P.o.V. Grell
Ich weitete meine Augen, war starr.
Tausend Gedanken flogen mir durch den Kopf, keinen einzigen konnte ich fassen - nur das Gefühl der Wärme auf meinen Lippen blieb.
Die Hand welche meine Schulter umgriff, die andere die langsam den Weg zu meiner Hüfte suchte.
Jetzt regte ich mich auch, langsam.
Von allein, ohne Kontrolle ließ ich mich darauf ein, vertraute ihm.
Dem Grauhaarigen, verführerischen Idiotien.
Wobei, vielleicht war ich auch gerade der Idiot.
Die Röte zierte meine Wangen, hörte gar nicht auf, dachte nicht mal daran.
Zögerlich und vorsichtig legte ich meine Fingerspitzen an seine Seite, unsicher und überfordert mit der ganzen Situation - und er lächelte in den Kuss rein.
Ich lehnte mich näher an ihn, ließ mich in seine Zuneigung fallen, wollte an nichts anderes mehr denken.
Wir lösten uns, schnappten nach Luft und sahen uns an.
Ein Gedanke von mir war, dass dieser Moment bitte nie aufhören soll - der andere schrie mich an, was tue ich da ?
Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte fing er wieder an, meine Unsicherheit nahm zu.
„Adrian.. ich weiß nicht.."
Hauchte ich zwischen unseren Liebeleien, ambivalent zwischen wegdrücken und..lieben.
Er stoppte.
„Sollen wir aufhören?"
Zögernd -
„Ich weiß nicht.."
Stotterte ich, wusste nicht..
„Ich.."
Er legte eine Hand auf meine Wange, ich schaute weg.
„Ich.."
Meine Stimme wurde immer verzweifelter.
Ach, was soll's..!
Ich drückte mich an ihn.
P.o.V. Undertaker
Überrascht schmunzelte ich, erwiderte seine Bewegungen.
Umschloss ihn, spürte die Wärme, zeigte meine.. meine Liebe für ihn.
Entgegnete seine Unsicherheit mit Zuversicht - was weiß ich, ob wir das in 10 Minuten bereuen würden ?
Wir waren schließlich hier, und nicht in 10 Minuten.
Nach einiger Zeit lösten wir uns, am liebsten wäre ich eine Ewigkeit so verharrt.
Es fing an zu regnen.
Zu Schauern.
Ziemlich stark.
Ohne Worte fingen wir beide an aufzuräumen.
Ein „oh Gott oh Gott" oder ähnliches Geräusch entwich seinen Lippen, die Röte konnte man trotz des Wasser gut erkennen.
Wir gingen in die Küche, legten alles ab.
Immer noch unter Schock, vom Regen und vom.. Anderen, stand er reglos an der Theke.
Ich wandte mich zu ihm.
„Sag einfach gar nichts.."
Murmelte er, voller Scham und Bedauern.
..was mir einen kleinen Stich ins Herz gab.
Auch wenn ich wusste wie er es meinte.
„Grell, es ist doch alles okay. Die Welt ist nicht zusammengebrochen."
Er drückte seine Lippen zusammen.
„Tu einfach so als wäre das nie passiert."
„Du weißt, dass das nicht funktioniert."
Seine Hände umklammerten die Decke, welche er mitgenommen hatte und nun auf dem Tresen lag.
„Gefühle zu zeigen sind schwer, besonders für dich - aber es ist doch nichts passiert, oder?"
Er presste Zähne zusammen, schaute leicht weg.
„Grell.."
Ich ging einen Schritt auf ihn zu.
„Ich mag dich gern - wirklich, wirklich gern."
Der Blick senkte sich.
Die nassen Strähnen tropften über seine Schläfen.
Er machte keinen Anschein das zu ändern.
„Ich weiß nicht ob ich das kann.. Ich möchte.. ich möchte so gern - natürlich. Aber.. vielleicht entsteht das ganze auch nur aus Verzweiflung."
Sprach er leise.
„Es ist okay, dass du unsicher bist-"
Ich trat noch einen Schritt nach vorne, legte eine Hand auf seine Schulter, lehnte mich zu ihm nach unten.
Er schluckte.
„Ich werde dich zu nichts zwingen. Du sollst aber wissen, das egal wie es verlaufen wird, es okay ist."
Er bewegte sich nicht.
Natürlich bevorzuge ich eine Entscheidung, aber wenn er sich nicht wohl fühlt, werde ich ihm nichts aufdrücken.
Er ballte eine Faust.
„..darf ich ins Zimmer?"
Ich atmete aus, nickte dann.
„Klar."
Er lief raus.
Ich verharrte noch einige Zeit in meiner Position.
Ich wollte es nicht bereuen.
Ich wollte den Moment nicht ungeschehen machen.
Aber vielleicht sollte ich es.
Weg von allen Gedanken räumte ich die Küche auf.
P.o.V. Grell
Mein Atem wurde schneller.
Bauch und Beine brannten
von den Squats, Sit-Ups, Burpees.
Ich wollte nichts mehr fühlen.
Wütend - wütend auf mich selbst konnte ich nicht mehr aufhören, spornte mich nur weiter an, mehr zu machen.
Verdammte Scheisse!
Bedrückt von allen Gefühlen, den Reizen ausgeliefert und überschwemmt von Gedanken probierte ich sie alle zu vernichten.
Ich will nichts fühlen.
Nicht gerade.
Nicht jetzt.
Alles weg - ich habe die Kontrolle.
Ich habe die verfluchte Kontrolle!
Der Schmerz in den Gliedern, das Reißen der Muskel, das Brennen des Körpers - sonst war da nichts.
Das brauche ich.
Mehr brauche ich nicht!
Meine Stirn mit Schweiß geprägt keuchte ich nach Luft und drückte mich an den Knien ab.
Hörte nicht auf weiterzumachen.
Bei der siebten Wiederholung hatte ich das Gefühl zu sterben.
Und es fühlte sich gut an.
Ich taumelte zum Bad.
Ohne Kraft ging ich in die Dusche, musste mich an die Wand lehnen und ließ das Wasser meine Haut runterfließen.
P.o.V. Undertaker
Ich saß am Wohnzimmertisch.
Bewegte mich seit 1 1/2 Stunden nicht davon.
Scrollte durch mein Handy, sah mir belanglose Dinge an, auf belanglosen Websiten.
Mit den Gedanken nie woanders als bei Grell.
Ich hörte die Dusche angehen und ging nach oben.
Klopfte.
„Ist alles okay?"
Rief ich.
„Ja."
Hörte ich nach einiger Zeit zurück.
„20 Minuten."
Ich wartete.
„Okay."
Die Spätmahlzeit ist sowieso im Verzug.
Aber das war jetzt nicht das Hauptaugenmerk.
Ich ging wieder nach unten.
Wir würden darüber sprechen.
Natürlich.
Ich wollte es auch so.
Er möchte es wahrscheinlich vermeiden - zumindest sagt er sich das.
Ich seufzte.
Wieder fand ich mich am selben Tisch, auf dem selben Stuhl, auf der selben Website.
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A Way To Escape
FanfictionTrigger Warning : Essstörung. Anorexie und Grell - zwei sich Suchende finden sich. Der Rotschopf wusste keinen Ausweg mehr, er hat keine andere Strategie, keinen anderen Bewältigungsmechanismus je gelernt, als Kontrolle. Es fällt ihm alles durch...
