Ein helles Köpfchen

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Hier wird aus Rans Sicht erzählt....

Ich konnte sehen dass der Junge unsere stechenden Blicke spürte und dass er zunehmend misstrauisch wurde.
Als er telefonierte, begann er in einer Sprache zu reden die ich nicht sprach. So war es mir nicht möglich das Gespräch zu belauschen oder gar zu analysieren.
Als er schließlich das Gespräch mit seiner Mutter beendete, drehte er sich wieder zu mir und schaute mir tief in die Augen.
Seine violetten Augen funkelten mich an, als wären es Sterne.

Hale: „Ich bitte nochmals um Entschuldigung. Das war ziemlich unhöflich von mir."

Ran: „Solange deine Mutter sich nicht mehr sorgt, ist alles in bester Ordnung. Nun... bereit für eine weitere Frage?"

Hale: „Ich denke schon."

Ran: „Von wem hast du dieses Weiße Haar? Es ist ganz schön auffällig und selten zu sehen. Oder ist es gefärbt?"

Hale: „War mir klar dass Sie das fragen würden. Nein mein Haar ist nicht gefärbt. Ich hab es von meiner Mutter."

Ran: „Seltsam. Du ähnelst jemanden den ich kenne, der hat genauso weißes Haar wie du."

Hale: „Wirklich? Ich kenne niemanden außer meiner Mom und mir die solche Haare haben. Würden Sie mir sagen wer es ist?"

Ran: „Du bist auf einmal so fröhlich. Scheint so, dass du jemanden Suchst hmm? Aber es tut mir leid, ich kann dir den Namen nicht geben da ich keine Kunden Namen herausgeben darf.
Datenschutz, du weißt schon."

Hale: „Ohhh... okay verstehe. Daran lässt sich wohl nichts ändern. Dann wüsste ich gerne in welcher Verbindung Sie zu ihm stehen."

Er deutete auf Rin der immer noch ziemlich bitter drein schaute weil er die Wette verloren hatte.

Ran: „Er ist mein Bruder und Geschäftspartner."

Rindou: „Willst du ihm gleich noch unseren Arbeitsplatz zeigen oder was?! Also echt..."

Ran: „Nun fahr dich mal runter. Es würde dir nicht schaden freundlich zu sein."

Der Junge fing an zu lächeln und sich scheinbar weiteres Gelächter zu verkneifen.

Rindou: „Was gibts da zu lachen frecher Bengel!!!"

Hale: „Sorry aber... Ihr beide seit irgendwie so lustig. Ich wollte Sie nicht beleidigen."

Rins Stimmung legte sich schlagartig und er schaute den Jungen nochmal genauer an.

Rindou: „Sag mal kleiner, hast du auch einen Vater oder so? Lebt der noch, ist er tot, hat dich hängen gelassen oder sonst wie?"

Die Haltung von dem Jungen wich schlagartig in Abwehr um und er schaute aus dem Fenster.
Draußen regnete es in Strömen und die Tropfen prasselten an das Glas.

Hale: „Ich kann und will nicht darüber reden. Es ist... es ist schwierig sagen wir es mal so. Tut mir leid."

Rindou: „Schon gut. Hast eine schwere Beziehung zu ihm, das kann ich verstehen."

Hale: „Ich muss jetzt langsam auch los, ich bin schon viel zu spät dran."

Ran: „Wir bringen dich Heim. Immerhin wohnst du nebenan. Bei dem Wetter wäre es unverantwortlich dich so allein gehen zu lassen."

Ich konnte sehen dass er überlegte und scheinbar spürte, das wir anders waren. Ob er vielleicht ahnt dass wir eigentlich Kriminelle sind? Jedenfalls war es deutlich sichtbar dass er feine Antennen für Räumliche Atmosphäre hat und wie die Leute ticken.

Hale: „Na schön. Ihr werdet mir auch nichts tun oder? Falls ja wird meine Mom euch die Hölle heiß machen."

Ran: „Humor hast du ja, das kann man dir lassen! Dann komm! Bevor es noch regnerischer wird."

Ich nahm ihm den gut verpackten Kuchen ab und geleitete ihn unter einem Schirm zu unserem Auto. Er setzte sich brav auf den Rücksitz und schaute mich und Rin durch den Rückspiegel ganz genau an.
Es war schon fast etwas unangenehm, so als säße ein Löwenjunges auf dem Sitz hinter mir und starrt mich wie seine Beute an.
Wir fuhren über den Highway in Richtung Heimat und ich brachte ihn noch bis zur Tür.
Er schaute zu mir hoch und lächelte mich an.

Hale: „Vielen dank dass Sie mich gefahren haben und für die Schokolade. Sie war echt lecker."

Ran: „Nicht doch. Es war mir eine Freude dich kennen zu lernen."

Hale: „Es war irgendwie so, als würde ich Zeit mit meinem Vater verbringen. Es hat Spaß gemacht."

Ich schaute ihn überrascht an und war etwas verwundert über seine Worte, doch es freute mich irgendwie. Es war wirklich so als wären wir Vater und Sohn.

Hale: „Also dann, ich werde jetzt mal rein gehen bevor Mom noch Old Samson auspackt."

Ran: „Was ist das denn?"

Hale: „Eins von Moms Lieblingswerkzeugen um ungebetene Gäste zu verscheuchen. Sie weiß wer mich bringt. Ich hab schon vorhin geahnt dass Sie mich fragen würden, also hab ich ihr gesagt, dass einer unserer Nachbarn mich heimfährt."

Ran: „Du bist scheinbar ein guter Menschenkenner und das in deinem Alter."

Hale: „Hab ich von meiner Mom. Sie ist genauso drauf. Also dann, bis zum nächsten mal."

Er verabschiedete sich höflich von mir und ließ mich vor der Haustür zurück. Ich ging zum Auto und fuhr mit Rin wieder heim.

Ein helles Köpfchen

Ende

Weißer RauchWo Geschichten leben. Entdecke jetzt