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„Wir können doch nicht immer flüchten.", sprach ich den Gedanken aus, der schon eine ganze Weile in meinem Inneren hauste.

„Was bleibt uns anderes übrig, wenn du noch nicht vollständig ausgebildet bist und wir gerade noch andere Schwierigkeiten haben.", entgegnete Sasuke, der an der Tür lehnte und mir beim Packen zusah.

Tabito hatte der Idee weiterzureisen zugestimmt, um die Dorfbewohner zu schützen. Er befand sich derzeit bei der Beerdigung von Yoko. Es schnürte mir die Kehle zu, wenn ich ihn mir dort vorstellte. Sasuke und ich sind nicht zur Beerdigung gegangen, da nur der engste Kreis erwünscht war.

„Kannst du nicht einfach dein Ding abziehen?", brummte ich gereizt.

„Mein Ding?", fragte Sasuke irritiert und ich verdrehte meine Augen, als wenn das offensichtlich wäre.

„Du bist doch hier der Begabteste von uns. Ein paar Jutsus von dir oder eher ein paar Blicke und Arashi ist Geschichte.", meinte ich verzweifelt und Sasuke schnaubte. Sein Mundwinkel zuckte dennoch hoch.

„Schon vergessen, dass mein Sharingan gegen das Shisuru wirkungslos ist?", erwiderte Sasuke, aber ich winkte ab.

„Das sind doch bloß Ausreden. Du könntest ihn bestimmt in wenigen Sekunden platt machen, wenn du die Gelegenheit finden würdest."

„Ich bin kein Gott, Y/N.", entgegnete Sasuke ruhig und ich zog meine Augenbrauen hoch.

Ich steckte einen Rock in meine Tasche und ließ meinen Blick über seine Gestalt schweifen.

,Dafür sah er verdammt danach aus.', dachte ich und musste ihm trotzdem Recht geben. So einfach war die Sache nun auch wieder nicht.

„Es ist deine Aufgabe Arashi mit dem Spiegel der Träumenden zu versiegeln. Ich kann dir nur dabei helfen. Bei eurem Traumwandler-Level kann ich nicht immer mithalten.", gab Sasuke ehrlich zu und blickte nun angespannt aus dem Fenster. Es war bereits Nachmittag.

Sasuke konnte nicht mehr helfen, als er eigentlich wollte und ich fühlte mich auf einmal schlecht, dass ich meine Last auf ihn lud.

„Tut mir Leid.", sagte ich und ging zu ihm, um meine Arme hinter seinen Nacken zu verschränken. „Ich habe mir nicht vorgestellt, wie es für dich ist. Dieses ganze irrsinnige... Du weißt, was ich meine."

Sasuke schmunzelte und zog mich näher zu sich.

„Du musst dir um mich keine Gedanken machen.", behauptete er und umarmte mich. Ich vergrub mein Gesicht in seiner Halsbeuge. Die Anspannung unserer Körper löste sich allmählich.

„Da verlangst du Unmögliches.", flüsterte ich mit geschlossenen Augen.

-

Tabito hatte sich von seinen Leuten verabschiedet und Kubo winkte uns mit Tränen in den Augen hinterher, sobald wir nach Yugakure aufbrachen. Wir durften nicht zu lange an einem Ort verweilen, damit niemand Unschuldiges mehr sein Leben verlieren musste.

Die Bäume nahmen uns in den Wald auf. Tabito war auf dem Weg äußerst schweigsam und ich ließ die Stille über uns ergehen. In dem Reich der heißen Quellen schienen die Temperaturen trotz der Hitze im Reisfeldreich um ein paar Grade zu steigen. Mein Oberteil klebte verschwitzt an meiner Haut.

Tabito lief ein paar Schritte vor Sasuke und mir. Nach ein paar Stunden legte ich meine Hand auf Tabitos Schulter, um ihn anzuhalten. Bei der Berührung zuckte er leicht zusammen.

Er wandte sich mir zu. Seine grünen Augen strahlten weniger, als sie es sonst tun würden.

„Lass uns eine Pause machen.", schlug ich vor und Tabito nickte.

„Ich werde Aufpassen, dass uns keiner angreift.", bestimmte Sasuke und ließ sich auf einem Ast der Bäume nieder. Er war außer Hörweite, dennoch in Sichtweite von uns.

Ich spritzte mir das Wasser von einem naheliegenden Teich ins Gesicht und kühlte meine glühenden Wangen, während Tabito sich ins Gras fallen ließ und aus seiner Flasche trank.

Er ließ einen Teil des Wassers auf seinen Kopf laufen und fuhr sich dann mit seinen Fingern durchs nasse braune Haar. Seine Augen hielt er dabei geschlossen und ich näherte mich ihm.

Ich ließ mich im Schneidersitz neben ihn nieder und stützte mich mit einer Hand nach hinten.

Tabito bemerkte meine Anwesenheit, aber schwieg. Für einen Moment blieben wir so sitzen und ließen die wenigen Sonnenstrahlen, die durch das Blätterdickicht kamen, auf uns nieder strahlen.

„Möchtest du darüber reden?", fragte ich sanft und ließ die Worte von dem Wind zu ihm rüber tragen.

Tabito brauchte lange für seine Antwort, während ich geduldig wartete.

„Sie hat mich aufgezogen, als meine Eltern nicht mehr da waren.", sagte er leise. "Wie kann ich mich nicht scheiße fühlen?"

Ich senkte meinen Kopf und spielte mit den Grashalmen.

Sein Geständnis traf mich mehr als ich erwartet hatte.

„Aber wie kann ich mich so fühlen, wenn du nicht einmal das hattest?", fragte sich Tabito und ich schaute ihm überrascht in die Augen.

„Natürlich kannst du dich so fühlen. Meine Situation hat nichts mit deiner zu tun und sollte deine Gefühle nicht beeinflussen. Deine Gefühle haben nicht weniger zu bedeuten!", brachte ich eindringlich hervor.

„Ich fühle mich einfach wie ein Idiot.", sprach Tabito und atmete schwer aus. „Ich hätte das Dorf besser schützen können. Vielleicht hätte ich ihren Tod verhindern können. Ich hätte-"

„Hör auf!", unterbrach ich ihn. Tabito stoppte mitten im Satz und schaute mich mit großen Augen an. „Du darfst so nicht denken. Es ist passiert. Du kannst daran nichts ändern."

Die Wahrheit klang hart, wenn ich sie aussprach.

Ich nahm seine Hand in meine und drückte sie.

„Es wird besser. Ich verspreche es dir."

Tabitos Augen hielten sich an meinen fest. Sein Adamsapfel zuckte, als er mehrmals schluckte, bevor er sich aufrichtete.

„Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es das wird, aber ich vertraue dir.", meinte er.

Ich lächelte ihn zögerlich an und er blickte mich dankend an. Seine Augen waren weiterhin traurig, aber seine Gesichtszüge wurden weicher.

Tabito streckte seine Hand aus und strich mir eine Haarsträhne aus der Stirn, die sich durch den Wind verirrt hatte.

Plötzlich schnellte Tabito zurück, als ein Wurfshuriken auf seine Hand zugeflogen kam. Er wich gerade rechtzeitig aus, ehe seine Hand getroffen wurde.

Verbittert schaute Tabito zu Sasuke auf, dessen schwarze Augen sich in Tabitos bohrten. Die Temperatur fiel um einige Grade.

Ich war zu überrumpelt von der sekundenschnellen Aktion, sodass ich den beiden nur zusah.

Sie wandten sich fast zeitgleich voneinander ab und Tabito verzog ungehalten sein Gesicht.

Mein Blick glitt erneut zu Sasuke, der sein Katana polierte und meinem Blick auswich.

Ich dachte, dass wir das geklärt hätten..

„Er-"

„Ich wollte dir noch ein Angriffsjutsu zeigen.", fiel Tabito mir ins Wort und lenkte damit das Thema ab, welches in der Luft lag. „Es verstärkt deine erschaffene Waffe in der Traumwelt."

Ich blinzelte und entschied dem Themenwechsel entgegenzukommen.

„Das ist nützlich. In dem Kampf gegen Arashi haben meine Attacken nicht genügend Schaden angerichtet. Können wir auch mehr Strategien üben?", überlegte ich und er sagte zu.

„Jetzt?", fragte ich Tabito, der zugleich im Meditationssitz saß und auf mich wartete.

„Wieso nicht? Ich brauche jetzt etwas Ablenkung.", fügte er ein wenig verhalten hinzu und wir drifteten in die Traumwelt ab.

SasukeXreader fanfictionWo Geschichten leben. Entdecke jetzt