Weil sie mit der Wiederholung für Kräuterkunde nicht fertig geworden war, setzte Hermine sich im Gemeinschaftsraum noch einmal hin und zog ihre Schulsachen hervor. Es war schon spät, nur noch die Abschlussklassen waren zum Lernen an den Tischen verteilt.
Sie begann noch einmal ganz von vorne. „Giftige Tentakula." Mit geschlossenen Augen rief sie sich die Eigenschaften der Pflanze ins Gedächtnis. „Die Samen unterliegen wegen ihrer hohen Toxizität den Einschränkungen der –"
„Hermine, hast du kurz Zeit?"
Sie öffnete die Augen und sah Harry an, der sich neben ihr dem Sofa niedergelassen hatte. Seufzend legte sie erneut ihre Aufschriebe zur Seite. „Was ist?"
„Es tut mir echt leid, dass Malfoy dich heute beleidigt hat", setzte er langsam an.
„Er hat mich nicht beleidigt, er hat einen dummen Kommentar abgegeben", korrigierte Hermine genervt.
„Trotzdem – das muss sich echt blöd anfühlen."
„Es fühlt sich blöd an, wenn deine Freunde plötzlich nicht mehr mit dir reden, weil du dich darüber aufregst, dass jemand hätte sterben können." Aber sie konnte ihm dabei nicht in die Augen sehen, weil das Bild von Rons bleichem Gesicht an seinem Geburtstag in ihren Gedanken aufblitzte.
„Das verstehe ich", erwiderte Harry ruhig. „Es ist etwas unerwartet, dass dich das so aufwühlt, aber du hast dich schließlich schon immer sehr für Gerechtigkeit eingesetzt."
Hermine sah wieder auf ihre Notizen.
„Bitte." Er rutschte näher zu ihr und legte die Hand auf das Pergament, sodass sie ihn ansehen musste. „Erkläre es mir."
„Ich kann es dir nicht sagen. Wirklich nicht", seufzte sie.
„Warum nicht?"
Sie ließ den Kopf nach hinten fallen und schnaubte frustriert die Decke an. „Es ist nicht so wichtig."
„Hermine, Ron glaubt, Malfoy hätte dich mit dem Imperius-Fluch belegt."
„Was?"
Harry wiegte verlegen den Kopf hin und her. „Naja, also es ist jetzt nicht so weit hergeholt."
„Es ist –" Aber sie stockte mitten im Satz.
„Schau, ich sag ja nicht, dass es so ist – und wenn es so wäre, wäre es ja nicht deine Schuld – aber du kannst doch nicht wirklich wegen ein paar Worten davon überzeugt sein, dass Malfoy plötzlich – keine Ahnung, ein guter Mensch ist." Auf ihren fragenden Blick fügte er hinzu: „Ginny hat mir davon erzählt. Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, dass ihr euch je unterhalten habt."
„Ich hab doch nur gesagt, dass er kein Todesser ist."
„Ihr sagt das schon das ganze Schuljahr, aber es deutet wirklich viel darauf hin. Ich meine, ich bin ihm mehrfach gefolgt, er heckt definitiv irgendwas im Raum der Wünsche aus."
„Oh, Harry, kannst du nicht endlich damit aufhören?"
„So wie du damit aufhörst, dich auf Malfoys Seite zu schlagen?"
„Das tue ich doch gar nicht!"
„Was tust du dann?"
Sie holte tief Luft. „Ich sage bloß, dass er kein Todesser ist."
„Aber woher willst du das wissen?"
„Ich weiß es einfach!"
Harry musterte sie und seine Miene nahm einen besorgten Ausdruck an.
„Hermine, du hast noch nie irgendetwas geglaubt, wofür du keine handfesten Beweise hattest. Warum hast du mir sonst jedes Mal widersprochen, wenn ich irgendetwas vermutet habe?" Er zog einen violetten Zettel aus seiner Tasche und reichte ihn ihr. „Es wäre nicht der erste Vorfall dieses Jahr. Ich meine, sogar wir haben Erfahrung mit Leuten, die unter dem Imperius standen."
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Metamorphose
FanfictionWas wäre, wenn Hermine Harrys Spekulationen über Malfoys Geheimnis im sechsten Schuljahr ernster genommen hätte? Was wäre, wenn sie Ron beweisen wollte, dass sie mehr ist als eine langweilige Streberin? Und was wäre, wenn Draco Malfoys einzige Überl...
