Jimin POV
Ich erinnerte mich an den Tag, an dem ich Taehyung das erste Mal begegnet war. Es musste mittlerweile schon gut 15 Jahre her sein, doch die Erinnerung an den Tag, an dem ich meinen besten Freund kennenlernen sollte, war kein bisschen verblasst.
Ich hatte damals einen Kuchen gebacken, natürlich unter Anweisung meiner Mutter. Ich sollte ihn rüber zu den Nachbarn bringen, schließlich waren wir gerade erst in das Haus gezogen und da war es eben ein Zeichen der Höflichkeit, sich in der Nachbarschaft vorzustellen. Vorallem in der Gegend, in die wir gezogen waren, sie gehörte zweifelsohne zu den besseren Gegenden von Busan. Meine Mutter hatte mir außerdem gesagt, dass die Nachbarn wohl auch einen Sohn hatten, der zufälligerweise in meinem Alter war und dass ich doch mal mit ihm reden sollte, wir könnten ja möglicherweise Freunde werden.
Ich hatte das getan, was meine Mutter mir aufgetragen hatte und gegen meine Erwartungen, entpuppte sich der Nachbarsjunge als ein angenehmer Zeitgenosse. Ich hatte erwartet, dass es so werden würde, wie in den anderen Gegenden, in denen wir gelebt hatten, da es für mich keinen ersichtlichen Grund dafür gab, dass sich etwas ändern sollte. Zuvor war es immer das Gleiche gewesen: Entweder wollten die Kinder nicht mit mir spielen, weil ihre Eltern ihnen eingetrichtert hatten, dass ich aus einer Schnöselfamilie kam, oder sie kamen aus einem noch besseren Hintergrund und wollten sich nicht mit mir abgeben. In ersterem Fall gaben die Kinder sich freundlich, doch sie wollten keine wahre Freundschaft, sie taten das nur, weil ihre Eltern sie dazu zwangen, sich gut mit mir zu stellen, aus Angst, der Einfluss meiner Familie könnte ihnen eines Tages zum Verhängnis werden. In letzterem Fall gaben sich die Kinder einfach kalt und ignorierten mich, wenn sie mir auf der Straße begegneten. Tatsächlich war mir letztere Variante sogar lieber, denn kaum etwas war schlimmer, als eine vorgegaukelte Freundschaft.
Doch mit Taehyung war es anders gewesen, er hatte nie etwas darum gegeben, aus was für einem Hintergrund ich kam. Tatsächlich waren auch seine Eltern nicht gerade arm gewesen, doch im Gegensatz zu meiner Familie hatten die Kims nur in diesem riesigen Haus gewohnt, da es über Generationen hinweg schon im Besitz der Familie war.
Taehyung war jedenfalls mein erster, richtiger Freund gewesen, jemand, der ehrlich zu mir war und auch mal mit mir diskutierte, ungeachtet irgendeines sozialen Hintergrundes. So gingen die Jahre ins Land, doch unsere Freundschaft hielt an, obwohl es sich nicht unbedingt um eine Freundschaft handelte, von der man das erwarten würde. Zugegebenermaßen war es eine Freundschaft die nach dem Prinzip der sich anziehenden Gegensätze funktionierte, denn die involvierten Personen - Taehyung und ich - hätten unterschiedlicher nicht sein können.
Irgendwann kam der Tag, an dem es darum ging, sich für die Aufnahmeprüfungen an den Oberschulen anzumelden. Natürlich wollten wir die gleiche Oberschule besuchen, nachdem wir bis zum Ende der Mittelschule gemeinsam die Schulbank gedrückt hatten, zogen wir gar nicht erst in Erwägung, dass es dazu kommen könnte, dass wir von diesem Punkt an getrennte Wege gehen müssten.
Doch meine Eltern machten mir einen Strich durch die Rechnung, wie so oft wollten sie, dass ihr Kind nur das beste vom Besten bekam, nur dass sie eine andere Auffassung davon hatten, was nun das Beste für mich war, als ich. Sie wollten, dass ich auf die Oberschule ging, die für die Region den besten Ruf hatte, doch diese Oberschule war nicht die gleiche, die Taehyung plante zu besuchen.
Es hatte mich genervt, dass meine Eltern immer und überall eine Sonderbehandlung für ihr Kind wünschten, rückblickend betrachtet grenzte es schon an ein Wunder, dass ich einen gewöhnlichen Kindergarten hatte besuchen dürfen.
Mein Vater hatte es über die Jahre hinweg geschafft, sich in seiner Firma hoch zu arbeiten. Zwar war dies mit dem ein oder anderen Umzug in meiner frühen Kindheit einher gegangen, doch darauf wurde keine Rücksicht genommen. Zumindest hatten wir seit wir neben den Kims eingezogen waren nicht mehr den Wohnsitz gewechselt, doch im Gegenzug hatte sich das Thema des sozialen Standes in meiner Familie in eine Richtung entwickelt, die mir ganz und gar nicht gefiel. Die Diskussionen darüber, auf welche Oberschule ich nun zu gehen hatte und was für eine Zukunft ich überhaupt anstrebte, wollten nicht vorüber gehen. Am liebsten wäre es meinen Eltern natürlich auch gewesen, wenn ich die Position meines Vaters anstreben würde, quasi sein Nachfolger wurde, wenn er gedachte sich zur Ruhe zu setzen. Doch da würde ich nicht mitmachen, wie die Zukunft zeigen sollte. Mit dem Plan Chemie zu studieren ging ich bewusst gegen die Vorstellungen, die meine Eltern von meiner Zukunft hatten an.
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Would You Rather
FanficPark Jimin, ein scheinbar normaler Student mit überdurchschnittlich guten Leistungen. Obwohl sein Leben von Erfolgserlebnissen erfüllt sein sollte, fehlt dem jungen Studenten ein Ziel im Leben und die Motivation etwas zu erreichen. Als er sich einem...
