Chapter 12

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P.o.V. Undertaker

Ich seufzte.
Über eine Stunde Arbeit und nicht mal ein Viertel fertig.. dabei sind das nur die Vorbereitungen.
Das Frühstück ist zum Glück fertig - zwei Roggenbrötchen mit Käse und Frischkäse, sowie zwei gekochte Eier, etwas Gemüse und einem Kaffee für ihn.
Frischkäse und Käse ist bisher das Einzige wo er sich ran traut.
Ich ging ins Wohnzimmer und öffnete die Gardinen.
Er brummte als Antwort, drehte sich auf die andere Seite und ich lachte.
„Guten Moorgen."
Ich setzte mich neben ihn und zupfte an seiner Kapuze, welche er immer noch auf hatte.
„Machst du dich fertig? Das Frühstück ist schon vorbereitet."
Er seufzte und drückte sein Gesicht ins Kissen.
„Die Eier kochen noch, also hast du ein bisschen Zeit."
Ich stand auf und rieb mit die Augen.
„Außerdem wird dein Kaffee kalt."
Jetzt seufzte er mich lauter und schwang sich nach oben.
„Ich hasse dich."
Murmelte er und streckte sich mit zugekniffenen Augen, seine Kapuze fiel runter.
Ich lächelte bei dem Anblick.
Er schleifte sich runter vom Sofa und schlenderte hoch zu seinem Zimmer.
Ich machte den letzten Schliff beim Frühstück und kurz danach kam Grell auch schon.
Er hatte eine schwarz-rot karierte Bluse an, die Ärmel gingen ihm bis zu den Ellenbogen - darunter ein weißes dünnes Hemd um die Unterarme auch zu bedecken.
Eine schwarze High Waist Hose mit weißem Gürtel, die Bluse war vorne reingesteckt.
„Guten morgen."
Sagte er Dreiviertel wach.
Ich lachte - oh Gott er ist so süß.
Nett.
Ich meinte nett.
Kurz ging ich noch mal nach oben, war dann aber auch schnell fertig.

Das Frühstück beendeten wir nach circa einer Stunde - nach hin und her und warum denn zwei Eier oder warum nicht drei Frischkäse statt zwei und was ist denn eigentlich mit Weizenbrötchen trallala.
Aber er hat aufgegessen.
„Ich muss jetzt wieder arbeiten."
Er stellte seinen Teller weg.
„Und ich geh spazieren."
Ich schaute ihn skeptisch an.
„Du läufst heute den ganzen Tag noch rum."
„Ja, und deshalb muss ich mich mental darauf vorbereiten, mit Sebastian (!) den ganzen Tag was zu machen."
Ich seufzte wähnten der die Spülmaschine anstellt.
„Um 5 vor 10 Uhr bist du aller spätestens wieder hier, Zwischenmahlzeit."
„Natüürlich - deswegen mach ich mich jetzt schnell fertig."
Er winkte mir zu und ging dann hoch in sein Zimmer.
Ich seufzte noch mal und setzte mich halb auf den Tisch.
Ob das so eine gute Idee ist.. ich kann ihn aber auch nicht komplett Zeit fest halten..
„Undertaker!!"
Etwas erschrocken lief ich nach oben, ich glaube ich wusste schon worum es ging.
Ich sah ihn mit verschränkten vor im Flur stehen.
„Warum sind die Bäder abgeschlossen?"
Also lag ich richtig.
„Warum denkst du wohl?"
Es war keine Frage.
„Mein Gott ich mach ja nichts."
Er starrte mich wütend an.
„Dann muss es dich ja auch nicht stören."
Ich setzte gerade wieder an um nach unten zu laufen.
„Und wenn ich auf Toilette muss?"
„Dann steh ich vor der Tür und pass darauf auf, dass du nichts Dummes anstellst."
„Lächerlich."
Zischte er und ging in sein Zimmer um sich noch eine Jacke zu holen.
Anscheinend musste er doch nicht auf die Toilette.
„Ich schließe sie wieder auf wenn da da bist."
Rief ich noch und ging schon mal runter.
Er folgte kurz darauf, schnappte sich noch einen Mantel - hatte schon einen Kopfhörer im Ohr.
„Ciao ciao."
Sagte er und winkte mir zu.
„Ja, bis später."
Lächelte ich zurück und er schloss die Tür.

P.o.V. Grell

Zumindest kann ich durchs Spazieren etwas verbrennen - mit guter Musik sogar noch besser, Bruch Violinenkonzert No.1, Sinfonieorchester.
10000 Schritte werden heute sowieso drinnen sein.
Ich habe kein gutes Gefühl heute, ich glaube William kommt mit einem neuen Stufenplan.
Oder eher gesagt Konsequenzen.
Er kommt immer mit einem neuen Plan, abgestimmt der Werte - Ich weiß aber nicht wie viel ich nach heute noch machen darf.
Ich rieb mir die Innenfläche meiner rechten Hand.
Heute das Mittagessen..
Und warum zum Teufel gibt Adrian so viel Geld für mich aus, dieser Idiot.
Ich fühle mich so voll - und dabei ist gleich schon wieder Zwischenmahlzeit.
Oh Gott - wann sollen wir denn die Zimtschnecken machen..?!
Wehe William kommt schon um halb 4 Uhr oder so - ich werde ihm einfach nicht die Tür auf machen.
Ich seufzte - ich bin beim Automaten angekommen, mein Zwischenziel.
Das andere Ziel liegt darin, rumzulaufen.
Ich warf die Münzen rein und bekam einen schwarzen heißen Kaffe heraus, vielen Dank.
Mit dem Papierbecher in der Hand lief ich die Straßen weiter entlang, fror mir bei 18 Grad alles ab und wippte im Takt zur Musik.
Ich hatte die Kapuze meiner ersten Jacke auf, weitaus bequemer.
Und wärmer.
Und dann mussten nicht alle Leute mein Gesicht sehen - Bonuspunkt für jeden.
Die Zeit ging schneller um als erwartet, und als ich das nächste Mal auf die Uhr sah musste ich auch schon wieder umdrehen.
Undertaker würde mich umbringen wenn ich zu spät komme - was ich jetzt nicht so schlimm finden würde - aber ich möchte mir auch nicht meine Spaziergänge verscherzen.
Angekommen setzte ich die Kapuze ab und öffnete meinen Mantel.
„Hallo!"
Rief ich laut und rannte dann die Treppen hoch zur Küche, um die Zwischenmahlzeit vorzubereiten.
Ich wollte nicht extra zu Undertaker gehen - er musste ja nur wissen, dass ich wieder da bin.
Meine Strickjacke legte ich über einen Stuhl.
Apfel-Zimt Joghurt von Alpro, leider nicht ungesüßt, mit noch tausend anderen Früchten und Cornflakes - ungesüßt, ich bin ja nicht verrückt.
Die gehen irgendwie leichter als Haferflocken - aber die Schnecken auch viel besser als Haferflocken.
Vor allem wenn die sich so im Joghurt aufweichen - wer anderer Meinung ist, liegt halt einfach falsch.
Langsam kann ich Joghurt nicht mehr sehen.
„Vorbereiten ohne mich? Das fand ich gestern schon nicht so glücklich."
„Oh buhuhu, da muss sich wohl wer beeilen."
„Grell ich meine es ernst, du machst das jetzt nicht mehr im Alleingang."
Ich salutierte ohne meinen Blick vom Brett zu entfernen, auf welchem ich gerade Erdbeeren schnitt.
„Na klar."
Sagte ich dann.
Natürlich hatte ich weniger Cornflakes reingetan als ich sollte, und natürlich auch weniger Früchte - zumindest bisher.
Wenn er natürlich neben mir steht kann ich es ja nicht machen. 
Er holte sich meinen Essplan, ein dünner durchsichtiger Plastikordner - dort waren nur die zu erreichenden Kalorien und Zwischenmahlzeiten aufgeschrieben.
Auch wenn ich glaube, dass es sich heute verschärfen wird.
Ich nahm einen Schluck von meinem Becher.
„Noch einen Kaffee?"
„Was hast du denn erwartet?"
Er kicherte.
Als ich fertig mit dem Vorbereiten unter seiner Aufsicht war, stellte ich die Schale auf den Tisch und trank den Rest meines semi-heißen Getränk mit einem Schluck auf.
„Komm davor bitte noch ein mal mit - wir Wiegen."
Ich verzog meine Augenbrauen verwirrt.
„Was ? Wieso das denn - ich habe dich schon gefrühstückt und was getrunken, das Ergebnis ist verfälscht."
„Nur ungefähr - ich ziehe Getränke ab, Essen auch - Auf Toilette warst du ja noch nicht."
In Unwohlsein und ‚Angst' verzog ich meine Mundwinkel.
Ich kann jetzt keine Liter Wasser davor trinken.
Ich kann jetzt gar nichts davor trinken.
Er hat doch sowieso bemerkt, dass ich beim letzten Wiegen was davor getrunken habe - das sieht man ja.
Ich folgte ihm in sein Zimmer und atmete tief ein und aus.
Scheisse.
Ich zog meine Sachen aus und er stellte die Waage vor mich.
Als ich mich daraufstellte schaute ich gespannter auf den Bildschirm als er, wie immer eigentlich.
Ich probierte meine Mimik nicht zu verändern.
-3.9 kg.
Also - wenn man vom letzten Ergebnis ausgeht, was ja um 1.7 kg verfälscht war.
Also zusätzlich der -1.7 kg noch mal -2.2 kg.
Und das ohne Abzug des Essens.
Ich stieg ab und zog wortlos meine Sachen wieder an, während Adrian sich umdrehte.
Schnell lief ich in die Küche und setzte mich an den Tisch.
Er dann gegenüber von mir, mit Notizblock und Stift, stützte seinen Kopf mit der Hand ab.
„Das sieht nicht gut aus, Grell."
Ich tunkte meinen Teelöffel in den Jogurt.
„Ich esse ja."
Er schaute mich an.
„Sehr witzig."

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