Die nächste Nachtschicht geht genauso weiter, wie die letzte aufgehört hat.
Wieder werden wir zu zwei Museen gerufen und wieder erhalte ich Nachrichten von Harry.
Erst ein: Ich liebe dich, und anschließend eine anzügliche Kombination aus zwei Emojis, wobei eines davon ein Gemüse ist.
Mehr muss man nicht wissen.
Und natürlich gibt es bei beiden Tatorten nicht die geringste Spur des Täters.
Lediglich die geklauten Gemälde hängen wieder fein säuberlich an ihrem Platz und das bringt Liam langsam aber sicher auf die Palme.
"Der will uns doch verarschen", wütet er los und schüttelt seinen Kopf, während wir auf den Weg zurück zum Streifenwagen sind. "Was bringt ihm das, wenn er erst die Bilder klaut und sie dann wieder zurückbringt? Wo ist da die Logik?".
"Keine Ahnung", brumme ich zur Antwort und bin mir sicher, dass Liam nicht hören möchte, dass der Dieb ein schlechtes Gewissen hat und durch sein Handeln seine Beziehung retten will.
Wobei er mir das auch nicht glauben würde und ich bin ehrlich, ich würde es mir selbst auch nicht glauben.
Liam setzt den Wagen in Bewegung, als ein Funkspruch von May reinkommt.
Wir sollen sofort zu einer Art Lager fahren, wo ein Passant eine verdächtige Person gesehen haben will. Besagte Person soll eingestiegen sein. An sich nicht dramatisch, doch bei diesem Lager handelt es sich um eines, welches zu einer renommierten Galerie gehört und ich ahne, dass Harry dieser Jemand sein könnte.
"Dieses Mal bekommen wir ihn!", ruft Liam euphorisch und drückt aufs Gaspedal.
Panik kommt in mir auf, als ich auf mein Handy schaue und keine Nachricht von Harry habe.
Sie kommt sicherlich gleich, versuche ich mich zu beruhigen, doch mit jedem Kilometer, den wir weiterfahren, breitet sich die Panik immer mehr in mir aus.
Er muss da weg!
Sofort!
"Picasso wird uns nicht entkommen", höhnt mein Kollege und biegt in einem Affentempo um die Kurve.
Ja, das befürchte ich auch.
Erneut gucke ich auf mein Handy, doch noch immer keine Nachricht.
Mist!
Der Streifenwagen kommt vor der Lagerhalle zum Stehen und mein Herz klopft mir bis zum Hals.
Was, wenn Harry wirklich hier ist?
Oh verdammt, ich wusste, dass dieser Tag kommen würde.
Augenblicklich wird mir schlecht und meine Finger beginnen zu zittern.
Scheiße, was mache ich jetzt nur?
Als wir aussteigen und Liam zielsicher die Tür ansteuert, werde ich so nervös, dass ich nicht mehr klar denken kann.
"Liam!", rufe ich also laut und hoffe, somit auf uns aufmerksam zu machen.
Wütend dreht sich mein bester Freund zu mir um und zischt mir ein "Shhh!" entgegen.
"Wollen wir nicht lieber auf Verstärkung warten?", möchte ich wissen und sehe mich um.
"Damit er uns wieder entkommt? Niemals!"
Er will weiter gehen, doch ich greife nach seinem Arm und halte ihn somit auf.
"Warte", bitte ich ihn und schlucke meine Angst herunter.
"Was?!"
Liam ist sichtlich angepisst und das kann ich verstehen. Wirklich! Aber - naja.
"Ich öhm... ich würde dir gerne endlich meinen Freund vorstellen. Vielleicht morgen Abend? Ihr könnt zu mir kommen."
Mein bester Freund sieht mich an, als wenn ich nicht alle Latten am Zaun habe.
Habe ich vermutlich auch nicht.
"Sag mal, geht es noch?"
Aufgebracht verdreht er die Augen und kann seinen Zorn nicht verbergen.
"Kannst du das nicht wann anders mit mir besprechen?"
Nickend knicke ich ein und merke, dass alle weiteren Versuche hier irgendwie Zeit zu schinden, mich nur verdächtig wirken lassen.
Dann mal los.
Geräuschlos öffnet Liam die Tür, welche nicht verriegelt ist. Vermutlich hat Harry sie geöffnet. Gut für uns, schlecht für ihn.
Innerlich bete ich, dass Harry nicht mehr hier ist. Vielleicht konnte er noch rechtzeitig fliehen, oder aber er war gar nicht erst hier. Das wäre natürlich noch besser.
Aber es ist eher unwahrscheinlich.
Ich meine, ein Einbruch in ein Kunstlager... das schreit förmlich nach meinem Freund.
Genau in diesem Moment erklingt ein Klirren.
Erschrocken zucke ich zusammen, als Liam auch schon seine Hand auf sein Holster legt und mit der anderen nach seiner Taschenlampe greift.
"Hier spricht die Polizei! Kommen Sie mit erhobenen Händen raus!"
Aufgeregt halte ich die Luft an, suche den Raum mit meiner Taschenlampe ab, doch kann niemanden erkennen.
"Okay, teilen wir uns auf."
Liam verschwindet nach links, während ich nach rechts gehe und eine Treppe hinauf.
Weit kann er nicht sein, denn dieses Gebäude ist zwar relativ groß und auf zwei Etagen, jedoch in der Mitte offen.
Überall stehen Regale und Kartons herum und während ich oben ankomme, kann ich Liams Taschenlampe im hinteren Teil des Untergeschosses sehen. Es gibt nur den einen Ausgang. Wenn Harry also flüchten muss, dann muss er direkt an mir vorbei. Zumindest, wenn er sich hier oben befindet.
Ich kann ihn nicht erneut laufen lassen. Dieses Mal würde es auffallen und ich will mir eigentlich nicht ausmalen, was passiert, wenn Harry sich unten befinden sollte.
Und plötzlich geht alles ganz schnell.
Harry rennt an mir vorbei, vermummt und komplett in Schwarz gekleidet, doch ich erkenne ihn sofort. Ich weiß, auch ohne sein Gesicht zu erkennen, dass es mein Freund ist, der da gerade an mir vorbeirauscht und die Treppe herunter sprintet.
Wie gelähmt kann ich nur da stehen und ihm hinterherschauen, doch dann reißt mich Liam aus meiner Starre, indem er meinen Namen brüllt.
"Stehen bleiben!", rufe ich, als ich endlich wieder Herr meiner Sinne bin und merke, wie Liam sich durch das Erdgeschoss kämpft. Die Kisten halten ihn auf, machen ihn langsam und sorgen dafür, dass er niemals rechtzeitig am Ausgang ankommen wird.
Harry hingegen reagiert nicht auf meinen Befehl und eilt weiter die Treppe herunter. Dabei stößt er allerdings gegen einen Karton und verheddert sich mit seinem Pullover daran. Ein Fluchen ist zu hören und er beginnt panisch an dem Stück Stoff zu ziehen, da dröhnt Liams Stimme erneut durch das Gebäude.
"Ergeben Sie sich, oder wir müssen schießen!"
Erschrocken zucke ich zusammen und sehe Harry mit großen Augen an.
Wenn Liam wir sagt, meint er mich. Denn er hat nicht wirklich eine freie Sicht auf den Dieb. Ich hingegen schon.
Fuck!
Harry schafft es endlich sich zu befreien und sprintet weiter. Erleichterung macht sich in mir breit, während ich noch immer versuche, ihm hinterher zueilen. Aber er ist wirklich flink.
"Tomlinson!"
Liams Stimme ist fordernd und duldet somit keinen Widerstand.
Scheiße!
Scheiße, Scheiße, Scheiße!
Ich bleibe stehen und atme zitternd die Luft ein. Mir bleibt nur eine Möglichkeit.
Fuck.
Mit zitternden Händen hebe ich meine Waffe.
Gott, ich...
Ich schließe meine Augen, atme tief durch und fokussiere wieder meinen Freund, welcher die Tür fast erreicht hat.
Und dann... dann schieße ich.
Stille.
Absolute Stille.
Doch dann fällt die Tür scheppernd in die Eisen und signalisiert uns, dass Picasso entkommen konnte.
Kinners,
Da ist er. Der zweite One-Shot.
Und da hat der liebe Harry ja nochmal Glück gehabt.
Oder?
Louis hat auf seinen Freund geschossen. Der konnte zwar entkommen, aber ist er auch unverletzt?
Was denkt ihr?
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Der Kunsthändler
FanfictionDie Polizei ist schon eine lange Zeit auf der Suche nach dem Kunstdieb "Picasso". Leider kann er jedes Mal aufs Neue unbemerkt vom Tatort verschwinden und hinterlässt eine exakte Kopie der Gemälde, die er an sich nimmt. Kunsthändler und Experte Har...
