Kapitel 57: Geständnisse

25 4 1
                                        

Nachdem Harry Mrs Weasley keine Auskunft darüber gab, warum sie zum nächsten Schuljahr nicht nach Hogwarts zurückkehren würden, hielt diese sie auf ihre eigene Art davon ab, Pläne zu schmieden, und gab ihnen eine Aufgabe nach der anderen. Die näher rückende Hochzeit von Bill und Fleur konnte die Stimmung im Haus nicht gänzlich heben, doch zumindest trugen die vielen Vorbereitungen dazu bei, dass Hermine sich keine Gedanken um die Zukunft machen konnte.

Und noch eine Veränderung hatte sich vollzogen. Obwohl er nicht darum gebeten worden war, half Draco wie selbstverständlich bei allen Aufgaben, die Mrs Weasley ihr zuteilte. Vielleicht half es, ihn von seinen eigenen Sorgen abzulenken. Es führte zu neuen Spannungen mit Ron, doch sie war dankbar für die Gesellschaft und das Gefühl, einige ganz normale Tage mit Draco verbringen zu können. So hatten sie immer wieder Gelegenheit, sich irgendwohin zu verziehen und ein paar ungestörte Minuten der Zweisamkeit zu genießen. Hermine hatte sich endlich für Dracos Küsse und Liebkosungen revanchieren können und sie merkte, wie sehr sie diese Art der Verbindung mit ihm genoss. Ihre Zeit dafür war begrenzt genug.

Hermine trug eine Kiste mit Lampions in den Garten, die sie zusammen mit Harry und Ron aufhängen sollte. Die beiden waren bereits mit der ersten Kiste beschäftigt, wobei Harry in einem der Bäume hing und sich die Lichter von Ron nach oben geben ließ.

„Ich verstehe nicht, warum Hermine sich das gefallen lässt", sagte Ron und wühlte in der Kiste. „Sie könnte ihm einfach sagen, dass er Abstand halten soll."

Hermine blieb stehen. Die beiden hatten ihr den Rücken zugedreht und sahen sie nicht kommen, und sie drückte sich in einen Himbeerstrauch, der sie von ihren Freunden abtrennte. Sie sollte nicht lauschen, aber gleichzeitig wollte sie wissen, was Ron zu sagen hatte, wenn er dachte, sie bekäme es nicht mit.

„Wieso denkst du, dass sie das nicht möchte?", fragte Harry. Sie dankte ihm innerlich, dass er ihr die Autonomie nicht absprach.

Ron schnaubte. „Das ist doch nicht normal. Ich wette, Malfoy will sie flachlegen oder so."

Sie zuckte zusammen. Solche Wörter benutzte Ron in ihrer Gegenwart nicht.

Schweigen. Dann: „Und wenn sie das auch will, wäre es doch in Ordnung?" Oh, Harry. Verteidigte er sie immer so?

Etwas rumpelte. „In Ordnung? Wenn sie sich von ihm flachlegen lässt? Von Malfoy?" Rons Stimme war eine Oktave höher gerutscht.

Die gemurmelte Antwort konnte Hermine nicht verstehen. Wahrscheinlich war Harry zurückgerudert. Er war zwar mutig im Kampf gegen die dunklen Mächte, aber einem Streit mit Ron ging er doch lieber aus dem Weg.

„Als ob Hermine was von ihm wollen würde", fügte Ron hinzu und schnaubte abfällig.

Blätter raschelten und sie sah Harrys Hand zwischen zwei Ästen hindurch. „Willst du es ihr nicht vielleicht sagen?"

„Was sagen?" Rons Frage kam zu schnell.

Harry antwortete nicht, während er umständlich den Baum wieder hinunterkletterte. Erst als er einige Schritte von Ron entfernt an den nächsten Baum trat, sagte er: „Dass du sie magst."

„Das weiß sie doch." Ron folgte ihm und Hermine traute sich etwas weiter aus dem Gebüsch.

„Du hast dich in der Schule nicht wirklich so verhalten."

„Ja, weil sie jetzt Malfoy hat, mit dem sie die ganze Zeit rumhängt."

„Dann hast du umso mehr Grund, es ihr zu sagen."

„Wenn Malfoy sie angefasst hat, will ich sie gar nicht mehr", sagte Ron. Hermine machte einen Schritt zur Seite.

„Gute Einstellung, Ron", fauchte sie und bückte sich nach der Kiste mit den Lampions. „Wenn du dich so verhältst, will ich dich auf jeden Fall nicht." Mit wenigen Schritten hatte sie die beiden erreicht und knallte den Karton auf den Boden.

MetamorphoseWo Geschichten leben. Entdecke jetzt