2. Kapitel

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Es war das laute, tuckernde Geräusch eines mit angelassenem Motor haltenden Autos, dass Luka aus seiner Bewusstlosigkeit weckte.
Der plötzliche Geräuschpegel rief einen stechenden Kopfschmerz hervor, während sich der Rest seines Körpers sich eigenartig taub anfühlte.

Luka blinzelte und öffnete vorsichtig seine Augen. Es dämmerte. Er lag mitten auf einer großen weiten Fläche, dort, wo er Marcello vorhin gefunden hatte. Oder eher, wo sein ehemaliger Freund ihn gefunden hatte.

Als ihm langsam und bruchstückhaft wieder einfiel, was passiert war, war erstaunt, dass er überhaupt noch lebte.

Luka wollte seinen Kopf zur Seite drehen, um zu sehen, wer da mit dem Auto gekommen war, doch er konnte sich nicht bewegen. Er hörte, wie jemand ausstieg, die Tür zuschlug und auf die andere Seite des Wagens lief.

Der Schwere der Schritte nach zu urteilen, musste es ein Mann sein und die Tatsache, dass er sich nicht beeilte, um Luka zu helfen, ließ ihn vermuten, dass es sich um Marcello handelte. Doch wo war der gewesen, dass er jetzt mit einem Auto kam?

War das sein Ende? Marcello ließ ihn einfach so hier verbluten?

Aber er war ja wenigstens nicht alleine. ..., denn ich bin bei dir wohin du auch gehst. Der Bibelvers fiel ihm ganz plötzlich ein und bekam für Luka auf einmal eine viel tiefere Bedeutung. Er war nicht alleine.

Plötzlich nahm Luka den körperlichen Schmerz kaum noch wahr; stattdessen breitete sich eine innere Ruhe in ihm aus, die er sich nicht erklären konnte.

Ja, er würde sterben. Für ihn gab es keinen Zweifel mehr daran. Aber er wusste, wohin er gehen würde. Zu seinem Vater im Himmel.

Luka wusste, dass der ihm vergeben hatte, auch wenn der Sheriff sich noch immer dafür schämte, indirekt einen Menschen getötet zu haben.
Es war ein langer Weg gewesen, bis er sich selbst hatte vergeben können.

Ich liebe euch, Isabelle, Neela, Harvey. Jalen, Sophie. Wir sehen uns bei unserem Vater im Himmel.

Eines Tages.

Luka begann, leise Psalm 23 flüstern.  Er schloss mit einem leisen Amen, bevor ihm erschöpft die Augen zufielen.Eswaren seine letzten Worte, bevor ein erneuter Schuss die Ruhe des Texas Panhandles zerstörte.

* * * * *

Neela McLucas war jedes Mal neu von der Fröhlichkeit und Liebe fasziniert, die die O'Ryans ausstrahlten.

Die Verlobungsfeier von Henry und Kate war seit anderthalb Stunden in vollem Gange und noch nie hatte die junge Frau sich auf einer großen Menschenansammlung so wohl gefühlt, wie bei dieser Familie.

Zum Wiederholten Mal beobachtete sie die beiden Verlobten.
Sie waren ein wunderbares Paar.

Henry wirkte unglaublich stolz auf seine zukünftige Braut. Und Kate McKinley – Neela glaubte nicht, schon jemals jemanden so glücklich gesehen zu haben. Ihr Gesicht strahlte, und sobald Henry mit einem anderen Gast redete, folgten ihre Augen ihm mit einem Ausdruck tiefer Liebe und Sehnsucht.

Die beiden gehörten zusammen, das konnte jeder sehen.

Neela nippte an ihrem Getränk. So etwas wünschte sie sich auch. Eine Beziehung, die so tief ging, tiefer als eine oberflächliche Liebelei, tiefer als alles, was sie bis jetzt erlebt hatte.

Sie wünschte sich eine Liebe, die ein ganzes Leben hielt.

„Ein fantastisches Paar, nicht wahr?", hörte sie plötzlich eine Stimme dicht hinter sich. Neela drehte sich ruckartig um und wäre beinahe mit Mark O'Ryan zusammengestoßen. Sie spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg.

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt