28 - Unrequited Love

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Vergangenheit

Taehyung POV

Die Zeit verging wie im Fluge. Klausuren kamen und gingen, neue Hassfächer kamen und blieben. Es wurde Sommer und die Ferien standen praktisch vor der Tür. Jimin, Jungkook und ich hatten nicht wirklich irgendwelche Pläne. Ach doch, Jimin würde mit seiner Familie in die Staaten reise, um dort Urlaub zu machen, seine reichen Eltern konnten sich sowas ja leisten. Und so kam es, dass Jungkook und ich uns seit Langem mal wieder alleine trafen.

Es waren bereits zwei Wochen der Ferien vergangen und ich hatte von der Sonne ähnlich wenig gesehen, wie sonst. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jungkook und ich uns verabredet hatten, um bei mir zuhause zu zocken. Statt zu zocken, hatten wir uns Eis gekauft und uns in den Park gesetzt, um es uns in der Sonne gut gehen zu lassen. Jungkook war so wie immer gewesen: Ausgelassen, fröhlich und gesprächig. Er gehörte wirklich zu der Sorte Mensch, die bei Fremden gar nicht aus ihrem Schneckenhaus rauskommt und in gewohnter Umgebung zur absoluten Labertasche mutierte.

Wenn es um Nerd-Krams ging, fanden meine Erzählungen zwar auch selten ein frühes Ende, doch heute wollten die Worte nicht so recht meinen Mund verlassen. Ich war nervös. Mir war heiß. Irgendwie kribbelte es in meinem Bauch und wenn ich in Jungkooks Augen sah, dann begann mein Herz in unbekannten Frequenzen zu schlagen. Er aß sein Eis und erzählte mir von seinem neuen Videospiel, redete davon, dass wir uns unbedingt zu dritt treffen müssten, um das mal gemeinsam zu spielen, doch mein Körper war so sehr damit beschäftigt, meinen Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen, dass ich am Ende des Tages nicht mal wusste, über was für ein Videospiel Jungkook den ganzen Vormittag geredet hatte.

Bis Jimin wieder aus seinem Urlaub zurückgekehrt war, verbrachten Jungkook und ich zahlreiche Tage zusammen. Manchmal setzten wir uns einfach auf mein Bett und zockten, bis spät in die Nacht und an anderen Tagen setzten wir uns nach draussen, um die Sonne zu genießen und maßlos Süßkram in uns hineinzustopfen. Jeder Tag war irgendwie anders gewesen und doch hat es keinen Tag gegeben, an dem ich die Zeit mit Jungkook nicht genossen habe.

Ich genoss es, in seiner Nähe zu sein und ihm dabei zuzuhören, wie er von seinem liebsten Manga schwärmte oder irgendein neues Videospiel kritisierte, bis er am Ende total wütend war. Ich mochte es, ihn lachen zu sehen. Zu sehen, wie seine strahlend weißen Zähne zum Vorschein kamen und das schönste Lächeln entblößten, was es für mich gab. Ich mochte es, neben ihm zu sitzen und seinen Geruch einzuatmen.

Ich fühlte mich wohl in seiner Nähe und das obwohl mein Magen sich in diesen Momenten gar nicht mehr einkriegen wollte. Immer, wenn er mich zur Begrüßung oder zum Abschied in die Arme schloss, wünschte ich, er würde mich einfach nicht mehr loslassen. Ganz im Gegenteil dazu wünschte ich mir, er würde mich festhalten, um mir noch länger nah zu sein. Denn von seiner Nähe konnte ich nicht genug bekommen.

***

Die Erkenntnis, dass ich mich in Jungkook verliebt hatte, kam schleichend. Es war nicht so, dass ich zu dumm war, die Anzeichen meines eigenen Körpers zu bemerken und sie richtig zu interpretieren. Es war nur eben so, dass es mich lange Zeit gekostet hatte, die Puzzleteile sinnvoll zusammenzusetzen und diesen Schluss zu ziehen. Doch kaum hatte diese Erkenntnis mein Bewusstsein erreicht, hatte sich ein unangenehmes Gefühl dazu gesellt, was mich traurig werden ließ, auch wenn es eigentlich keinen Grund dafür gab.

Wie dachte er über mich? Fühlte er vielleicht sogar etwas ähnliches, oder war ich für ihn nur ein ziemlich guter Freund, mit dem er sich halt gerne über seine Hobbys unterhielt?

Diese Gedanken schwirrten in meinem Kopf umher und ließen mir keine Ruhe. Ich überlegte lange, was ich tun sollte. Dachte darüber nach, ob ich es ihm sagen sollte und wenn ja, wie ich es ihm sagen sollte. Führte Pro- und Kontra-Listen zu diesem Thema und war am Ende eigentlich noch viel unsicherer diesbezüglich, als vorher. Ich war verwirrt, doch die Dinge liefen gut, bis zu diesem einen Tag, an dem alles kippen sollte.

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