Kapitel 21: Gemeinheiten

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Bis zum späten Nachmittag saß Hermine mit Malfoy in der Bibliothek.

Sie versuchte, nicht darüber nachzudenken, dass das total absurd war.

Es beruhigte sie erstaunlicherweise, ihm dabei zu helfen, eine Aufgabenstellung besser zur treffen oder einen Fehler in seinem Aufsatz zu bereinigen. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie sehr sie solche Zusammenarbeit in den vergangenen Wochen vermisst hatte. Zwar brauchte Malfoy meist keine grundlegende Hilfe, doch sein Wissen über den Stoff des Schuljahres war sehr gering. Er hatte im Unterricht offenbar nicht gut aufgepasst und kaum Anstrengungen unternommen, das nachzuholen.

Als sie ihn darauf ansprach, reagierte er zunächst ausweichend. „Ich hatte eben viel anderes im Kopf."

„Wie zum Beispiel?", hakte sie nach.

Er beugte sich tiefer über seinen Aufsatz und fuhr mit der Feder ein Wort nach, das er gerade verbessert hatte. „Freunde, Familie ..."

„Du meinst, dass die Todesser und deine Tante Professor Dumbledore töten wollen?", spezifizierte sie.

Erschrocken riss er den Kopf hoch. „Nicht so laut!"

„Es ist niemand hier." Sie deutete auf die leere Bibliothek. „Alle packen Geschenke aus und feiern irgendwas."

„Ich denke, die Geschenke werden sie schon heute Morgen ausgepackt haben", verbesserte er.

„Hm, ich nicht." Hermine zupfte an einem Pergament, das aus dem Stapel vor ihr lugte.

„Du hast Geschenke bekommen und sie nicht ausgepackt?"

„Ich hatte eben keine Lust darauf."

Seine zusammengezogenen Augenbrauen zeugten von purem Unglauben. „Warum? Immerhin hast du sicherlich einen Haufen Geschenke bekommen. Ich wette, sogar die Weasleys haben dir was geschickt, obwohl du nicht mit ihnen feierst."

Sie hatte nicht nachgesehen, aber wahrscheinlich hatte er Recht. „Und du hast wohl direkt alles ausgepackt, wie? Ganz alleine in Hogwarts, während all deine Freunde ihre Geschenke im Beisein ihrer Familie öffnen."

„So viel gab es jetzt nicht auszupacken", gab er zurück.

Genervt rollte sie mit den Augen und sah ihn unter halb geöffneten Lidern an. „Oh bitte!", schnaubte sie. „Nur weil es für dich nicht viel ist, heißt das gar nichts."

Malfoy lehnte sich in seinem Stuhl zurück und legte die Feder ab. „Meine Mutter hat mir zwei Pakete gesendet. Eines ist von ihr, über das ich mich sehr gefreut habe, das andere ist von Vater, aber sie hat es natürlich für ihn ausgesucht. Mach dich nicht über mich lustig, wenn du keine Ahnung hast, Granger."

Hermine öffnete ihren Mund und schloss ihn wieder, dann wandte sie sich ab. „Tut mir leid", murmelte sie und versuchte, sich auf den Text vor ihr zu konzentrieren.

„Braucht es nicht", knurrte er zurück.

„Tut es trotzdem. Das war unfair von mir."

Ein Brummen seinerseits.

„Warum hast du denn nun deine schulischen Leistungen vernachlässigt?", wiederholte sie die Frage zuvor, in der Hoffnung, das Thema zu wechseln.

„Naja ... ja, wegen der ganzen Sache." Er rutschte auf seinem Stuhl nach vorne. „Es hat irgendwie nicht mehr so viel Sinn gemacht, wenn ich sowieso keinen Abschluss mache."

Sie erinnerte sich, dass Harry erzählt hatte, er hätte so etwas damals im Zug gesagt. Er hatte damit geprahlt, dass er im nächsten Schuljahr möglicherweise nicht nach Hogwarts zurückkehren würde, weil er wichtigere Dinge zu tun haben würde.

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