60 - Home is where your heart is

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Hoseok POV

Ich wusste sofort, dass etwas passiert war.

Als Jimin durch die Eingangstür getreten war, hatte sich sein verletzter Ausdruck quasi in mir fest gebrannt. Mit einem Mal wusste ich, dass es nicht gut gelaufen war und um mir dessen sicher zu sein genügte sein trauriges Lächeln, welches er mir entgegenbrachte absolut.

Als es an der Tür geklingelt hatte war ich es gewesen, der die Treppen heruntergehastet war, um die Tür zu öffnen und meinen Freund damit in Empfang zu nehmen. Während Yoongi und Taehyung oben in Taehyungs altem Kinderzimmer saßen und sich mit Androiden aus Detroit auseinandersetzten, lag es an mir, mich um Jimin zu kümmern. Wie angewurzelt stand er im Flur vor mir und machte keine Anstalten, seinen Mantel oder seine Schuhe loszuwerden. Stattdessen blickte er stumm die Wand, die vor ihm lag an und die Apathie, die in seinem Blick lag alarmierte mich. Das Treffen mit seinen Eltern schien um Welten schlimmer gewesen zu sein, als er es zuvor erwartet hatte und je länger der Moment wurde, in dem Jimin in seiner Apathie gefangen zu sein schien, desto nervöser wurde ich. Irgendwas musste ich tun, verdammt! Es lag nun an mir dafür zu sorgen, dass es Jimin möglichst schnell wieder besser ging, es lag an mir, mich meinen Worten entsprechend zu verhalten, Taten folgen zu lassen mit denen ich ihm zeigte, dass egal was auch geschehen mochte, es am Ende immer einen Weg gab, der einen aus dem Schlamassel rausbringen konnte.

Ich griff nach seiner Hand und ließ meine Finger zwischen seine gleiten. Mit meiner anderen Hand griff ich an ihm vorbei nach dem Schal, den ich an der Garderobe aufgehängt hatte und wickelte ihn mir locker um den Hals, was wahrscheinlich alles andere als elegant ausgesehen haben musste, doch das war mir gerade nicht besonders wichtig.

"Was hältst du davon, wenn wir eine Runde spazieren gehen?"

Sein Blick löste sich endlich von der Wand und heftete sich für einen Augenblick an meinen Augen fest, doch als würde eine höhere Instanz über seine Taten entscheiden, löste sich sein Blick auch schon wieder von mir und fixierte wieder ein nicht existentes Objekt irgendwo an der Wand.

Ich biss mir auf die Unterlippe. Das lief überhaupt nicht gut und das dem so war sorgte dafür, dass ich mir wie ein Haufen nutzloser Unbeholfenheit vorkam. Es frustrierte mich für einen Augenblick der lange genug währte, um ein bitteres Gefühl in meiner Magengegend heraufzubeschwören. Jimin wusste immer mir zu helfen, wenn ich ihn brauchte und ich war nicht einmal in der Lage, ihn aus seiner Apathie zu befreien?! Doch irgendwas in mir trieb mich dazu, nicht gleich aufzugeben, sondern hartnäckig zu bleiben. So schnell wollte ich nicht aufgeben; nicht wenn es um Jimin ging.

Ich ließ ihn also los, um mir meinen Mantel anzuziehen und im nächsten Moment schon wieder nach seiner Hand zu greifen, nur um ihn wenige Sekunden später sachte hinter mir her in Richtung der Eingangstür zu ziehen.

"Vielleicht haben wir ja Glück und es fängt an zu schneien", fügte ich mit bemüht heiterer Stimme hinzu und drehte den eisernen Türknauf, woraufhin uns prompt die beißende Kälte entgegentrat.

***

Der Schnee blieb aus doch ich schaffte es zumindest, Jimin ein wenig aufzuheitern.

Die Kälte gab mir am Anfang unseres Spaziergangs das Gefühl, zu einem Eiszapfen mutieren zu müssen und auch meine warme Kleidung konnte daran nichts ändern, doch mit der Zeit wurde mir wärmer - die Bewegung sorgte dafür - und als wir nach zwanzig Minuten des ziellosen Umherlaufens die Küste erreicht hatten, schien sich neben der Kälte auch ein Teil von Jimins Apathie aufgelöst zu haben.

"Möchtest du drüber reden?", fragte ich ihn leise, woraufhin er kaum merklich nickte. Zunächst schwieg er weiterhin, er sah nachdenklich aus, als würde er sich die Worte, die seinen Mund verlassen sollten sorgfältig zurecht legen, doch schließlich brach er dann mit einem erschöpften Seufzen das Schweigen.

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