53. Kapitel

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Marks Finger begannen zu zittern, als er zum wiederholten Mal seinen Hals berührte.

Aber Annes Ring war nicht mehr da.

Mark lag auf der harten Pritsche und starrte aufgewühlt an die niedrige Decke des kleinen Raumes, die mit den kahlen Wänden ein zusätzliches, beengendes Gefühl in Mark erweckte.

Sein Shirt war bereits durchgeschwitzt von dem Versuch, eine Panikattacke zu unterdrücken.

Nicht so sehr wegen der Situation, vielmehr wegen deren beklemmenden Charakter und der Tatsache, dass ihm Anne genommen worden war, zum zweiten Mal.

Kaum nahm er war, dass seine beiden Zellengenossen - zwei Mehrfachmörder, die darum würfelten, wer Mark als erstes verprügeln durfte, um wieder zu zweit in der Zelle zu sein - ihn mit vor Überraschung geweiteten Augen anblickten.

Marks Atem ging schnell und flach.

Sie durften ihm nicht das letzte nehmen, das ihm von seiner Frau noch geblieben war, durften ihm nicht verweigern, seinen Ehering zurückzubekommen!

Doch der Protest gegen den Wärter hatte nichts gebracht, außer dem Ausfall des Abendessens für ihn.

Mark richtete sich auf, zog sein durchgeschwitztes Shirt aus und warf es in eine Ecke des Zimmers.

Einer seiner beiden Zellengenossen richtete sich auf und kniff wütend die Augen zusammen.
Das Shirt hatte ihn getroffen.

Er stand auf, kam langsam auf Mark zu und begann, mit seinen Muskeln zu spielen.
Den Kopf schief gelegt, blickte er Mark an und knackte mit seinen Fingern.

„Hey, Kleiner. Was soll das?"

Mark antwortete nicht, starrte nur geradeaus und wusste, dass er Annes Ring nicht mehr hatte.
Dass er damit auch Anne und seine ganze Ehe verloren hatte.

Es war seine Schuld, dass alles kaputt war.
Damals war er nicht für Anne da gewesen, als sie ihn gebraucht hatte und nun war er es wieder nicht.

„Hey, ich hab mit dir geredet! Es ist ganz schön unhöflich von dir, nicht zu antworten!"

Bei den Worten des einen Mannes erhob sich nun auch der zweite und beide kamen drohend auf Mark zu, doch vor seinen Augen lag wie ein Schleier, sodass er kaum etwas wahrnahm.

Der eine der beiden holte aus und Mark verdankte es nur seinen trainierten Reflexen, dass er den ersten Schlag noch abfangen konnte, doch der zweite traf ihn mit voller Wucht in den Bauch.

Der andere der beiden schubste ihn rückwärts gegen die Wand. Der Putz bröckelte ab.

Mark knickte ein und sank zu Boden.

Ganz langsam ein- und ausatmen, ermahnte Mark sich selbst, nahm kaum wahr, was um ihn herum passierte.

Die Panikattacken hatten erst mit Annes Tod begonnen und für kurze Zeit hatte Mark auf Ian Jacobs' Anraten hin eine Psychologin aufgesucht, die ihm diverse Techniken beigebracht hatte, Panikattacken zu umgehen, doch das hier war schlimmer als alles, was er bisher erlebt hatte.

Sein Brustkorb schien förmlich zu explodieren und die zusätzlichen Schmerzen durch die Schläge verschlechterten seinen Zustand noch mehr.

Mark hustete und versuchte weiter, nicht zu hyperventilieren, sondern möglichst kontrolliert zu atmen.

Die Stelle, wo sonst immer Annes Ring gehangen hatte, brannte wie Feuer und erinnerte ihn schmerzlich an den Verlust.

Mark keuchte auf, als ein scharfer Schmerz seinen Brustkorb durchfuhr.
Einer der beiden Männer hatte ihm einen harten Schlag versetzt.

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt