Kapitel {{19}}

3.2K 151 1
                                        

POV.: Yoongi

Mittlerweile waren knapp 2 Wochen hier vergangen. Und genau Heute war der Tag. Der Tag an dem mich jedes Jahr aufs neue die Vergangenheit einholte. Durch all die Geschehnisse der letzten Tage und der Planung des Diebstahls hatte ich diesen Tag schon fast vergessen.Wie gelähmt saß ich auf der Bettkante und starrte die weiße Wand vor mir an. Auf meinem Schoß das Kochbuch meiner Mutter.

Ich merkte erst das ich nicht alleine im Raum war, als sich die Matratze neben mir senkte und ich in das traurige Gesicht von Jungkook sah. Ohne Worte umarmten wir uns, während er anfing zu weinen. Nach einiger Zeit die wir so verweilten, lösten wir uns voneinander. Ich zog mir noch neue Klamotten an, was Jungkook schon getan hatte bevor er herkam.

Wir schleppten uns ins Wohnzimmer. Jin und Hoseok, die auch wach waren, sahen uns verwirrt an. Wir beide lehnten Jins Frühstück ab, was ihn noch mehr verwunderte. „Wir gehen ein wenig raus", verkündete ich monoton, worauf Jin nur langsam nickte.

Langsam liefen wir die Straßen entlang. Wir hatte noch ein ganzes Stück zu laufen, da wir nicht mehr viel Geld hatte und dieses nicht für eine Fahrkarte ausgeben wollten. Da wir aber bei unserem Glück sowieso kontrolliert werden würden, ließen wir es lieber gleich bleiben und liefen einfach.

Nach einer Stunde in der wir wortlos gelaufen waren und es sogar ein wenig angefangen hatte zu regnen, standen wir nun vor dem Eingang des Friedhofs. Mit den überteuerten Blumen in der Hand, die wir zuvor in einem Blumenladen gekauft hatten, liefen wir den Weg der zu den Gräbern unserer Eltern führte. Und da standen wir nun. Traurig sahen wir auf die direkt nebeneinander liegenden Gräber. Vorsichtig teilte ich den Blumenstrauß in zwei und legte jeweils die Hälfte auf ein Grab, ehe wir uns auf den Boden vor den Gräbern setzten.

Fast sofort fing Jungkook an zu weinen. Er war noch ziemlich jung als unsere Eltern starben, war aber alt genug gewesen um alles mitzubekommen und sich an jedes Detail des Unfalls zu erinnern. Wir beide saßen an diesem Tag ebenfalls im Auto. Ich nahm Jungkook fest in den Arm und streichelte wieder durch seine Haare. Auch mir liefen stumm Tränen über die Wangen.

„Wir vermissen euch so schrecklich. Es ist schon ganze 8 Jahre her aber ich kann es nicht vergessen und auch nicht abschließen", schniefte Jungkook und wischte sich die Tränen, die mittlerweile über seine Wangen liefen, weg. „Wisst ihr.. in letzter Zeit hat sich so viel verändert. Ich habe keinen Job mehr, wir wohnen jetzt woanders und wir haben ein paar neue Freunde gefunden bei denen wir jetzt wohnen", erzählte ich. Kurz nach ihrem Tod haben Jungkook und ich beschlossen ihnen immer wieder alles aus unserem Leben zu erzählen, weil sie ja nun nicht mehr da wären es selbst zu sehen.

„Ja. Ich glaube Yoongi mag Jimin am liebsten", kicherte Jungkook. „Was wie kommst du denn darauf?!", rief ich, was Jungkook nur noch mehr zum Lachen brachte. „Hast du mal bemerkt wie du ihn ansiehst?", lachte Jungkook weiter, worauf ich anfing fies zu grinsen. „Ach ja? Und was ist mir Taehyung?", fragte ich worauf Jungkook sofort aufhörte zu lachen, rot wurde und den Blick beschämt auf den Boden richtete. „Da ist doch gar nichts." „Aha", erwiderte ich nur.

„Yoongi?" „Ja?" „Weißt du noch als ich versucht habe Basketball zu spielen, so wie du und Dad?", fragte er worauf ich leicht schmunzeln musste. „Ja. Im Haus. Du hast Mums Lieblingsvase mit dem Ball getroffen und kaputt gemacht. Aber Mum war Dir nie sauer. Ich glaube du hättest ganz Korea in die Luft jagen können und sie wäre dir niemals sauer", sage ich worauf Jungkook lachte. „Oder als ich das erste mal mit Mum gekocht habe?", fragte ich worauf Jungkook nur noch mehr lachte. „Du hast das Essen erst verbrannt und dann den noch essbaren Teil total versalzen!" „Ja ja tut mir ja leid", lachte ich. „Wie lange willst du mir das noch unter die Nase reiben?" „So lange bis es nicht mehr lustig ist", erklärte er schulterzuckend. „Du wirst mir das bis zum Ende meines Lebens vorhalten?" „Ganz genau."

Ich wusste nicht wie lange wir vor ihren Gräbern saßen und einfach in Erinnerungen schwelgten, aber als wir und wieder einigermaßen gefangen hatten und die Tränen auf unseren Wangen getrocknet waren, dämmerte es bereits. Wir hatten nicht bedacht dass wir die Stunden die wir hergelaufen waren auch zurücklaufen mussten. Müde und erschöpft erhob ich mich von meinen mittlerweile schmerzenden Knien, stellte mich auf meine wackeligen Beine und zog Jungkook auch mit hoch. „Tut mir leid wir müssen wieder los. Aber wir kommen euch bald wieder besuchen. Wir haben euch lieb", verabschiedeten wir uns und begannen den Weg zurückzulaufen den wir gekommen waren.

Gerade als wir vor der Tür des Hauses standen blieb ich stehen. „Was ist los Hyung?", fragte Jungkook besorgt. „Ich bleibe noch ein wenig draußen. Nur frische Luft schnappen mach dir keine Sorgen." Damit nickte Jungkook und ging nach oben. Er wusste, das ich manchmal einfach Ruhe brauchte.

In dem nahegelegenen Park setzte ich mich auf eine der Parkbänke. Dass es kalt war ignorierte ich. Gemütlich lehnte ich mich an. Ich war von diesem Tag schrecklich erschöpft und wollte nur noch Ruhe. Ich legte meinen Kopf in den Nacken und schaute in die Baumkronen und die dahinter leuchtenden Sterne. Irgendwann wand ich meinen Blick wieder ab und beobachtete die Leere die im Park herrschte. Ich verweilte noch einige Minuten so und merkte garnicht wie ich langsam vor Erschöpfung einschlief.

~921 Wörter

Criminal Mistake [Yoonmin]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt