Taehyung POV
Ich öffnete die Wohnungstür und trat in den dunklen, stillen Flur. Namjoon war dieses Wochenende bei seinen Eltern zu Besuch und was bei Tomoya anstand, wusste ich nicht so genau. Zumindest machte die Wohnung einen recht verlassenen Eindruck, was mir gerade ganz gut in den Kram passte, da ich somit nicht erklären musste, wer Jungkook war und wieso er hier schlafen würde. Es war nicht so, dass ich irgendwie um Erlaubnis fragen musste, wenn ich wen mitbrachte, doch ich hatte schlichtweg keine Lust darauf, mich erklären zu müssen. Ich tastete die Wand nach dem Schalter ab, fand ihn und sorgte dafür, dass wir nicht mehr im Dunkeln hier rum standen. Dann zog ich mir Schuhe und Jacke aus und ließ beides an der Garderobe zurück, Jungkook tat es mir gleich und lächelte mich mit einem leicht glasigen Blick an, der mich irgendwie unruhig machte. "Komm mit, ich zeige dir das Zimmer", sagte ich tonlos und ging den hell erleuchteten Flur entlang, bis zur vorletzten Tür. Jins Zimmer lag direkt neben meinem. Ich öffnete die Tür und machte ebenfalls das Licht an. "Hier kannst du heute Abend schlafen. Das Bad ist direkt gegenüber. Ich lege dir gleich noch Handtücher raus", ratterte ich mechanisch runter und wartete, bis er das Zimmer betrat. Doch er machte keine Anstalten, den Raum zu betreten. Stattdessen musterte er mich weiterhin mit diesem komischen Blick und blieb wie angewurzelt neben mir stehen.
Scheinbar war er betrunkener, als ich es bereits erwartet hatte, zumindest ließ sein Verhalten mich das vermuten. "Also dann, gute Nacht", sagte ich mit unsicherer Stimme und wandte mich bereits zum Gehen ab, doch er packte erneut nach meinem Handgelenk und hielt mich fest. "Warte, Taehyungie", brachte er immernoch leicht lallend hervor. Ich versteifte mich unter seiner Berührung und drehte mich zu ihm um. "Können wir vielleicht noch ein bisschen reden?", fragte er schon fast ein wenig schüchtern und lockerte den Griff um mein Handgelenk zu meinem Pech leider nicht. "Ich... Ja, okay", begann ich unschlüssig und fixierte meinen Blick am Boden.
Ich betrat also zusammen mit ihm den Raum und setzte mich auf Jins Schreibtischstuhl, während Jungkook sich auf die Bettkante setzte. Er lehnte sich ein bisschen zurück und betrachtete die Deckenbeleuchtung für eine Weile, dann glitt sein Blick weiter durch den Raum, bis er an Jins Fotowand angelangt war. Seine Mundwinkel zogen sich nach oben und entblößten dabei seine schneeweißen Zähne. "Hier könnte ich nicht leben, die Ausrichtung der Bilder zueinander ist sehr ungünstig", sagte er schmunzelnd. "Und diese Deckenlampe hier erinnert mich an jene aus der Schule." Ich musste leer schlucken, der Gedanke mit der Lampe war mir selbst erst gestern Abend gekommen, dass er nun genau das Gleiche dachte bewirkte, dass ein kalter Schauer über meine Unterarme fuhr.
"Weißt du noch damals, Taehyungie? Als wir im Park das Eis gegessen haben? In den Sommerferien, als Jimin mit seinen Eltern im Urlaub war?"
Natürlich konnte ich mich noch daran erinnern, wie könnte ich es auch vergessen? Das war der Sommer, in dem wir viel Zeit zu zweit verbracht hatten, in dem wir uns näher gekommen waren und uns trotzdem viele Kilometer zu trennen schienen. Ich nickte stumm, denn kein Laut wollte meiner Kehle entweichen.
"Ich denke gerne an diese Zeit zurück. Nie zuvor habe ich mich so glücklich gefühlt, wie in dieser Zeit. Ich hatte euch beide, meine besten Freunde. Zusammen mit euch war jeder neue Tag noch ein bisschen schöner, als der vorherige Tag." Er schloss für einen Augenblick die Augen und legte sich auf das Bett. "Du warst für mich der beste Freund, den ich je hatte. Wahrscheinlich wirst du das auch bleiben", fügte er sanft, fast zerbrechlich hinzu und schlug seine Augen auf, um wieder an die Decke zu starren. Ich wusste nicht, warum er all diese Dinge zu mir sagte, doch ich wollte ihn irgendwie auch nicht bremsen. Zwar versetzte es mir einen Stich ins Herz, wie es sich zwischen uns entwickelt hatte, dennoch hielt ich diesen Abschnitt meines Lebens für den schönsten. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.
DU LIEST GERADE
Would You Rather
FanfictionPark Jimin, ein scheinbar normaler Student mit überdurchschnittlich guten Leistungen. Obwohl sein Leben von Erfolgserlebnissen erfüllt sein sollte, fehlt dem jungen Studenten ein Ziel im Leben und die Motivation etwas zu erreichen. Als er sich einem...
