Kapitel 9: Müssen

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Nachdem Draco das dritte Mal an der leeren Wand vorbeigegangen war, öffnete er die Augen. In der zuvor leeren Wand war nun eine Tür erschienen, die in den Raum der Wünsche führte. Er sah sich noch einmal um, dann drückte er die Klinke herunter.

Seit Granger ihn in diesem Gang erwischt hatte, kurz bevor der Raum erschienen wäre, war er vorsichtiger mit seinen Besuchen geworden. Um nicht überrascht zu werden, legte er noch einen Heimlichkeits-Aufspürzauber von innen über die Tür, sodass er gewarnt werden würde, wenn jemand hindurch kam.

Der riesige, kathedralenartige Raum löste bei ihm trotz seiner Weitläufigkeit ein Gefühl der Beklemmung aus. Er hatte seit Beginn des Schuljahres viele Stunden hier verbracht und ohne Erfolg versucht, die Funktion des Verschwindekabinetts zu verstehen, das hier versteckt war.

Es war Zufall gewesen, dass er im letzten Jahr davon erfahren und auch den neuen Aufenthaltsort des Kabinetts herausgefunden hatte. Als ihm im Sommer der Auftrag erteilt worden war, Dumbledore zu töten, hatte Mutter verzweifelt versucht, ihn davon zu überzeugen, dass er das alles nicht alleine schaffen konnte. Und auch wenn er ihr widersprochen hatte, damit sie sich nicht noch mehr Sorgen machte, wusste er, dass sie Recht hatte. Es war unmöglich, alleine zum Schulleiter von Hogwarts zu gehen (einem Mann, den sogar der Dunkle Lord fürchtete) und ihn in einem Duell zu besiegen. Er musste einerseits das Überraschungsmoment auf seiner Seite haben und Dumbledore irgendwie in die Enge treiben.

Also hatte er den Plan gefasst, Todesser nach Hogwarts zu bringen. In einem Anflug von Stolz hatte er Mutter davon berichtet, dass er einen Weg wüsste, wie man ungesehen in das Schloss käme. Tante Bellatrix hatte es mit angehört und nun war er auf diesen Plan festgenagelt. Zwar hatte er dennoch den Versuch mit dem verfluchten Halsband unternommen, aber nachdem dieser gescheitert war, wartete man in Malfoy Manor auf Ergebnisse.

Missmutig machte Draco sich auf den Weg durch die Gerümpelstapel. Jedes Mal, wenn er in den kleinen Korridor zwischen den meterhoch aufgestapelten Gegenständen einbog, verkrampfte sich sein Magen. Es war, als wüsste er schon, dass Draco auch diesmal wieder versagen würde. Dass er auch diesmal keine gute Nachricht an Mutter senden würde und sie weiterhin in Gefahr war.

Er hatte kaum einen Fuß in den Gang gesetzt, als der Heimlichkeits-Aufspürzauber seinen Zauberstab vibrieren ließ. Panik schoss durch seine Brust entlang.

Er zückte den Zauberstab und spähte um die Ecke zur Tür.

Granger.

Sie stand mit zurückgelegtem Kopf da und sah sich um, offenbar überwältigt vom Anblick all der Gegenstände, die hier gelagert waren. Er beglückwünschte sich im Geiste zu seiner Vorsichtsmaßnahme, denn so hatte sie ihm nicht weiter folgen können.

Er musste sie irgendwie ablenken. Und konnte die Gelegenheit gleich zur Übung seiner Duellierkünste nutzen. Das letzte Mal, als sie aufeinander getroffen waren, war mehr als peinlich für ihn ausgegangen.

Er nutzte den Moment und schoss einen stummen Stupor in ihre Richtung. Es war ein wenig feige, jemanden ohne Vorwarnung anzugreifen, aber immerhin war sie ihm hinterher geschlichen und es war ein harmloser Fluch.

Sie bemerkte seinen Angriff, riss den Kopf herum und sprang gleichzeitig aus der Schusslinie. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hatte sie ihren Zauberstab erhoben. Jetzt war sein Überraschungsmoment dahin, aber er hielt den Zauberstab weiter angriffsbereit. Diesmal zog er einen Schild hoch, damit sie ihn nicht wie das letzte Mal schutzlos angreifen konnte.

„Ich war bloß neugierig, was du dir gewünscht hast", stammelte Granger und wenn sie nicht so weit weg gewesen wäre, hätte er schwören können, dass sie rot wurde. „Ich dachte, du wünschst dir vielleicht einen Friseursalon, um deine Haare zu richten."

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