Abwartend schaue ich Harry an, welcher allerdings kein Wort von sich gibt.
Wütend schnaube ich auf und verdrehe meine Augen.
"Verdienst du wirklich so schlecht, dass du dir mit Kunstdiebstählen was dazuverdienen musst?"
Plötzlich fällt mir etwas ein und ich schüttele meinen Kopf. "Die Geschichte mit dem Erbe ist dann vermutlich ebenfalls erstunken und erlogen, mh? Hast du dir dieses übergroße Haus mit deinen Diebstählen finanziert? Was kommt als Nächstes? Eine Yacht? Ein Helikopter?"
In meinem Körper brodelt es. Ein ungesunder Cocktail aus Wut, Trauer und Enttäuschung mischt sich zusammen und ich weiß nicht, wie lange ich noch Herr der Lage bin. Weiß nicht, wann diese Gefühle alle aus mir herausbrechen und auch weiß ich nicht, was dann passieren wird.
Harry steht auf und kommt auf mich zu. Unweigerlich weiche ich zurück, was dafür sorgt, dass sich auf seinem Gesicht Verletzlichkeit abzeichnet. Aber was hat er bitte erwartet? Dass ich hier lachend stehe und ihm für diese wundervolle und brillante Idee gratuliere?
Also bitte!
"Ich habe keine Gemälde verkauft", beginnt er und fährt sich mit der linken Hand über das Gesicht. "Zumindest keine, die ich getauscht habe."
Ich verdrehe meine Augen.
Wer's glaubt.
"Natürlich handele ich privat mit Kunst, aber nur mit Gegenständen, die ich rechtmäßig erworben habe. Alle Gemälde, die ich getauscht habe, befinden sich hier im Haus. Ich habe sie aufgehängt und werde sie auch niemals verkaufen."
Soll das Sinn ergeben?
"Wozu machst du diesen Mist dann?", will ich wissen und frage mich wirklich, was das Ganze soll.
Wenn er keinen Profit davontragen will, warum wird er dann kriminell?
Zu meiner Verwunderung erscheint ein scheues Lächeln auf Harrys Lippen, was die Wut in mir erneut hochkochen lässt.
Lustig finde ich das ganze hier überhaupt nicht und er ist eigentlich nicht in der Position zu lächeln.
"Was sollen diese Meisterwerke denn in einem staubigen Museum? Sie sind viel zu wertvoll, um einfach dort an einer Wand zu hängen."
Bitte was?
"Ich meine, was für ein trostloses Leben habe diese Kunstwerke denn dort? Sie hängen an der Wand, werden begafft und das war es dann?"
Spinnt er jetzt komplett?
"Willst du mich verarschen?"
Meint er das Ernst?
"Bei mir haben sie es besser", brummt er und wirkt beinahe beleidigt.
"Du tust gerade so, als wenn wir hier über irgendwelche Hundebabys reden. Das sind nur Bilder, Harry. Die interessiert es nicht, ob sie begafft werden oder sonst was für einen Scheiß!"
Der Kunsthändler verschränkt bockig seine Arme. Er ist jetzt tatsächlich beleidigt.
"Du meinst diesen Mist ernst?"
Vielleicht sollte er lieber zu einem Psychologen gehen.
"Ich rede mit den Bildern. Schenke ihnen den Respekt, den sie verdient haben."
Kopfschüttelnd weiche ich einen Schritt zurück. "Du hast doch vollkommen den Verstand verloren!"
Also wirklich
Der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.
"Das wird mir hier alles zu dumm", beschließe ich und drehe mich um. Ich muss hier raus. Einen klaren Kopf bekommen.
Doch Harry hindert mich am Gehen, indem er meinen Arm greift und mich zu sich herumdreht.
"Ich meine das Ernst. Ich nehme die Gemälde, damit sie hier bei mir ein besseres zu Hause haben. Und ja, diese Diebstähle machen mir einfach Spaß. Sie geben mir einen Kick und sind irgendwie zu einem Hobby geworden. Aber ich verspreche dir, dass ich die Bilder niemals verkaufen werde."
Wieder schüttele ich fassungslos meinen Kopf.
"Du tickst echt nicht mehr richtig, oder?"
Der Lockenkopf sagt nichts dazu, sieht mir einfach nur in die Augen und mixt den Emotionscocktail in mir erneut durch.
"Wirst du...wirst du mich - du weißt schon", druckst er dann doch irgendwann herum, meinen Arm noch immer fest im Griff.
"Ob ich dich verpfeife?"
Harry nickt.
"Ganz ehrlich?", beginne ich und atme tief durch. "Verdient hättest du es. Du machst dich mit diesem ganzen Mist strafbar und die Schadenssumme, die durch dein Hobby entstanden ist, beträgt mehrere Millionen! Himmel, du bist der größte Kunstdieb, den diese Stadt je erlebt hat. Vermutlich sogar der Größte, aus dem ganzen Staat. Aber selbst wenn ich dich jetzt anscheißen würde, hätte ich keine Beweise."
Ist ja nicht so, als wenn ich mir während meiner Schicht darüber keine Gedanken gemacht hätte.
Und wenn ich ehrlich bin, habe ich eigentlich damit gerechnet, dass alle Gemälde aus diesem Haus verschwunden sind, wenn ich hier eintreffe.
"Selbst wenn ich dich jetzt melden würde, könnte ich nicht beweisen, dass du der Dieb bist. Und wenn die Polizei hier eintrifft, verwette ich meine Niere darauf, dass sie hier nichts finden würden. Denn sobald ich dieses Haus verlasse, werden Zayn und May dir dabei helfen, die Gemälde zu beseitigen, habe ich recht?"
Harry zögert einen Moment, dann nickt er. "So war zumindest der Plan, bevor zu gekommen bist."
Ich schließe meine Augen einen Moment, versuche meine Gedanken zu ordnen, doch es klappt einfach nicht.
Dieses Chaos kann ich niemals beseitigen.
"Und was wird aus uns?", vernehme ich seine Stimme zaghaft und unsicher.
Meine Augen öffnen sich, begegnen seinem Blick, ehe ich meinen Arm uns seinem Griff befreie und den Kopf schüttele.
"Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben."
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Der Kunsthändler
Fiksi PenggemarDie Polizei ist schon eine lange Zeit auf der Suche nach dem Kunstdieb "Picasso". Leider kann er jedes Mal aufs Neue unbemerkt vom Tatort verschwinden und hinterlässt eine exakte Kopie der Gemälde, die er an sich nimmt. Kunsthändler und Experte Har...
