie sich vor die Tür hockte.

„Lockpicking. Ich öffne die Tür", murmelte Neela abwesend.

Sie steckte den Schlüssel vorsichtig ins Schloss und zählte jedes leise Klacken, das sie spürte, um sicherzugehen, dass sie den Schlüssel nicht ganz bis zum Anschlag ins Schloss schob.

„Okay, jetzt brauche ich irgendetwas Hartes. Sowas ähnliches wie einen Hammer."

„Ein Schuh?" Kendra reichte ihr einen ihrer Sportschuhe.

Neela überlegte. „Ich probiere es damit, aber such am besten weiter, ich weiß nicht, ob das hart genug ist."

Neela holte aus, schlug mit der Sohle des Schuhs gegen den Schlüssel und drehte schnell den Türknauf.

Nichts.

„Mist", knurrte Neela.

Weil Kendra in dem Raum nichts Härteres fand, was nicht niet- und nagelfest war, versuchte Neela es noch einmal, doch in diesem Moment hörte sie Schritte auf dem Gang.

„Zurück!", zischte sie Kendra zu. Marks Schwester wich sofort von der Tür zurück. Neela lauschte.

Die Schritte blieben vor der Tür stehen. Der Türknauf drehte sich.

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt