„Besuch für dich, O'Ryan."
Mark blickte auf, als das Gesicht des Wärters hinter dem kleinen, vergitterten Fenster in der Tür erschien.
„Tritt von der Tür zurück."
Mark trat einen Schritt zurück, als der Wärter die Tür aufschloss und widersetzte sich nicht, als ihm erneut Handschellen umgelegt wurden.
Der Aufseher führte ihn durch einen langen, kahlen Gang bis zu einer Tür, hinter der der Besucherraum lag.
Hier war der Bereich, in dem die Besucher waren mit einer dicken, schalldichten Glasscheibe von dem Bereich getrennt, in dem sich die Sträflinge aufhalten durften.
Um zu kommunizieren befanden sich auf jeder Seite der Glasscheiben Telefone.
Mark sah Harper sofort, als er in den Raum kam.
Mit nachdenklich zusammengekniffenen Augen blickte er sie an, als er sich auf den Stuhl auf seiner Seite der Glasscheibe setzte.
Harper warf ihm ein strahlendes Lächeln zu und griff nach dem Telefonhörer auf ihrer Seite.
Mark zögerte.
Eigentlich hatte er keine Lust, mit Harper zu reden.
Erst recht nicht jetzt.
Vermutlich wollte sie ihm sowieso nur unter die Nase reiben, wie sie ihn hier rein bekommen hatte.
Die junge Frau sagte irgendetwas, doch Mark machte keine Anstalten, den Hörer auf seiner Seite abzunehmen.
Wütend klopfte Harper gegen die Scheibe.
Mark legte den Kopf schief und presste die Lippen zusammen. Er nahm den Telefonhörer und drehte ihn langsam in der Hand.
Er genoss diesen kurzen Augenblick der Macht über Harper.
Diese fuchtelte aufgebracht mit der Hand vor der Scheibe hin und her.
Mark lächelte ihr betont gelassen zu, als er den Hörer schließlich doch an sein Ohr hielt.
„Na endlich!", murrte die junge Frau.
Mark legte den Kopf schief. „Auch schön, dich wiederzusehen, Harper Bradley. Was führt dich zu mir?"
Auch jetzt konnte er sich die Ironie nicht ganz verkneifen.
„Dein bezauberndes Lächeln", konterte Harper mit einem Augenaufschlag.
„Ich dachte nur, ich darf keinen Besuch bekommen."
„Ich bin eine Ausnahme."
„Außerdem munkelt man, ich hätte dich umgebracht."
Harper kicherte. „Das Gerücht habe ich wirklich gut gestreut, was? Na ja, wie auch immer, dir scheint der Gefängnisaufenthalt ja nicht allzu gut zu bekommen."
Sie deutete auf seine Wange, die noch immer wie Feuer brannte.
„Eher die Verhöre", erwiderte Mark. Er hatte keinen Spiegel in seiner Zelle und konnte so nur vermuten, wie er nach Davids und James' Schlägen aussah.
Oder sollte er besser Marcello sagen?
Mark biss wütend die Zähne zusammen. Warum war ihnen nur nicht früher aufgefallen, dass sich Marcello Cazzonelli hinter niemand anderem als James Chidlow verbarg?
Harper lachte glockenhell auf, als hätte er gerade einen Witz gemacht.
„Aber ansonsten", fuhr Mark bissig fort, „ist der Service hier fantastisch. Und das sogar auf deine Kosten." Okay, eigentlich auf die aller Steuerzahler, aber diese Kleinigkeit war ihm egal.
Harper wusste das sowieso.
„Das ist gut." Harper nickte, als würde sie wirklich das meinen, was sie sagte, während sie in ihre Handtasche griff und etwas herausholte. „Ich dachte schon, du würdest das hier vermissen."
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It All Comes Back Again
Teen FictionDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
