Inmitten der ehrlich trauernden Dorfbewohner kam Mark sich heuchlerisch vor.
Er versuchte, seinen erschütterten und trotzdem leicht distanzierten Gesichtsausdruck beizubehalten, während er den Blick über die Menschenmenge schweifen ließ.
Er war sich sicher, dass sich zumindest der Auftraggeber unter die Trauernden gemischt hatte, war doch beinahe das ganze Dorf versammelt.
Aus jeder der Familien waren zumindest die Eltern gekommen, um Neela die letzte Ehre zu erweisen.
Mark fiel auf, dass Harvey seine Sache erstaunlich gut machte. Er spielte den trauernden großen Bruder hervorragend.
Echte Tränen flossen über sein Gesicht, er umklammerte die Hand seiner völlig aufgelösten Verlobten und nahm tapfer alle kleinen Geschenke seiner Nachbarn entgegen.
Es waren hauptsächlich Präsentkorbe mit Essen, aber auch viele Einladungen, selbstgestrickte Pullover für die kalten Nächte und Hygieneartikel - als könnte ein erwachsener Mann Ende 20 nicht für sich selbst sorgen.
„Nicht lächeln!", zischte Josh ihm von der Seite zu.
Mark hatte gar nicht bemerkt, dass sich seine Mundwinkel nach oben gezogen hatten. Schnell unterdrückte er sein Grinsen.
„Wir hätten nicht bei Harvey mitfahren sollen. Wie sollen wir die ganzen Geschenke in nur einem Auto transportieren?", fragte Mark flüsternd und deutete mit dem Kopf auf die bereits vor der Trauerfeier abgegebenen Geschenke, die auf einem Tisch aufgestapelt worden waren.
Ein leichtes Lächeln stahl sich auf Joshs Lippen, für kaum jemand anderen als Mark erkennbar.
„Wir könnten es der Kirche spenden. Oder Mrs Lewis."
Mark drehte sich schnell mit dem Rücken zu den Trauernden, um sein Lachen zu unterdrücken.
Mrs Lewis, eine ältere, abgemagerte Witwe, die in der zweiten Reihe saß, warf ihnen einen strengen Blick zu, als hätte sie gehört, was Josh gesagt hatte.
„Oder den Bradleys. Bei so vielen Kindern brauchen die doch immer was zu essen. Außerdem würde ihnen etwas mehr Aufmerksamkeit bestimmt guttun - zur Stärkung des viel zu geringen Selbstbewusstseins", ergänzte Mark leise, mit vor Ironie triefender Stimme.
Als er aufblickte, sah er Joshs Schultern beben. Sein Kollege hatte sich ebenfalls mit dem Rücken zur Trauerfeier gedreht, sodass nur Mark erkennen konnte, dass sein Freund lachte.
„Josh, hör auf. Sonst fange ich auch an", drohte Mark und biss sich grinsend auf die Lippe.
„Tut mir leid, aber es ist einfach zu komisch, bei Neelas Beerdigung zu sein."
Jeder Außenstehende wäre über Joshs Worte entsetzt gewesen. Mark hingegen konnte ein Lachen nun kaum noch unterdrücken. „Meinst du, wir könnten Harvey kurz alleine lassen?"
Josh nickte. „Er hat doch Charlotte. Außerdem sieht er nicht so aus, als drohe ihm in nächster Zeit ein Lachanfall."
Obwohl ihnen klar war, dass ihr Entfernen nicht unbemerkt vonstattengehen würde, zogen sich die beiden Agenten bis hinter das Kirchengebäude zurück.
Als Mark sah, dass Josh sich bereits die Hand auf den Mund presste, öffnete er schnell eine Seitentür des Gebäudes und schob Josh hinein.
Es waren die Toilettenräume. Als die beiden sich anschauten, mussten sie anfangen zu lachen.
„Bloß nicht so laut." Josh japste unterdrückt nach Luft. „Was sollen die denn denken, wenn wir bei Neelas Beerdigung..." Alleine diese beiden Wörter brachten ihn erneut zum Lachen. Neelas Beerdigung. „...anfangen, zu lachen?", beendete Josh schließlich seinen Satz.
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It All Comes Back Again
Teen FictionDie plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu ermitteln, werden drei Geheimagenten in das kleine, amerikanische Dorf geschickt. Einer von ihnen ist Mark O'Ryan, dessen Familie zu den best...
