Hermine wickelte ein Siruptörtchen in eine Serviette und ließ diese vorsichtig in ihre Handtasche gleiten. Madam Pomfrey war sehr streng mit dem Ernährungsplan in ihrem Krankenflügel, aber sie wusste, dass Süßes Rons Lebensgeister weckte.
Sie war froh, dass alle anderen noch beim Frühstück waren, als sie zu Rons Bett ging und sich einen Stuhl heranzog. Die ständigen Spekulationen schlugen ihr aufs Gemüt. Die Nachricht, dass Ron vergiftet worden war, hatte sie seit dem Morgen schnell verbreitet und wahrscheinlich würde Lavender bald wieder auftauchen, um ihren Won-Won zu sehen. Davor musste Hermine sich vergewissern, dass es ihm gut ging.
Als sie sicher war, dass Madam Pomfrey wieder in ihrem Büro verschwunden war, zog sie das Törtchen aus der Tasche.
„Hier, ich dachte, das schmeckt bestimmt besser, als dein angeordnetes Frühstück", sagte sie und legte die Serviette aufgeschlagen auf Rons Bettdecke.
Er grinste. „Ich bin total ausgehungert", sagte er und biss genießerisch in das Gebäck. „Köstlich."
Hermine lächelte verlegen und sah auf ihre Hände. „Und wie fühlst du dich?"
„Super. Und ich muss mindestens eine Woche nicht in den Unterricht", grinste Ron mit vollem Mund.
„Oh, toll ..." Schon wieder wurde ihr Hals eng und sie fummelte nervös an der Bettdecke herum.
Sie blieb noch eine Weile neben seinem Bett sitzen und hörte sich sein fröhliches Geplapper an. Er schien sich darüber zu freuen, dass sie ihm Gesellschaft leistete, und es war das Mindeste, was sie tun konnte. Also nickte sie, während er erzählte, was seine Eltern ihm alles versprochen hatten, nachdem sie sicher gewesen waren, dass es ihm gut ging. Sie versuchte zu lächeln, als er Fred und Georges Protest nachmachte, aber es gelang ihr nicht richtig.
Als Harry einige Zeit später hereinkam, stand sie auf und ließ sich von ihm ablösen. Auf dem Weg nach oben kam ihr Professor Dumbledore entgegen. Sie wollte schon weiter gehen, als er ihren Namen sagte.
„Miss Granger." Sie blieb stehen. „Ich wollte Sie ohnehin noch einmal sprechen." Er öffnete ein leeres Klassenzimmer und bat sie hinein.
Unruhig folgte sie ihm. Sie konnte sich vorstellen, was er von ihr wollte.
„Mr Malfoy kam gestern noch zu mir und berichtete, dass er – unabsichtlich – für den Unfall mit Mr Weasley mitverantwortlich sei und dass Sie davon wussten", begann Dumbledore und sah sie dabei eindringlich an. Hermine schrumpfte unter seinem Blick zusammen. „Ich muss Sie hoffentlich nicht daran erinnern, dass Sie davon niemandem erzählen dürfen. Es würde einen großen Aufruhr verursachen und das könnte nicht nur für ihn zu einem Problem werden."
„Aber –"
„Er hat mir außerdem erzählt", fuhr Dumbledore fort.
Hermine schluckte. Jetzt kam es.
„... dass Sie durch den Alarmzauber sofort auf das Geschehen aufmerksam geworden sind." Der Schulleiter lächelte. „Harry konnte Mr Weasley zwar schneller retten, als Sie bei ihm ankamen, doch in einem anderen Fall wäre der Zauber sicher eine wertvolle Alternative gewesen."
Sie starrte Dumbledore mit offenem Mund an. Er lobte sie für ihren Einsatz? Das war vollkommen lächerlich. Sie war diejenige gewesen, die die Flasche hätte zerstören können, wenn sie nur etwas schneller gewesen wäre.
„Nun, ich muss weiter. Einen schönen Sonntag, Miss Granger." Damit verschwand er mit wehendem Umhang aus dem Klassenzimmer.
Hermine blieb an ein Schreibpult gelehnt in dem leeren Raum zurück und starrte vor sich hin. Warum hatte Draco ihm nicht von dem Verschwindekabinett erzählt? Das war auch ihre Schuld gewesen, also hätte er es ohne sich selbst zu belasten erzählen können. Und außerdem hatte sie den Alarm erst viel zu spät bemerkt. Aber den Grund dafür wollte er wahrscheinlich nicht dem Schulleiter erzählen ...
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Metamorphose
FanfictionWas wäre, wenn Hermine Harrys Spekulationen über Malfoys Geheimnis im sechsten Schuljahr ernster genommen hätte? Was wäre, wenn sie Ron beweisen wollte, dass sie mehr ist als eine langweilige Streberin? Und was wäre, wenn Draco Malfoys einzige Überl...
