„Wenn du den Abreisetag vorschlägst, haben wir einerseits noch ziemlich viel Zeit und außerdem wird Dumbledore da definitiv da sein." Hermine kringelte das Datum auf der Tabelle ein, die sie aufgezeichnet hatten, um die Informationen zu ordnen, die Draco seiner Mutter schreiben konnte.
Sie hatten sich darauf geeinigt, ein Datum für Dracos „Plan" festzulegen, sodass sich die Todesser darauf vorbereiten konnten. Dieser Zeitpunkt musste so weit in der Zukunft liegen, dass Draco und seine Mutter zu diesem Tag schon im Schutz des Ordens wären und außerdem möglichst wenig Schüler in der Schule. Und Dumbledore war immer am Morgen vor der Abfahrt beim Frühstück in der Großen Halle.
Außerdem hatten sie einen groben Umriss von Hogwarts gezeichnet, über dem sie saßen und versuchten, nutzlose, aber wichtig erscheinende Informationen zu notieren, die etwas mit dem „Plan" zu haben sollten.
„Vielleicht sollten wir das absprechen?", wandte Draco ein. „Falls er irgendwann mal wieder erreichbar ist."
Hermine seufzte und machte sich eine Notiz auf ihrer langen Liste an Aufgaben, die sich allmählich mit Prüfungsvorbereitungen füllten. Es war Mitte Mai und auch wenn so vieles in ihrem Kopf herumschwirrte, vernachlässigte sie ihre Schulaufgaben nicht.
Und sorgte auch dafür, dass Draco seine Hausaufgaben rechtzeitig fertig schrieb, auch wenn er noch immer der Meinung zu sein schien, dass er keinen Schulabschluss machen würde.
Seit dem Gespräch mit Harry und Ron hatte Hermine sich freiwillig von ihnen ferngehalten, wobei sie vordergründig Rons unangebrachte, misstrauische Blicke vorschob. Doch insgeheim war sie froh darüber, Zeit mit Draco verbringen zu können.
Sie hatte ihn vermisst.
Sie hatte sich von ihm ferngehalten und gehofft, so wieder Abstand gewinnen zu können, aber sie hatte ihn vermisst und sie wollte keinen Abstand mehr.
Wenn sie nicht gerade an den Informationen für seinen nächsten Brief arbeiteten, machten sie Hausaufgaben und erzählten sich unverfängliche Geschichten aus ihrer Kindheit. Inmitten der Spannungen, die die Situation mit den Todessern und ihren Freunden erzeugte, war es eine Erleichterung, über etwas anderes sprechen zu können. Draco schien eine gewisse Faszination für die Muggelwelt entwickelt zu haben. Er war überrascht, dass Hermine bereits mit sechs Jahren in die Schule gegangen war, als er noch zu Hause bei seiner Mutter gelernt hatte. Er erzählte, dass er früher immer beim Backen helfen durfte, wenn er seine Lektionen im Schreiben und Geschichte zufriedenstellend erledigt hatte. Sein Vater war anscheinend viel unterwegs gewesen, ähnlich wie bei Hermines Eltern, wobei ihr Vater auch zuhause geblieben war, wenn ihre Mutter zu einer Konferenz reiste.
„Das Beste war der Zitronenkuchen", erzählte Draco und hatte dabei einen ungewohnt verträumten Ausdruck im Gesicht, den Hermine jahrhundertelang ansehen und nicht müde werden würde. „Ich weiß, es klingt langweilig, weil es nur ein einfacher Rührkuchen ist, aber wir haben frische Zitronenschale hinein gerieben und manchmal hat Lippy diese kleinen Tropfen aus dem Fruchtfleisch rausgelöst und mit dazugegeben."
Hermine lächelte und stellte sich einen sechsjährigen Draco vor, der neben einer Hauselfe stand, die nicht größer war als er.
„Aber das Beste war der Zuckerguss. Ich habe den nie auf die genau richtige Cremigkeit bekommen, nachdem ..." Er verstummte. „Später."
Sie wollte gerne wissen, was für ein Ereignis er meinte, aber er schüttelte abrupt den Kopf und wandte sich wieder seinen Notizen zu, also sagte sie nichts weiter.
„Ich frage mich, ob wir etwas übersehen", sagte sie stattdessen. „Vielleicht ist es eine Falle."
„Was für eine Falle?"
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Metamorphose
FanfictionWas wäre, wenn Hermine Harrys Spekulationen über Malfoys Geheimnis im sechsten Schuljahr ernster genommen hätte? Was wäre, wenn sie Ron beweisen wollte, dass sie mehr ist als eine langweilige Streberin? Und was wäre, wenn Draco Malfoys einzige Überl...
