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Das habe ich!

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"Was war das denn bitte? Du schießt doch sonst nie daneben", beschwert sich Liam, als er endlich bei mir ankommt.
Wir stehen vor der Halle und ich zittere wie Espenlaub. 
Scheiße.
Hoffentlich habe ich nicht getroffen.
Aber... er liegt hier nicht. Er ist spurlos verschwunden und das ist doch ein gutes Zeichen, oder?

Mein Zittern unterdrückend sehe ich meinen besten Freund an und seufze. "Ich hatte keine freie Sicht."
Liam brummt und wir gehen zurück zum Streifenwagen.
Ich habe tatsächlich auf meinen Freund geschossen.

"Verdammt! Wir waren so nah dran", ruft mein Kollege frustriert und hämmert auf das Lenkrad.
Weiter fluchend setzt Liam den Wagen in Gang und bringt uns zurück zum Revier.
Doch richtig bei der Sache bin ich nicht.
Schnell fische ich mein Handy aus der Hosentasche und öffne den Chat mit Harry.

Sun? Geht es dir gut?

Doch ich bekomme keine Antwort.

Selbst, als die Nachtschicht einige Stunden später um ist, habe ich noch immer keine Reaktion von meinem Freund bekommen und das macht mich innerlich zu einem verdammten Wrack.
Scheiße, die Sorgen, die ich mir mache, kann man nicht in Worte fassen.
Was ist, wenn ich ihn doch nicht verfehlt habe?
Was, wenn er irgendwo in seinem Auto liegt und gerade verblutet?
Oder - nein. Jetzt nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen.
Fuck.

"Louis!"
Erschrocken zucke ich zusammen und drehe mich um. Liam kommt mir auf dem Parkplatz entgegen und grinst mich an. 
"Zu deinem mysteriösen Freund", beginnt er und schultert seinen Rucksack. "Ich würde ihn sehr gerne kennenlernen. Passt dir 19.00 Uhr?"
Oh verdammter Mist.
Daran habe ich ja gar nicht mehr gedacht. 
Mist.
Mist, Mist, Mist.
"Ähm...", beginne ich und suche angeregt in meinem Kopf eine plausible Ausrede, doch mir fällt beim besten Willen nichts ein. Auf die Arbeit kann ich es nicht schieben. Wir haben drei Tage frei, solange Picasso uns auch diese drei Tage lässt.
Was er wird.
Und andere Ausreden?
Nun, die kann ich ja nun nicht mehr bringen, nachdem ich es Liam angeboten habe. 
Scheiße, warum kann er sich denn auch daran erinnern?
Statt einer Ausrede presse ich also ein ergebenes "Passt" raus und zwinge mir ein Lächeln auf die Lippen. 
Es sei denn, Harry liegt irgendwo in einem Krankenhaus. Aber dann muss ich mir eben eine Notlüge einfallen lassen. 
Oh, bitte lass ihn nicht in einem Krankenhaus liegen. 


Als ich endlich vor der großen Villa stehe, breitet sich die Übelkeit in mir in ein kaum messbares Ausmaß aus. Meine Hände zittern erneut und meine Beine fühlen sich an, als wenn sie jeden Moment einfach nachgeben werden.
"Sun?", rufe ich, nachdem ich es geschafft habe, die Tür zu öffnen und sehe mich suchend in der großen Eingangshalle um.
Doch niemand ist zu sehen.
Weder mein Freund, noch Norma.
Fuck.
Nicht gut.

Ich durchsuche die Küche, das Esszimmer und das Wohnzimmer, doch nirgends ist auch nur das kleinste Anzeichen meines Lockenkopfes.
"Haz?... Sun?", versuche ich es erneut und gehe in Richtung Schlafzimmer.
Als ich die Tür dazu öffne, keuche ich im selben Moment erschrocken auf und starre auf meinen nackten Freund, welcher vor einem Ganzkörperspiegel steht und dabei eine ziemlich verdrehte Haltung hat.
Er lebt!
Und er liegt nicht blutüberströmt in einer Gasse.
Dafür betrachtet er ausgiebig seinen Hintern und scheint nicht wirklich zu bemerken, dass ich in den Raum gekommen bin.
"Hazza?"
Meine Stimme gleicht mehr einem Fiepen und der dicke Kloß in meinem Hals will dennoch nicht verschwinden. 
Harry hebt den Blick und sieht mich über den Spiegel an. Er bringt seinen Körper wieder in eine gerade Position und dreht sich dann zu mir, die Arme vor der Brust verschränkt und die Tatsache, dass er nackt ist, komplett ignorierend.
Nicht, dass es ihn sonst stören würde.
Er rennt viel zu oft nackt durch dieses Haus.
"Du hast mir in den Hintern geschossen", motzt er und sieht mich tatsächlich wütend an. Erneut dreht er sich zum Spiegel und begutachtet sich.
"Sieh es dir an! Meine wundervolle Kehrseite ist komplett entstellt."

Mein Herz setzt einen Schlag aus, als ich unsicher zu ihm gehe.
Ich habe ihn also tatsächlich getroffen.

Vorsichtig lege ich meine Hände auf die Hüften meines Freundes und drehe diesen dann sanft um. Mit einem Anflug von Angst lasse ich meinen Blick über seinen Körper gleiten und atme im nächsten Moment erleichtert auf und beginne dann tatsächlich leise zu lachen. 
"Sun, ich habe dich nicht entstellt", stelle ich erleichtert fest und muss schmunzeln, während ich sanft mit meinem Finger Harrys Hüften streichele. "Das ist maximal ein Streifschuss. Wenn überhaupt. Es blutet nicht mal richtig."
Bockig knurrt Harry auf und schiebt mich von sich. "Aber es tut verdammt weh!"
Seufzend umfasse ich sein Gesicht und sehe in die wundervollen, grünen Augen, die nun hoffentlich einsehen, wie beschissen das hier alles ist. 
"Es tut mir leid", gestehe ich und seufze leise, den Blick nicht von seinen Augen nehmend. 
"Ich hatte keine andere Wahl, Haz. Ich musste handeln."
"Und da schießt du mir einfach in den Po?"
Er drückt mich von sich und verschränkt erneut seine Arme vor der Brust.
"Was hätte ich denn machen sollen?", möchte ich wissen und merke, wie meine Stimme ein wenig lauter wird. "Du warst der Dieb, der Feind und mein Kollege war dabei! Er hat dich gewarnt. Ich musste schießen!"
"Dann hättest du daneben schießen sollen", keift er zurück und sieht mich mit wütenden Augen an. 
"Das habe ich!"
Meine Güte. 
"Scheiße, ich habe daneben geschossen, sonst ständest du jetzt nicht mehr hier!"
Harry verdreht seine Augen, will etwas erwidern, doch ich presche dazwischen. 
Er ist sauer?
Gut!
Das bin ich auch!
"Das ist so eine verdammte Scheiße! Harry, das war so knapp. Dir hätte sonst was passieren können! Stell dir nur vor, Liam hätte geschossen. Ich...", gestresst schließe ich meine Augen und schüttele den Kopf.
"Sorry, aber die Frist ist erloschen. Ich kann das so nicht mehr."

Der Kunsthändler Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt