Kapitel 50: Die Klage des Phönix

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Auf dem Gang vor dem Krankenflügel drängten sich Schüler in Schlafanzügen und Morgenmänteln. Hermine und Draco schoben sich an ihnen vorbei und durch die Flügeltüren nach drinnen. Madam Pomfrey lief geschäftig von einem Bett zum anderen, sagte allen, sie sollten sich wieder hinlegen, und verteilte Tränke und Salben. Auf einem Bett neben dem Eingang lag Neville und schlief, Ron stand mit einigen anderen am anderen Ende des Krankensaals.

Hermine führte Draco zu einem freien Bett etwas abseits von der Gruppe. „Bleib kurz hier, ich frage Madam Pomfrey nach einem Trank für dich." Er nickte, ließ sich auf dem Bett nach hinten fallen und schloss die Augen. Als Hermine sich umdrehte, griff er noch einmal nach ihrem Arm.

„Kannst du jemanden fragen, ob sie etwas ... zu meiner Mutter wissen?", fragte er mit kratziger Stimme. „Ich weiß nicht, was mit ihr ist ... jetzt wo ..."

Hermine riss die Augen auf. „Natürlich!" Sie hatte völlig vergessen, dass Draco sich darum sorgte und dass Dumbledore ...

Sie ballte die Faust ihrer gesunden Hand und sah sich um. Madam Pomfrey stand jetzt an dem Bett, um das Ron, Luna, Tonks und Lupin versammelt waren. Als sie näher kam, zog Ron sie in seine Arme.

„Ich habe dich gar nicht mehr gesehen!", sagte er. „Wo warst du die ganze Zeit?"

Hermine winkte ab. „Nicht so wichtig." Sie dachte daran, dass sie versucht hatte, Snape aufzuhalten. „Was ist hier passiert?"

„Bill wurde von Greyback angegriffen", sagte Ron mit besorgtem Ausdruck. „Er hat ihn ganz schön zugerichtet." In der Tat sah Bill aus, als hätte jemand sein Gesicht zerreißen wollen.

„Von Greyback?", fragte Hermine bestürzt.

„Ja ... aber er war nicht verwandelt, Lupin sagt, er wird wahrscheinlich kein richtiger Werwolf werden."

Bei der Erwähnung seines Namens drehte Lupin sich um. „Hermine." Er lächelte freundlich, aber müde. „Du bist wohlauf?"

Sie nickte. „Nur eine verstauchte Hand." Sie sah zurück zu Draco, der auf dem Rücken lag. „Haben Sie vielleicht etwas vom Orden gehört?", fragte sie an Lupin gewandt.

Der runzelte die Stirn. „Was meinst du?"

Sie erklärte eilig die Umstände, unter denen Draco das Schuljahr in Hogwarts verbracht hatte und welches Versprechen Dumbledore gemacht hatte.

Lupin schüttelte den Kopf. „Davon weiß ich nichts. Aber fragt doch am besten Dumbledore, wenn er ..."

Die Türen des Krankensaals wurden erneut aufgestoßen und Harry kam mit Ginny herein.


Es dauerte eine Weile, bis Harry allen von den Ereignissen berichtet hatte. Hermine war froh, dass er das Reden übernahm, denn sie war sich nicht sicher, ob sie die Neuigkeit von Dumbledores Tod hätte erzählen wollen und Draco, der dabei gewesen war, war offensichtlich nicht in der Lage dazu.

Ginny und Ron sahen beide zu ihr, als Harry zu der Stelle kam, wo Draco den Astronomieturm betrat, doch sie sagten nichts. Sie war dankbar, dass sie ihre Fragen nicht vor den Auroren und Madam Pomfrey beantworten musste.

Die Klage des Phönix hallte über das Schlossgelände. Draco hatte von Madam Pompfrey einen Trank bekommen und schlief endlich. Hermine hatte ihre Tränen mit einem Tuch getrocknet und saß nun etwas verloren neben den anderen und lauschte. Es war ein trauriges Lied, aber sie hatte das Gefühl, dass es ihr ein wenig von dem Schrecken nahm, der sich in ihrer Brust festgesetzt hatte.

Irgendwann kam Professor McGonagall in den Krankensaal und fragte nach Snape.

„Snape hat Dumbledore getötet", wiederholte Harry noch einmal. *

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