Harry führt mich an der Hand die pompöse Marmortreppe hinauf in das Obergeschoss. Immer wieder staune ich über die ganzen Gemälde, die an der Wand hängen und als wir oben ankommen, scheint mein Lockenkopf meinen Blick zu merken und schmunzelt.
"Es sind nicht alles Originale. Viele der Bilder sind Nachdrucke. So reich bin ich dann auch nicht".
Ich nicke, während Harry mich den langen Korridor entlangführt. Auch hier erstreckt sich eine lange Glasfront aus Fenstern und zeigt die wahre Größe des Gartens. Ein Fußballfeld ist ein Witz dagegen.
Vor einer großen, weißen Tür halten wir an und als Harry diese öffnet und wir den Raum dahinter betreten, kann ich nicht anders und muss leise lachen.
"Was denn?", möchte mein Lockenkopf irritiert wissen und mustert sein Schlafzimmer.
"Wieso wundert es mich nicht, dass du ein Himmelbett hast?", möchte ich glucksend wissen und deute auf das große Bett, welches mir gegenüber steht.
"Magst du es nicht?".
Er klingt enttäuscht und schnell greife ich nach seinen Händen, ziehe ihn an mich und hauche ihm einen Kuss auf die Lippen.
"Es ist wirklich schön, Sun. Und ich wäre enttäuscht, wenn neben dem Flügel, den Kronleuchtern und dieser palastartigen Eingangshalle ein Futonbett stehen würde." Ein sanftes Lächeln erscheint auf seinen Lippen, ehe er nickt.
"Es ist schön, oder?"
Ich nicke, stibitze mir einen weiteren Kuss und sehe ihm in die Augen. "Ist es denn auch bequem?". Erneut nickt er, bevor sein Blick sich ändert und ein verschmitztes Grinsen seine Lippen ziert. "Es ist sehr bequem".
Schneller als ich gucken kann, werde ich auf die Matratze befördert, mein heißer Freund über mir, süchtig machende Lippen auf meinen, welche mich in einen verführerischen Kuss verwickeln.
Seufzend kralle ich mich in seine Haare, ziehe ihn enger an mich heran und versuche erst gar nicht meine Erregung zu verbergen. Sein Körper war mir einfach viel zu lange fern.
Leise stöhne ich auf, als Harrys Finger über meine Haut fahren und mein Oberteil nach oben schieben. Ich richte mich auf, lasse mir mein Shirt nur zu gerne über den Kopf ziehen und werde gleich darauf zurück in die Matratze gedrückt. Seine sinnlichen Lippen überhäufen meinen Oberkörpern mit Küssen. Jede Stelle, die von ihm berührt wird, prickelt und ich scheine in Flammen zu stehen. Dieser Mann ist einfach unglaublich.
Als Harry dann allerdings meinen Gürtel öffnet, schießt auf einmal ein stechender Schmerz durch meinen Kopf. Ich stöhne auf, kneife meine Augen zusammen und drehe mich auf die Seite. Ein erneuter Blitz zuckt durch meinen Kopf und mir wird augenblicklich speiübel.
"Love?".
Ein Würgen verlässt meinen Mund und ich danke Gott, dass Harry anscheinend eins und eins zusammenzählen kann und aus dem Bett springt. Keine Sekunde später drückt er mir etwas in die Hand, keinen Augenblick zu spät, als sich auch schon mein Mageninhalt den Weg nach draußen sucht.
Tränen treten mir in die Augen, während ich versuche mich aufzurichten. Bleierne Übelkeit flutet meinen Körper. Erneut kommt ein Schwall Essen aus meinem Mund, dann spüre ich kalte Hände, die sanft über meine Schläfe streichen.
Verfluchte Scheiße.
Ich atme tief durch, merke den Schwindel, der sich in mir ausbreitet. "Geht es wieder?", höre ich Harrys Stimme dicht neben mir. Mit verschwommenen Blick sehe ich auf die Blumenvase und nicke. Ich will gar nicht wissen, wie teuer dieses Ding in meiner Hand ist. Die kann er jetzt wegschmeißen.
Mein Lockenkopf steht auf, nimmt mir die Vase aus der Hand und verschwindet durch eine Tür.
Ächzend lasse ich mich nach hinten sinken, schließe meine Augen und atme tief durch. Vielleicht war das heute doch noch ein wenig viel. Ich habe die Gehirnerschütterung unterschätzt.
"Love?".
Erschöpft öffne ich meine Augen, begegne Harrys besorgten Blick und beobachte ihn dabei, wie er sich neben mich setzt. Seine kalten Hände streichen erneut durch mein Gesicht und ich schließe die Augen, genieße die Kälte auf meinem Gesicht.
"Am besten ruhst du dich ein wenig aus, ja? Ich werde Norma bitten, dir einen Tee zu kochen."
Er will aufstehen, doch ich halte ihn am Handgelenk fest und hindere ihn daran.
"Kannst du...ich möchte kuscheln", klage ich jammernd und umklammere sein Handgelenk fester. Die aufgeheizte Stimmung ist komplett am Arsch und vermutlich sollte ich diesen Typen, der für meine Gehirnerschütterung verantwortlich ist, genau deswegen verklagen.
Mein Freund nickt, lächelt sanft und klettert zu mir in das Bett. Liebevoll zieht er mich in seine Arme, haucht mir einen Kuss auf den Kopf und beginnt damit, meinen Nacken zu kraulen.
Okay, hier und in dieser Position bleibe ich für immer.
Irgendwann öffne ich meine Augen und merke sofort, dass ich alleine bin.
Vermutlich bin ich eingeschlafen, denn als ich zum Fenster schaue, dämmert es bereits und deutet den Abend an.
Die Übelkeit ist Gott sei Dank verschwunden, nur noch ein leichter Schwindel begleitet mich.
Toller Mist.
Was Harry jetzt wohl von mir denkt?
Da liegen wir in seinem Bett, machen herum wie die Weltmeister und dann kotze ich ihm beinahe in die Bettwäsche.
Romantischer geht es nicht.
Ich setze mich auf, rutsche an die Bettkante und stelle meine Beine auf den Boden. Ein paar Minuten bleibe ich so sitzen, warte, bis sich das Blut in meinem Körper verteilt und ich nicht mehr das Gefühl habe, dass ich jeden Moment umfallen werde.
Wie peinlich das alles ist.
Ich verlasse das Schlafzimmer und mache mich auf die Suche nach meinem Freund. Vielleicht ist er in der Küche, oder im Wohnzimmer. Oder bei Zayn, geht es mir durch den Kopf und ich verdrehe meine Augen. Zu gerne würde ich wissen, was dieser Kerl nur gegen mich hat. Harry kann mir nicht erzählen, dass es sein Hass gegen die Polizei ist und der Beschützerinstinkt. So wie der Schwarzhaarige mich ansieht, bin ich der Teufel in Person für ihn.
Während ich den Korridor durchquere, erklingen plötzlich Stimmen und ich bleibe stehen. Es sind Harry und Zayn, unverkennbar und einen kurzen Moment habe ich ein Déjà-vu.
Leise gehe ich ein paar Schritte weiter, als ich die beiden auf der Treppe ausmache. Schnell gehe ich wieder einige Schritte zurück, verstecke mich hinter einer der großen Säulen, die den Korridor zieren und versuche zu verstehen, was sie reden.
"Du bist absolut bescheuert!"
"Ach komm schon, Zee. Was soll denn schon passieren?".
Auch wenn ich es nicht sehe, kann ich mir genau vorstellen wie Harry in diesem Moment guckt. Vermutlich schiebt er seine Schmolllippe nach vorne und sieht zum Niederknien aus.
"Was passieren soll?! Was - sag mal, funktioniert dein Gehirn überhaupt noch? Oder ist es durch das ganze vögeln nicht mehr vorhanden?!". Die Stimme von Zayn wird lauter und er scheint richtig wütend zu sein. Von Harry kommt allerdings nur ein Kichern und innerlich lache ich den Schwarzhaarigen aus. Da will er seinem besten Freund eine Ansage machen und dieser kichert einfach.
"Bist du wirklich so von deiner rosaroten Brille geblendet?"
"Ich habe alles im Griff, Zayn."
Ein Schnauben erklingt.
"Das sehe ich. Deswegen ist der Typ hier, oder was? Wie zum Teufel kommst du auf die Idee, ihn ausgerechnet hier herzubringen? Da kannst du dir auch gleich ein Schild umhängen."
"Aber wenn er doch mein zu Hause sehen möchte? Wie soll ich ihm diesen Wunsch abschlagen? - wie soll ich ihn überhaupt irgendeinen Wunsch abschlagen?".
Mein Herz poltert einmal bei seinem Satz.
Plötzlich kichert Harry erneut und bei dem Geräusch beginnt es in meinem Bauch zu kribbeln.
"Oh Zayn, er ist einfach wundervoll, weißt du? Er ist berauschend, inspirierend und - wunderschön. Findest du nicht?".
Mein Freund bekommt keine Antwort, aber es hätte mich auch gewundert. Die Worte von Harry allerdings lassen mich beinahe schweben. Scheiße, ich war wirklich noch nie so verknallt.
"Ich meine", beginnt Harry wieder und weckt damit meine Neugierde. "Sieh ihn dir doch mal an. Seine Augen alleine schon... so anziehend und so blau...Ozeane auf der ganzen Welt könnten neidisch sein auf diese Farbe. Und dieser Hintern...oh ja, dieser Hintern...".
Schmunzelnd schüttele ich meinen Kopf. Dieser Spinner.
"Und sein Charakter, Zee. Dieser Mann hat eine Seele aus Gold und ist ein wahres Wunderwerk. Er ist kostbarer, als all die Kunst, die ich besitze."
Ergriffen fasse ich mir an mein Herz, merke, wie es stärker denn je gegen meine Brust hämmert und droht, aus dieser herauszuspringen. Kann man jemanden nach so kurzer Zeit verfallen? Kann man in so kurzer Zeit solch starke Gefühle aufbauen? Verflucht, wie macht dieser Mann das nur? Wie schafft er es, mich so umzuhauen?
Ein Seufzen lässt mich zusammenzucken und ich spitze meine Ohren.
"Hazza, ich...wirklich ich gönne es dir und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass du glücklich bist in deinem Leben. Du hast nur das Beste verdient und ich bin eigentlich der Letzte, der sich dem in den Weg stellt, aber... bitte...bitte sei einfach vorsichtig, okay? Ich will einfach nicht, dass du am Ende verletzt wirst."
Merkt er die Einschläge noch?
Ich werde meinen wundervollen Lockenkopf doch nicht verletzen.
"Und pass einfach ein bisschen auf. Ich habe wenig Lust, mir ein paar Jahre ein Zimmer mit irgendjemanden zu teilen und daran solltest du auch denken. Du bist nicht geschaffen für solch einen Ort."
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Der Kunsthändler
FanfictionDie Polizei ist schon eine lange Zeit auf der Suche nach dem Kunstdieb "Picasso". Leider kann er jedes Mal aufs Neue unbemerkt vom Tatort verschwinden und hinterlässt eine exakte Kopie der Gemälde, die er an sich nimmt. Kunsthändler und Experte Har...
