achtundfünfzig.

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Taehyung

Mein Kopf explodiert, als ich müde die Augen versuche zu öffnen. Oh Gott, das Licht.
Schnell presse ich meine Augen wieder zusammen und versuche das unwohle Gefühl in meinem Magen zu ignorieren.

Blind taste ich auf meinem Nachttisch nach einer Wasserflasche. Ich lehne mit einem Kissen im Rücken an meinem Kopfende und atme angestrengt ein und aus. Grundsätzlich schlafe ich im Sitzen nach dem Trinken, das hilft mir der Karousselfahrt in meinem Kopf etwas aus dem Weg zu gehen und außerdem ist es sicherer, falls ich kotzen muss.

„So eine scheisse", murre ich und erschrecke mich über meine belegte Stimme. Als ich endlich die kühle Flasche in der Hand halte, brauche ich drei Anläufe sie aufzuschrauben und fast nur drei große Schlücke, um sie zu leeren. Ich bin komplett dehydriert und in meinem Kopf scheint eine Baustelle inklusive Presslufthammer zu hausen.

Zaghaft öffne ich ein Auge ein winziges bisschen und linse auf meinen Wecker. Erst 10:34 Uhr. Ich bleibe einfach noch drei Stunden bis mittags hier sitzen und bis dahin verträgt mein Magen vielleicht sogar mehr als nur Wasser.

Mein Plan geht nur ein bisschen auf, denn eine halbe Stunde später klopft es leise an meiner Zimmertür und mein Serienmörder streckt seinen Kopf durch die Tür. Er sieht unglaublich erholt und gut gelaunt aus, es ekelt mich an und lässt mich grün vor Neid werden. Nie wieder Alkohol, vor allem nicht mit so einer Schnitte im Haus. Rarrww.

Himmel, da zirkuliert noch ziemlich viel Restalkohol im Blut.

„Guten Morgen. Alles okay soweit bei dir?"
Jungkook wartet nicht mal richtig eine Antwort ab, sondern kommt mit einem kleinen Tablett auf den Händen einfach rein.
„O-Saft und eine Kopfschmerztablette, dann geht es dir gleich besser. Vorausgesetzt, sie bleibt lang genug in deinem Magen um zu wirken."

Er stellt das Tablett auf meinem Nachttisch ab und murmelt dann irgendwas über „Stinken" und „Ausdünstungen".
„Dann mach doch mein Fenster auf", murre ich, aber lächele dabei. „Womit habe ich das Katerfrühstück verdient?"

„Mit nichts. Aber du sollst schnell wieder fit sein, damit du deine Strafe entgegen nehmen kannst."
Er kommt meinem Vorschlag leider Gottes nach und ich verziehe das Gesicht, als der Lärm der Straße an meine Ohren dringt. Ob der Großstadtmuff so viel besser als meine Zimmerluft ist, ist fraglich, aber immerhin scheint die Feinstaubbelastung okay zu sein.

„Strafe? Wofür?", frage ich verwundert nach und nehme dann erstmal einen Schluck vom Saft, ehe ich die Tablette schnell hinterher spüle.
„Danke übrigens wegen gestern. Du hast mich nach Hause gebracht, oder?"
Zaghaft sehe ich ihn an, nicht sicher, ob mein betrunkenes Ich mir nicht doch etwas vorgegaukelt hat. Ich meine sogar mich wage daran zu erinnern, dass wir telefoniert hatten.

„Doch hab ich. Und kein Problem. Aber deine Strafe erhältst du trotzdem und ich will einen neuen Pullover!"
Jetzt zieht er verärgert die Augenbrauen zusammen und ich schaue ihn nur noch weiter verwirrt an, bis ich schließlich entgeistert die Augen aufreiße und meine Kopfschmerzen ignorierend entsetzt rufe: „Oh Gott, habe ich dich etwas angekotzt?!"

Jungkook beginnt zu lachen und mir bleibt bei der Vorstellung fast das Herz stehen.
Bitte nicht, das wäre mir furchtbar unangenehm.

„Zum Glück nicht. Du warst zwar komplett besoffen, aber hast alles in dir drin behalten. Aber schau mal an dir runter."
Ich komme seiner Aufforderung nach und bin erst verwirrt, ehe es Klick in meinem Kopf macht. „Wieso trage ich deinen Pulli?"

„Weil er - deinen Worten zufolge - nach mir riecht und du nicht ohne den Geruch deines Retters sein möchtest. Das ist dir übrigens eingefallen, als wir aus dem Taxi gestiegen sind. Du hast dich geweigert auch nur ansatzweise mitzukommen, egal ob ich dich trage oder nicht."

Jetzt verschränkt er die Arme vor der Brust und ohne mich von seinem Bizeps ablenken zu lassen, ahne ich, dass es nicht gut weitergeht.

„Ich durfte den ganzen Weg unsere Straße runter bis hier hoch in die Wohnung halbnackt mit dir im Arm rumlaufen. Ich wurde zweimal angesprochen, ob ich dich absichtlich bewusstlos gemacht habe und mir wurde mit der Polizei gedroht, weil ich dich vergewaltigen könnte!"

Ich schlucke kurz und beiße mir auf die Lippe. „Ups?", mache ich dann und sehe fragend zu ihm hoch. Seufzend lässt er seine Arme fallen.
„Nun schau mich nicht so süß an. Mein Pulli steht dir doch gut." Er klingt total versöhnlich und ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen.

„Also. Was soll meine Strafe sein? Die habe ich wohl echt verdient."
Mein betrunkenes Ich gehört doch wohl wirklich in die Klapse. Es ist definitiv zu besessen von Jungkook.

„Ich will ein richtiges Date mit dir."

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