27. Kapitel

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„Das Armband gehört also wirklich Landon?" Neela war erstaunt, dass Marks Bruder sich bei der Hütte herumgetrieben haben sollte, in der sich vermutlich der Mörder ihres Vaters aufgehalten hatte.

Sie war irritiert, wusste sie doch nicht, was sie jetzt von Landon denken sollte. Er war ihr immer etwas suspekt gewesen, immerhin war er irgendwann in Brendshire aufgetaucht und niemand wusste wirklich, wo er herkam oder was mit seiner Familie passiert war.

Eigentlich wusste sie nichts über ihn und hatte auch nie viel mit ihm zu tun gehabt. Wahrscheinlich fiel es ihr deswegen so schwer, ihn einzuschätzen.

„Ich habe ihn noch nicht darauf angesprochen. Irgendwie habe ich Angst davor, was er sagen würde", gab Mark zu.

Neela zog sich das dünne Tuch, das ihre Schultern vor einem Sonnenbrand schützen sollte, enger um die Schultern, als ein sanfter Wind sie zum Frösteln brachte.

Ihre Augen suchten die Fläche vor ihnen nach einem geeigneten Picknickplatz ab. Mark hatte darauf bestanden, in Sichtweite zum Haus zu bleiben, sodass sie demnächst ihre Decke ausbreiten mussten.

Aber immerhin war das Grundstück der Tuckers, wie beinahe alle in Brendshire, riesig, sodass sie auch noch um einiges weiter hätten laufen können, ohne dass jemand sie von seinem eigenen Grundstück aus sehen könnte.

„Ich bin heute Abend bei meiner Familie, dann werde ich mit ihm reden müssen", seufzte Mark.

Neela drückte ihm kurz den Arm, ließ jedoch schnell wieder los, als er ihr einen undefinierbaren Blick zuwarf. Was war denn mit ihm los? Das hatte sie doch früher immer gemacht!

Wobei sie zugeben musste, dass es auch sie nicht ganz kalt ließ, doch sie schob ihre aufgewühlten Gefühle auf die merkwürdige, ungewohnte Distanz zwischen ihnen.

Und das, wo sie doch schon seit Jahren seine beste Freundin war!

Konnte er denn nicht einfach wieder der alte, unkomplizierte Mark sein, der sie mit seinen ironischen Späßen und verrückten Ideen zum Lachen brachte?

„Ich glaube nicht, dass es Landon war", versuchte Neela, das Gespräch weiterzuführen, das durch ihre peinliche Aktion unterbrochen worden war.

„Er ist vielleicht schwierig, aber er könnte niemals einen Menschen töten. Weißt du, er erinnert mich irgendwie an dich."

Und das, obwohl die beiden nicht einmal wirklich verwandt waren. Und soweit Neela wusste, hatte Mark nie eine besonders enge Beziehung zu Landon gehabt.

Aber plötzlich fiel ihr wieder ein, dass Mark ja ebenfalls für einen Geheimdienst arbeitete... Sie hatte gesagt, Landon könnte niemals einen Menschen töten und würde sie darin an Mark erinnern.

Unwillkürlich fragte sie sich, ob Mark wohl schon einmal einen Menschen hatte töten müssen und ob es ihn ebenso verfolgte, wie sie. Aber Neela traute sich nicht, zu fragen.

Eine Weile schwiegen sie, bis Mark wieder das Wort ergriff. „Wir waren auch bei der auf der Karte mit dem roten Kreuz markierten Stelle. Die Spurensicherung hat unter anderem entdeckt, dass dort ein Loch gegraben worden sein muss, das aber wieder notdürftig zugeschüttet wurde. Wir vermuten, dass der Mörder, also Ben, das die ausgerissene Seite aus Cunninghams Tagebuch, auf der vermutlich stand, wie er das Gold hergestellt hat, versteckt hat, um es so unauffällig an seinen Auftraggeber übergeben zu können. Wahrscheinlich hat er nicht gewusst, wie viel das Papier wert war, sonst hätte er es garantiert behalten."

Neela nickte zustimmend. Das ergab Sinn.

Da wies Mark mit dem Kopf auf einen großen, ausladenden Pekannussbaum, den Staatsbaum Texas'. „Lass uns dahin gehen", schlug er vor.

It All Comes Back Again Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt