22 - Now I am confused

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Hoseok POV

Dieser Tag war definitiv zu viel für mich gewesen. Alles begann damit, dass ich diesen Schönling im Bus getroffen habe, der mich zu allem Überfluss auch noch zugelabert hat und dann verfolgte er mich auch noch während des ganzen Tanztrainings, als wäre es das einzig logische Verhalten. Wollte Partnerübungen mit mir machen, stellte mir immer wieder Fragen. Fragen über Fragen.

Eins musste man ihm aber leider lassen: Er war hartnäckig und offensichtlich auch einfallsreich. Als wir aus dem Bus gestiegen waren, hatte ich versucht, ihn irgendwie abzuwimmeln. Ich hatte erst versucht, mein Gehtempo zu erhöhen und außerdem einen anderen Weg zur Turnhalle zu nehmen. Doch das interessierte ihn überhaupt gar nicht. Wie ein treuer Hund war er mir auf Schritt und Tritt gefolgt und ließ sich von meinen Ausweichmanövern gar nicht beirren.

Allein das hatte schon gereicht, um in mir eine Genervtheit wachsen zu lassen, die ich sonst recht gut unter Kontrolle hatte.

Einatmen, ausatmen. Einatmen und wieder ausatmen. Und das am besten in gleichmäßigem Tempo wiederholen und den Ärger im gleichen Atemzug aus meinem Körper schmeißen.

Das war mein Plan gewesen, doch leider war ich nicht erfolgreich gewesen.

Jungkook war nicht von meiner Seite gewichen und hatte es mir damit unmöglich gemacht, den Ärger wegzuatmen. Aber zugleich musste ich mir eingestehen, dass sein Verhalten dann doch nicht... Naja, es war nicht komplett scheiße gewesen. Und mit dieser Erkenntnis hatte die Wut wie von selbst meinen frustrierten Körper verlassen.

"Wow, der Tanzschritt sieht bei dir so gut aus!"

"Hoseok-hyung, kannst du mir den Schritt vielleicht nochmal zeigen?"

"Deine Hilfe würde mir sicherlich etwas bringen."

"Du bist echt ein Naturtalent."

Sätze dieser Art hatte er über die Zeit des Trainings verteilt immer wieder fallen lassen und ich konnte mich nicht dagegen wehren, dass sie eine Flamme der Zufriedenheit in mir entfachen konnten. Niemand hatte mir zuvor gesagt, dass ich talentiert war. Na gut, niemand außer Yoongi. Aber bei Jungkook war es anders, als bei Yoongi. Jungkook war vom Fach und konnte deshalb das Ganze etwas anders bewerten. Zudem war Yoongi mein bester Freund und auch wenn ich ihm mit keiner Silbe unterstellen wollte, dass er mir nur Komplimente machte, damit es mir besser ging, erzielten Jungkooks Komplimente eine völlig andere Wirkung, als Yoongis. Sie gaben mir das Gefühl, dass ich wirklich Talent hatte, dass mein unermüdliches Training etwas brachte. Dass die anderen mir nicht meilenweit im Vorraus waren. Dass ich in keiner Art und Weise zurück lag.

"Hoseok-hyung, was hältst du davon,wenn wir das Tanzprojekt zusammen bearbeiten?"

Auf diese Frage hatte ich ihm morgens im Bus keine Antwort gegeben. Ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte. Heute morgen war ich mir sicher, dass es für mich kaum einen schlimmeren Partner gäbe, als Jungkook. Ein perfekter Schönling, der talentiert und arrogant war. Ich war mir sicher gewesen, dass es wie eine Wanderung durch die Hölle für mein Selbstbewusstsein werden würde, doch als er mir die Frage nach dem Training in der Umkleide erneut gestellt hatte, war ich mir da gar nicht mehr so sicher gewesen.

Er wirkte auf mich gar nicht mehr so arrogant, wie ich ihn am Anfang eingeschätzt hatte. Er schaute nicht auf mich herab. Sah er mich vielleicht sogar als einen ebenbürtigen Trainingspartner?

Ohne weiter über die Vor- und Nachteile von 'Jungkook als Partner für das Tanzprojekt' nachzudenken, hatte ich stumm genickt. Seine weitere Nachfrage, ob wir jetzt wirklich zusammenarbeiten würden, hatte ich bejaht.

Auf meine Zusagen hin hatte er mir sein breitestes Lächeln präsentiert, bevor er sich von mir verabschiedet hatte.

Würde ich meine Entscheidung noch bereuen? Ich verspürte auch nach der unmenschlich stressigen Spätschicht im Café noch immer die Unsicherheit in mir. Sie rückte sich, wie so oft, immer wieder in den Vordergrund, indem sie mir einen flauen Magen bescherte, sobald ich einen Gedanken an das Thema verschwendete.

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