Am Tag nachdem er im Raum der Wünsche auf dem Sofa geschlafen hatte, war alles ein wenig heller gewesen, ein wenig farbenfroher. Etwas leichter. Beim Frühstück hatte der Toast besser geschmeckt und sein Tee hatte genau die richtige Menge Bitterkeit und Milch gehabt. Er hatte seine übliche neutrale bis herablassende Miene aufgesetzt, um die anderen Slytherins nicht zu irritieren. Aber innerlich konnte er nicht aufhören, zu grinsen.
Hermine hatte ihn wieder geküsst.
Sie hatte beim ersten Mal nicht gedacht, dass es ein Fehler gewesen war. Hatte nicht gewollt, dass er ging. Er spürte noch immer ihre Hände an seinem Gesicht, die zarte Berührung ihrer Finger, wenn sie in seine Haare fuhren. Ihre leisen Seufzer, bei denen ihn das Bedürfnis überkam, herauszufinden welche Geräusche sie noch von sich geben würde.
Und obwohl die unbeabsichtigte Reparatur eine kleine Delle in sein erleichtertes Gefühl gemacht hatte, wog es nicht so schwer wie noch vor wenigen Wochen. Ein kleiner Teil von ihm war beinahe froh darüber, dass sie weiter einen Vorwand hatten, sich im Raum der Wünsche zu treffen.
Fast eine Woche suchten sie nun nach einer Lösung für das Problem, das Hermine unbeabsichtigt verursacht hatte. Einmal hatte sie vorgeschlagen, den Schrank einfach umzukippen und zu hoffen, dass er wieder kaputt ging.
„Ich glaube nicht, dass das im Sinne unseres Auftrags ist, herauszufinden, wie das Verschwindekabinett funktioniert", hatte Draco eingewandt und sie hatten diesen Plan verworfen.
Aber es fühlte sich nicht wie eine unlösbare Aufgabe an. Selbst wenn sie jedes einzelne Buch über Siegelsprüche lesen mussten, das sich in der Bibliothek befand. Sie würden etwas finden.
Er saß auf der Seite des Sofas im Kaminzimmer, das Hermines Sessel am nächsten stand und recherchierte wie jeden freien Tag. Wenn er von seinem Buch aufsah, fiel sein sein Blick auf sie.
Sie hatte den Kopf gesenkt, ihre braunen Locken fielen über ihr Gesicht und sie tippte mit einem Finger auf der Seite des Buches herum.
Sie war so weit weg.
Das Feuer fing sich in ihren Haaren und gab ihnen einen rötlichen Schimmer, der zu den Farben ihres Schulumhangs passte. Beim Gedanken, wie sie sich auf seinen Schoß gesetzt hatte, konnte er kaum still sitzen bleiben. Besser, er dachte nicht zu genau darüber nach.
Draco unterdrückte den Impuls, aufzustehen und sie von diesem Sessel zu ziehen. Hinüber zum Sofa. Er erinnerte sich, wie sie zu ihm aufgesehen hatte, die Beine um seine Hüfte geschlungen, die Bluse bis über die Brüste hochgeschoben.
Er rutschte auf dem Polster herum. Hermine sah auf und ihre Augen blitzten, als sie seinen Blick bemerkte.
„Ich glaube, ich hab was", sagte sie und schob das Buch über den Tisch zu ihm.
Seine Wangen brannten und er hoffte, dass sie es nicht bemerkte.
Säße sie neben ihm, hätten sie sich nun gemeinsam darüber gebeugt und ihre Schultern hätten sich berührt. Hitze breitete sich in Dracos Bauch aus und er konzentrierte sich eilig auf den Text vor ihm.
Es war ein Verweis auf ein Buch namens Sygel – Finstere Symbole und ihre Anwendung.
„Für den Schutz von Türen vor dem Bösen und Guten und jedem chaotischen Neutralen dazwischen verweise ich an Sygel von Rydwin Naud", las Draco vor. „Das steht nicht in der Bibliothek, oder?"
Hermine schüttelte den Kopf. „Wir hätten es längst finden müssen."
Er dachte nach. „Ich kann danach suchen lassen."
„Wie das?"
„Unsere Hauselfe kann das –"
„Auf gar keinen Fall!" Entrüstet verschränkte Hermine die Arme. „Wir werden es anders herausfinden."
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Metamorphose
FanfictionWas wäre, wenn Hermine Harrys Spekulationen über Malfoys Geheimnis im sechsten Schuljahr ernster genommen hätte? Was wäre, wenn sie Ron beweisen wollte, dass sie mehr ist als eine langweilige Streberin? Und was wäre, wenn Draco Malfoys einzige Überl...
