Kapitel 10
Melody
Sie hätte sich nur allzu gerne wieder ein Duell mit Elija geworfen. Aber leider wurde ihr von Stunde zu Stunde mehr bewusst, wie viel der neue Job sie an Zeit kosten würde, wenn sie auch nur wollte, dass alles so lief wie vor Biancas Ruhestand. David/Igor hatte nicht gerade einen guten Handlangerjob gemacht – Naja zumindest nicht in den Bereichen, mit denen sie tatsächlich ärger hatte. Es lagen bereits einige Kündigungen unter einem Stapel von Beschwerdebriefen von Kunden. Das E-Mail-Fach war voll. Im Allgemeinen ging es immer um dasselbe: Sie beschwerten sich über die Motto-Etagen, fühlten sich bevormundet und auch einige Verurteilt in ihrer sexuellen Freizügigkeit. Für einen Club wie dem Noir war das ein denkbar schlechtes Zeichen.
Aber sie hatte Glück. Lyssa hatte doch noch ganze Arbeit geleistet und als der Club kurz vor Mitternacht dann doch langsam voll wurde waren viele Erleichtert, dass sie wieder da war. So sehr, dass einige sogar ihre Kündigungen zurückgezogen hatten, bevor sie überhaupt mit den Leuten geredet hatte. Das war gut und fühlte sich unfassbar gut an. So sehr, dass Melody es sich erlaubte eine Weile in dem Gefühl zu schweben, bevor sie sich weitere Beschwerden von Kunden anhörte, die sie direkt im Büro anriefen. Da sie wieder da war und die meisten das als gutes Zeichen sahen, ließen auch diese sich wieder nach einigen Nachlässen auf Getränke und kostenlose Privatzimmer für ein paar Monate wieder gut stimmen.
Erst dann schaffte sie es wieder hinaus aus dem Büro.
Im vierten Höllenkreis, dem Eingangsbereich, machte sie sich auf den nächsten Kampf gefasst. Einen den sie gerne austrug, denn dieser Konflikt herrschte bereits so lange wie das Noir existierte: Lieferanten Probleme. Beschädigte Flaschen, zu spät kommende Lieferungen, falsche Lieferungen, fehlende Positionen auf den Rechnungen und alles andere was tatsächlich zum Tagesgeschäft zählte. Aber zu ihrer Überraschung war hinten am Lieferanteneingang alles ruhig und die beiden Männer, die dafür eingestellt waren die Getränkekisten von A nach B zu tragen, waren schon fast fertig damit alles in die Vorratsräume der unteren Höllenkreise zu verteilen.
„Wow, hatte Mr Kobeck Valium zum Frühstück?", fragte sie und wandte sich an die Frau, die in Melodys Abwesenheit die Bestellungen aufgegeben hatte. Trischa hieß sie und war eigentlich eine Bardame in den unteren Etagen. Diese schüttelte mit ihren wirklich hübschen Sidecut den Kopf, der ihre femininen Gesichtszüge extrem hervorstechen ließ. Für den perfekten Lidstrich hatte Melody sie immer etwas beneidet, allerdings nicht für die Figur. Sie mochte manchmal mit ihrem D-Körbchen überfordert sein aber A wäre ihr auch zu wenig.
„Nein, David hat das Bestellsystem vereinfacht. Siehst du? Vorgefertigte Bestellsammlungen, die wir nur noch anpassen müssen, wenn es sein muss. Das geht dann via Direkt-Mail an Kobeck, der sie nur noch ausdruckt und Voila: nie wieder abweichende Bestellungen, Zahlendreher und so weiter. Die Rechnung bekommen wir auch digital. Also auch kein Gezeter mit dem Fahrer. Nur noch typisch Bruch beim Transport." Sie schien tatsächlich begeistert davon zu sein, während Melody bereits ihrem kleinen Notizheft hinterher trauerte, das sie immer hektisch bekritzelt hatte, während sie Kobeck über das Telefon anbrüllte. Aber es war wohl gut, dass das Noir im einundzwanzigsten Jahrhundert ankam.
„Na, zumindest das scheint er ganz gut zu machen", murmelte Melody nur und verzog enttäuscht die Schnute, weil sie sich auf eine Runde anschreien und herumbrüllen gefreut hatte. Trisha lachte.
„Ja, ich denke Mr. Kobeck wird es auch vermissen, dich mit sexistischen Attitüden zu behängen, weil du ihm den letzten Nerv raubst", kicherte sie. Kobeck oder Mr. Kobeck war ein Großhändler für Getränke und sicherlich alles andere ein wirklicher Sexist, aber er ließ es sich nicht nehmen sich mit Melody zu duellieren und ihr mit alt-Männer-Sprüchen zu kommen, wenn sie tatsächlich selbst mal einen Fehler gemacht hatte. Es war ein Geben und Nehmen zwischen ihnen. Sie stritt sich gerne mit ihm, es war irgendwie erdend wenn sie wirklich Stress hatte.
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Hurt me deep, Darling - Seven Sins
RomanceSeit zwei Jahren arbeitet Melody bereits als Mädchen für alles, in Eijas Erotik-Club Noir und hätte niemals damit gerechnet rausgeschmissen zu werden. Doch er hat es getan. Ihr Boss hatte sie entlassen, aber das ist kein Grund aufzugeben, weder den...
