Der Morgen des ersten August begann früh und mit vielen hektischen Vorbereitungen.
Ginny und Hermine wurden von Mrs Weasley mit der Drohung geweckt, sie hätten „noch zwanzig Minuten Zeit, etwas zu essen, bevor hier alles mit Hochzeitsvorbereitungen zu tun hat". Auf dem Flur begegneten sie Harry, Ron und Draco, die ähnlich verschlafen die Treppe hinunter kamen. Sehr zu Rons Verdruss hatte Mrs Weasley Draco in sein Zimmer umquartiert, nachdem noch mehr Hochzeitsgäste eine Unterkunft benötigt hatten. Bisher war es jedoch zu keinen Eskalationen gekommen, was Hermine hoffen ließ, dass die beiden sich tatsächlich um ihretwillen bemühten.
Trotzdem wandte Ron sich ab, als Draco die Hände um ihre Taille schlang und sie an sich zog.
„Guten Morgen." Er drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.
Verlegen mied sie den Blick zu ihren Freunden und machte sich eilig los. „Morgen", nuschelte sie. Aber auf dem Weg nach unten ließ sie Dracos Hand nicht los.
Der Vormittag flog vorbei in einem Wirbel aus Tische-Rücken, fremden Menschen den Weg zum Badezimmer erklären und kurzen Pausen zwischen den Apfelbäumen, wenn Draco sie zur Seite zog und sich einige Minuten Zeit für etwas stahl, was nichts mit den Hochzeitsvorbereitungen zu tun hatte.
Nachmittags war Hermine mit Draco im Festzelt platziert, um den Gästen zu helfen, die ihre Plätze nicht fanden. Es war ein wunderschöner Sommertag; auf der Wiese draußen schwebten Bienen und Schmetterlinge und die Sonne strahlte auf die riesige Hochzeitsgesellschaft herab. Der Garten der Weasleys bot eine zauberhafte Kulisse für das große weiße Zelt, das angefüllt war mit Reihen zierlicher goldener Stühle entlang des lila Teppichs, den Fleur später hinunter gehen würde. Das gesamte Dekor war in Gold und Weiß gehalten, sicherlich eher der Einfluss der Braut als Mrs Weasleys, aber es sah wunderschön aus.
Draco hatte von Tonks eine unauffälligere Haarfarbe bekommen und Hermine musste mehr als einmal einen zweiten Blick auf ihn werfen, wenn ihr das ungewohnte Braun ins Auge fiel. Trotzdem war sie froh, dass er nicht wie Harry Vielsafttrank hatte nehmen müssen, denn Harry als das Ebenbild eines Muggeljungen aus dem Dorf wirkte fremd und es wäre ihr sicher schwer gefallen, sich Draco gegenüber nicht reservierter zu verhalten. So konnten sie sich jedoch unbehelligt an den Händen halten, während sie älteren Hexen und Zauberern ihre Plätze zeigten, Fragen über den Festablauf beantworteten und verneinten, wenn jemand wissen wollte, ob Harry Potter anwesend war.
Hermine hatte erwartet, dass Draco genervt von der vergrößerten Zahl an Weasleys und Muggelgeborenen sein würde, doch er gab nicht einmal einen Kommentar dazu ab. Jedes Gespräch, das er führte, war von Höflichkeit und Hilfsbereitschaft geprägt.
„Du bist so ... gesellig", flüsterte sie ihm zu, nachdem er eine alten Dame in einem ausgestellten gerüschten Festumhang zu ihrem Platz geführt und ihr eine Tasse Tee organisiert hatte.
Draco legte seinen Arm um Hermines Taille und beugte sich zu ihr hinunter. „Jahrelange Übung."
„Ich habe dich noch nie so gesehen", protestierte sie.
„Du warst schließlich auch noch nie bei einer der Wohltätigkeitsorganisationen meiner Mutter." Er drückte sie an seine Seite. „Warte, bis später die Tanzfläche eröffnet ist, dann zeige ich dir, was ich noch alles lernen musste."
Sie dachte daran, wie er beim Weihnachtsball im vierten Schuljahr ausgesehen hatte und spürte einen merkwürdigen, nostalgischen Stich im Bauch. Er war ihr damals aufgefallen, weil er im Gegensatz zu Ron und Harry tatsächlich auf der Tanzfläche gewesen war. Zwar war sie damals mit Viktor da gewesen und hatte sich nicht auf diese Weise für Draco interessiert, aber sie erinnerte sich, dass sie sich gefragt hatte, wie es wohl wäre mit ihm zu tanzen.
DU LIEST GERADE
Metamorphose
FanfictionWas wäre, wenn Hermine Harrys Spekulationen über Malfoys Geheimnis im sechsten Schuljahr ernster genommen hätte? Was wäre, wenn sie Ron beweisen wollte, dass sie mehr ist als eine langweilige Streberin? Und was wäre, wenn Draco Malfoys einzige Überl...
