14. Kapitel

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Neela schwang ein Bein aus dem Fenster und warf einen prüfenden Blick nach unten.

Sie befand sich im ersten Stock des insgesamt eher niedrig gebauten Hauses. Schon öfter war sie von hier auf den großen Heuhaufen vor ihrem Zimmer gesprungen.

Sie schaute ein letztes Mal auf die verschlossene Tür ihres Zimmers und mit einem Lächeln auf den Lippen stieß sie sich vom Fenster ab. Mit den Füßen voran landete sie im Heu.

Früher war sie auf diesem Weg immer aus dem Haus gelangt, wenn sie eigentlich Hausaufgaben machen sollte oder Hausarrest gehabt hatte - was durchaus ab und zu vorgekommen war, meistens, weil sie, Harvey und Mark sich wieder einmal mit den Jungen aus dem Dorf geprügelt hatten.

Neela war dann meistes zu Rylee oder - noch öfter - zu Mark gegangen. Sie hatte früher immer gedacht, dass ihr Vater davon nichts wusste, bis eines Tages, als sie aus dem Fenster hatte klettern wollen, statt dem Heuhaufen ihr Vater dort unten gestanden und sie angelächelt hatte.

Neela konnte sich noch genau daran erinnern, wie er die Arme geöffnet und sie aufgefangen hatte, als sie gesprungen war.

Danach war er mit ihr Eis essen gegangen und hatte sie von da an ihre Hausaufgaben immer im Wohnzimmer machen lassen.

Neela blinzelte energisch die Tränen zurück und kletterte aus dem Heuhaufen, sich das Stroh aus den Haaren ziehend.

Heute wollte sie nicht ihren Hausaufgaben entkommen, sondern Alec und Harvey, die genau darauf achteten, dass sie das Gebäude nicht verlassen konnte.

Neela schüttelte den Kopf. Sie verstand nicht, wieso sie nicht einmal tagsüber das Haus verlassen durfte. Welcher Mörder kam denn bitteschön mitten am Tag?

Es war wirklich übertrieben, wie sehr die Agenten und auch ihr Bruder auf sie aufpassten, immerhin konnte sie das doch wohl genauso gut selbst!

Neela warf einen Blick auf ihre Uhr. Es war kurz nach Mittag, also hätte sie auf jeden Fall noch Zeit, bis Josh und Mark zurückkämen und Harvey und Alec würden bestimmt damit rechnen, dass sie noch auf ihrem Zimmer war.

Neela lief, sich immer unter den Fenstern duckend, lief Neela zum Stall hinüber.

Sie brauchte einfach mal ein bisschen frische Luft, nach den beiden Tagen, die sie fast durchgängig in ihrem Haus hatte bleiben müssen - sie war eben doch ein Farmmädchen.

Neela schob die schwere Tür des Stalls auf und schlüpfte durch den Spalt ins Innere. Einen Moment wurde sie von den Erinnerungen überwältigt und stolperte einen Schritt zurück.

Sie blinzelte heftig, um die Tränen zurückzuhalten und ging dann zu der Box ihrer Stute, die sie bereits mit einem freudigen Wiehern begrüßte.

„Na, du willst dich auch mal wieder bewegen, stimmt's?" Sanft strich sie dem Pferd über den Hals.

Die Tür schlug zu und Neela fuhr erschrocken herum.

„Was machst du hier, Neela?" Es war Alec. „Du solltest doch im Haus bleiben."

Neela verdrehte die Augen und wandte sich wieder zu ihrer Stute um, die sich ebenfalls erschrocken hatte. „Ganz ehrlich, Alec, als ob er am Tag zurückkommt, um mich zu erschießen!"

„Vielleicht beobachtet er dich ja die ganze Zeit und wartet nur auf einen Augenblick wie diesen, wo er dich alleine erwischen kann", konterte Alec und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Bitte, Alec." Neela blickte den Agenten flehend an. „Ich wollte nur eine halbe Stunde oder so ausreiten. Komm schon." Als sie sah, wie er tatsächlich überlegte, schob sie schnell hinterher: „Josh und Mark werden von mir auch nichts erfahren."

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt